Traumberuf: Keynote Speaker

Traumberuf: Keynote Speaker

30.12.2013 in Bangkok. Mein letzter Tag einer viermonatigen Reise. Ab morgen bin ich zurück in Deutschland. Der Ernst des Lebens beginnt. Ich habe ein Jobangebot bei einer Unternehmensberatung und muss nur noch zusagen. Dennoch gibt es ein Gefühl, eine innere Stimme, die mir sagt: „Warte erst mal ab.“

12 Tage später stehe ich das erste Mal in meinem Leben auf einer Bühne. Es ist Montagabend und ich darf mit neun anderen Comedians in einer Hamburger Bar auftreten. 30 Zuschauer sind anwesend und ein Drittel ist wegen mir dort. Ich erzähle eine Geschichte, die ich in Argentinien erlebt habe und dem Publikum gefällt es. Mir gefällt es noch viel mehr. 

Es geht ein Ruck durch meinen Körper und ich stelle nach sieben Minuten schweißgebadet fest: Das ist es! Ich werde kein Unternehmensberater und entscheide mich für den steinigen Weg: Ich werde Stand-up Comedian.

In den ersten drei Jahren geht es auf und ab. Ich darf bei Nightwash, dem Quatsch Comedy Club und allen anderen angesagten Shows auftreten. Die ersten TV-Aufzeichnungen folgen und ich kann nach knapp einem Jahr von meiner Kunst leben. Dennoch schlummert in mir eine Frage, mit der ich mich nur so nebenbei beschäftigen kann: Wie leben wir in Zukunft? 

Tipp: Podcast Interview mit Frank Eilers über seinen Weg zum hauptberuflichen Speaker.

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Wird sich nicht alles verändern?

Ich starte den Podcast Arbeitsphilosophen - Die Zukunft der Arbeit und führe mit Querdenkern, Visionären, und Unternehmern Gespräche über die Arbeit und das Leben. 

Irgendwann kommt die erste Anfrage: 

Könntest du nicht auch einen Vortrag zum Thema Neue Arbeitswelt halten? 

Ich sage zu. Heute, vier Jahre später, darf ich mehrfach pro Woche für Unternehmen und auf Kongressen Vorträge halten. Ich rede über die Zukunftsthemen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit. Aus dem Stand-up Comedian wurde ein Keynote Speaker, was man vor 20 Jahren noch mit den Begriffen Komiker und Vortragsredner umschrieben hätte.

Wie wurde ich ein Keynote Speaker?

Diese Frage höre ich mittlerweile sehr häufig und ich kann gar keine pauschale Antwort geben. Wie du an meiner Geschichte siehst, waren die Entwicklung und die Freude an der Bühne der große Antrieb.

Nichts desto trotz kann man vielleicht ein paar Dinge ansprechen, die für dich und deine Überlegungen relevant sein können.

1. Du liebst die Bühne

Wenn du gerne vor anderen Menschen sprichst, ist die erste Hürde genommen. Ich kenne sehr viele erfolgreiche Speaker und alle lieben die Bühne. Es gibt nur ganz wenige, die am liebsten auf das Live-Format verzichten würden. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass man nur langfristig erfolgreich ist, wenn man Freude an dem Moment hat.

Eine kleine Anmerkung: Lampenfieber ist normal. 

Die meisten Profis haben eine gewisse Grundanspannung, bevor es losgeht. Das macht auch Sinn, damit man wach und fokussiert ist.

2. Du hast was zu erzählen

Content is king! Das gilt auch für die Bühne. Wenn du für ein Thema brennst und gute Ideen hast, wirst du auch gehört. Die Zuschauer merken sofort, ob du hinter dem stehst, was du sagst oder nicht.

Vielleicht hast du eine spannende Geschichte zu deinem Produkt oder deiner Dienstleistung? Hast du vielleicht einen interessanten Lebensweg, der dich zu einem Unternehmer gemacht hat? Wie siehst du die Welt, die technologischen Entwicklungen oder die gesellschaftlichen Zustände? All das kann für dich ein Startpunkt sein. Finde deine Story und erzähle anderen davon!

3. Dein Honorar als Keynote Speaker

Ab und an werde ich angerufen und der Gegenüber erzählt mir, dass er seinen ersten Vortrag halten darf. In diesen Momenten erwarte ich eigentlich, dass man mich fragt, wie man sich gut vorbereiten soll, woran man denken muss etc. pp. 

Leider wird meistens gefragt, welche Gage man aufrufen soll. In diesen Momenten bin ich verwirrt.

Am Anfang geht es ganz und gar nicht um ein Honorar X, sondern um die Möglichkeit überhaupt aufzutreten. Ich habe bestimmt 300 Mal umsonst gespielt und bin für zehn Minuten quer durch die Republik gereist. Das mache ich auch heute noch. Wenn ich eine bestimmte Situation üben möchte oder ein bestimmtes Publikum spannend finde, trete ich auch ohne Gage auf. Es geht mir um die Sache an sich und um die persönliche Weiterentwicklung. Gerade als Anfänger sollte man mit Demut an die Sache herangehen. Das Geld ist egal!

Nichts desto trotz darfst du für einen Vortrag von Anfang an Geld nehmen. Mein Tipp für die ersten Male: Schlag ein Honorar vor, bei dem du dich wohlfühlen kannst und entspannt bist. Entspricht das Geld deiner gewünschten Wertschätzung? Setzt dich die Gage unter Druck? Beides darf man beachten.

4. Wie finde ich meinen ersten Auftritt?

Wenn du dich entschlossen hast als Speaker aufzutreten, gibt es einen ganz einfachen Weg, um ans Ziel zu kommen. Vielleicht kennst du in deinem Netzwerk Menschen, die eine Konferenz, ein Meetup oder dergleichen veranstalten. Auf jeden Fall kennst du über ein oder zwei Ecken jemanden. Eine Website mit einem Bild von dir und deinen Themen schaden auch nicht.

Biete diesen Menschen proaktiv deine Teilnahme an und präsentiere deine Themen. Wenn es inhaltlich passt, sollte es keinen Widerspruch geben - es sei denn die Konferenz hat 1000 Teilnehmer und ein Ticket kostet genauso viel. 

Eine Grundregel könnte für dich sein: Du trittst da auf, wo du hingehörst. Das gilt für den Inhalt genauso, wie für dein „Performance-Level“. Solltest du das Glück haben die Eröffnungsrede auf der Re:Publica halten zu dürfen, sag bitte sofort zu und ruf mich an. Wir kriegen das hin!

Keynote Speaker in Vollzeit oder nebenbei?

Die meisten Speaker sind nebenberuflich auf der Bühne. Sie haben ein Unternehmen gegründet, stehen für eine neue Kultur oder haben sich in einem bestimmten Bereich hervorgetan. Es gibt viele berühmte Persönlichkeiten, die nach ihrer Karriere Redner geworden sind und dennoch im Fernsehen zu sehen sind (u.a. Oliver Kahn, Rainer Calmund oder Henry Maske). 

Auch Unternehmer wie Waldemar Zeiler von Einhorn oder Max Wittrock von MyMüsli sind auf der Bühne und führen ihre Unternehmen. Die Vorträge sind als eine hervorragende Ergänzung zu ihrer Identität und Marke.

Wenn du dich für die Vollzeit-Variante entscheidest, solltest du neben der Leidenschaft zu Reden auch eine Freude daran haben mit den verschiedensten Menschen zusammenzuarbeiten. 

Der Marketing-Chef eines Konzerns in Süddeutschland hat eine Anmerkung zum Inhalt. Ein Geschäftsführer eines Mittelständlers aus Kiel bittet kurzfristig darum die Moderation der Veranstaltung zu übernehmen. Eine Telefonkonferenz mit neun anderen Teilnehmern endet nach 75 Minuten. Da der Redeanteil auf der Bühne prozentual sehr gering ist, verbringt man tatsächlich die meiste Zeit des Tages am Telefon, schreibt E-Mails, entwickelt Konzepte und versucht neue Inhalte zu verknüpfen. Dazu reist man manchmal eine Woche am Stück von A nach B ohne wirklich in der jeweiligen Stadt zu sein. 

Die Bonuspunkte bei der Deutschen Bahn und der Vielfliegerstatus sind irgendwann Normalität. Wenn du dich mit all den Punkten identifizieren kannst, dann gibt es nur einen Rat von mir: Los geht´s!

PS: Wenn dein erster Auftritt ansteht und du Hilfe brauchst, komm gerne auf mich zu. Alles ist erlaubt! Bis auf die Frage: Welche Gage soll ich aufrufen?

Podcast mit Frank


1 Kommentar

  • Sehr gut geschrieben! Kann ich eins zu eins auf das DJ Business übertragen...

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