Work & Travel – Learnings aus 11 Monaten reisen und arbeiten ohne Pleite zu gehen

Work & Travel – Learnings aus 11 Monaten reisen und arbeiten ohne Pleite zu gehen

Work & Travel: Live simple, work smart, travel lots

11 Monate reisen und arbeiten ohne Pleite zu gehen. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich meine Wohnung in München aufgegeben, meinen Hausstand untergestellt, meinen Rucksack gepackt und reise seitdem durch Australien und Asien. Die Work & Travel Reise war ein lang gehegter Traum von meiner Frau und mir, den wir uns mit einer etwas längeren Hochzeitsreise nun erfüllt haben. Arbeitstechnisch war es für mich aber ein Experiment mit ungewissem Ausgang, frei nach dem Motto: Let’s see what works!

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Das Büro unterwegs: Arbeit ist, wo WiFi ist

Ausgangssituation: Positives Feedback meiner Kunden

Ich arbeite sowohl als Online Marketing Freelancer für externe Kunden, als auch an eigenen Online Projekten. Durch die Art meiner Arbeit bin ich nicht an einen festen Ort gebunden und habe auch keine Verpflichtungen wie Meetings oder ähnliches was meine direkte Anwesenheit erfordert.
Bestehende Kunden habe ich vor meinem Aufbruch in den Work & Travel Modus über meine Pläne informiert. Ich hatte mit sehr skeptischen Reaktionen gerechnet, wurde aber durchweg positiv überrascht. So gut wie alle haben mir alles Gute für mein Work & Travel Vorhaben gewünscht und hatten keine Bedenken bezüglich der räumlichen Distanz.
Meine anderen Projekte habe ich vor der Abreise so organisiert, dass sie ziemlich autark liefen und keinen großen Pflegeaufwand erforderten. Dazu habe ich einen Freund mit den wichtigsten Punkten der Projekte vertraut gemacht, der sich im Notfall darum hätte kümmern können. Auf meine Post hatte freundlicher Weise meine Familie ein Auge, das heißt die Post die eine Reaktion von mir erforderte wurde mir per Whatsapp als Bild geschickt, so dass keine wichtigen Dinge untergegangen sind.

Andere Länder, andere Herausforderungen

Für Australien hatte ich ein Work & Travel Visum und es war von Anfang an klar, dass wir bei der Dauer unserer Reise so günstig reisen sollten wie es geht und falls das Geld knapp werden sollte dürften wir uns auch nicht zu schade für einen Farmjob oder ähnliches sein. Die Hauptaufgabe war also unsere tägliche Lifeburnrate so niedrig wie möglich zu halten.
Dazu sei gesagt, Australien ist kein günstiges Land. Die Lebenshaltungskosten gerade in Metropolen wie Sydney und Melbourne sind – trotz Work & Travel Budget Reise – im Vergleich höher als die deutschen Spitzenreiter Hamburg und München. Um das Land zu erkunden und mobil zu sein haben wir uns für einen Autokauf entschieden, was im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung war. Für 8 Monate hat uns der Wagen nach Aufrechnung des Verkaufserlöses ca. 500 € pro Kopf gekostet, im Vergleich dazu haben wir eine deutsche Familie getroffen, die 11.000 € für 6 Monate Automiete ausgegeben hat. Also ein nicht unwesentlicher Unterschied. Zudem konnten wir in dem Auto schlafen und konnten so unsere Übernachtungskosten niedrig halten. Da der Camper auch eine Küche hatte, haben wir so gut wie immer selber gekocht, was bei den australischen Restaurantpreisen auf Dauer auch einen extremen Unterschied macht.

Learning 1: Insgesamt sind es die alltäglichen Dinge auf Reisen, an denen man das meiste Geld sparen kann: Übernachtungen, Essen und Mobilität. (…das gilt übrigens nicht nur für Reisen)

Tägliche pro Kopf Ausgaben in Australien: 30 € – 35 €

Gänzlich anders gestaltete sich das Work & Travel Reisen in Asien. Wir wollten Indonesien, Singapur, Malaysia und Thailand bereisen und haben uns jeweils vor Ort darum gekümmert wie wir von A nach B kommen, ein Autokauf wäre sinnfrei gewesen. Unsere Hauptreisemittel waren Boote und Busse, die großen Strecken (z.B. Bali-Singapur) sind wir günstig geflogen, damit waren die Kosten für unsere Mobilität sehr überschaubar. Geschlafen haben wir in Bungalows, die zwar einfach aber durchaus solide und oft in atemberaubenden Lagen sind. Das Essen ist in Asien allgemein recht günstig, daher haben wir in Asien auch nicht ein einziges Mal für uns selber gekocht. Die Gesamtausgaben pro Kopf sind, innerhalb der von uns bereisten asiatischen Länder, noch einmal unterschiedlich, wobei Thailand das mit Abstand günstigste dieser vier Länder ist.

Tägliche pro Kopf Ausgaben in Thailand: 15 € – 20 €

Arbeiten im Outback oder am Palmenstrand?

Für ein wirkliches Work & Travel, also um arbeiten zu können, sind 3 Dinge essentiell: Laptop, Internetverbindung und Strom. Der Laptop hat bislang alles gut mitgemacht (teuteuteu), von über 45 Grad im Outback bis hin zu feuchtwarmen Klimazonen im Norden Australiens und in Asien. Ein größeres Problem stellte eine verlässliche Internetverbindung in Australien dar. Da wir fast ausschließlich auf Campingplätzen und Nationalparks übernachtet haben, war ich auf die dortige Internetversorgung angewiesen. Mein Handyvertrag in Australien hatte leider nicht genügend Datenvolumen, als dass ich ausschließlich darüber arbeiten hätte können, dazu kam auch dass das Handynetz zumeist nur direkt in Städten mit 10.000+ Einwohnern funktioniert. Die Nationalparks waren aber zumeist komplett in der Natur, so dass es dort unmöglich war eine Internetverbindung zu bekommen.

Learning 2: Daraufhin habe ich meine Arbeitsaufgaben in 2 Bereiche eingeteilt, auf der einen Seite Aufgaben, die nur online erledigt werden können und auf der anderen Seite alle Aufgaben für die ich keine Internetverbindung benötige, wie zum Beispiel das Schreiben dieses Artikels hier. Diese Aufteilung werde ich auf jeden Fall auch in Zukunft beibehalten, denn es gibt immer Dinge die auch offline abgearbeitet werden können.

Die letzte nötige Ressource für Work & Travel ist Strom. Die aktuelle Akku-Laufzeit meines Rechners liegt bei ca. 3 Stunden und auf Nationalparks gibt es natürlich auch keine Stromversorgung. Das bedeutete, dass meine Arbeitsmöglichkeiten auf offline Aufgaben und eine maximale Zeitspanne von 3 Stunden limitiert waren. Die Einheimischen nehmen sich zur Stromversorgung einfach ein kleines Solarpannel mit auf den Campingplatz, was durchaus Sinn macht, denn Sonne gibt es in Australien genug.
Diese Gegebenheiten können aber auch zu kuriosen Arbeitsumständen führen, so dass ich einmal meine Umsatzsteuer auf einem Strandparkplatz über eine sehr schlechte Internetverbindung eines Handys und mit dem allerletzten Saft im Akku meines Laptops an das deutsche Finanzamt übertragen musste. Geklappt hat es, aber das muss ich nicht immer haben ☺ Work & Travel heißt eben auch mal improvisieren zu müssen.
Ganz anders sind meine Erfahrungen in Asien. Jeder Bungalow, in dem wir übernachtet haben, hatte Strom und ein meist solide funktionierendes, kostenloses WiFi. Nur eine einzige Unterkunft war so abgelegen, dass wir für 3 Tage komplett ohne Internetzugang waren, was aber ein absoluter Segen sein kann.

Learning 3: Es gibt auch noch ein Leben ohne Internet. Für mich war es eine wirklich tolle Erfahrung, für 3 Tage komplett ohne Internet zu sein. Am ersten Tage fühlt es sich an wie ein kleiner Entzug, nicht andauernd die E-Mails checken oder ob irgendwo ein interessanter neuer Artikel veröffentlicht wurde. Am zweiten Tag normalisiert es sich und ich habe angefangen den Umstand als gegeben anzunehmen und dankbar dafür zu sein. Es waren traumhafte 3 Tage, glaubt es mir!

Meine produktivsten Arbeitsumgebungen waren auf der Reise immer die Orte, an denen wir mindestens 3 Tage waren, ich den Komfort von etwas Privatsphäre (Balkon oder Terrasse) hatte und die Stromversorgung gesichert war.

Meine Erkenntnisse aus meinem Work & TRAVEL Arbeitsexperiment

Es hat funktioniert, ich bin nicht pleite aber dafür um unendlich viele Eindrücke reicher. Gerade in Asien lässt sich das Reisen und Arbeiten auf einem längeren Zeitraum sehr gut miteinander verbinden, da die Lebenshaltungskosten hier wesentlich niedriger sind als in Deutschland.
Das hier sind meine ganz persönlichen Erfahrungen und ich denke jeder, der mit dem Gedanken spielt Arbeiten und Reisen miteinander zu verbinden, sollte seine eigenen Erfahrungen machen. Wer ortsunabhängig arbeiten kann sollte es mal für einen Monat ausprobieren. Dafür muss der Schritt gar nicht so radikal sein wie bei mir, einfach die Wohnung in Deutschland über Airbnb untervermieten (so laufen keine Zusatzkosten in Deutschland auf) und in den Flieger steigen. So eine „Arbeitsreise“ bringt mit Sicherheit frischen Wind in den Kopf und neue Erfahrungen mit sich.
Ein neuer Ort wird maßgeblich durch die subjektiven Eindrücke geprägt die man sammelt, ist das Wetter gut, sind die Menschen nett, usw., deshalb kann ich nur raten: Kauft euch ein Flugticket und findet eure eigenen Lieblingsplätze!

3 Kommentare

  • Hi Anja, vielen Dank für dein nettes Feedback! Ich kann dir sagen dass es klappt wenn man realistisch an die Sache heran geht und keine Traumschlösser baut. Überleg dir was du als Basis im Monat brauchst und pack dann nochmal ein drittel als Puffer für ungeplante Reiseausgaben drauf, dann kannst du ziemlich genau sagen was du reinholen musst, bzw. wie lange das Ersparte reicht.
    Als Ansporn: Mach es! Diese Erfahrung bleibt dir ein Leben lang und solche Dinge werden es sein auf die du später stolz zurückblicken kannst, nicht auf einen Tausender mehr oder weniger auf dem Konto. Viel Spaß :-)
  • Hi Dirk! Wow, herzlichen Dank für deinen Artikel. Mich als Digitalnomadin packt das Thema sofort und der Laptop schreit im Hintergrund "Lass uns endlich fahren, verdammt!" Da ich gerade etwas sehr ähnliches plane und als Journalistin auch überall arbeiten kann, freue ich mich riesig über deinen Artikel und die Erfahrungen, die du teilst. Ein bisschen sitzt die Angst nämlich noch im Nacken, ob vier Monate Neuseeland/Australien klappen können. So ganz ohne großen finanziellen Spielraum. Inspiration, Lehrreiches und Freudiges kommen zum Glück von dir, schön zusammengefasst. Vielen Dank!

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