Wie du als Startup Manager merkst, dass es Zeit für einen Pivot ist

Wie du als Startup Manager merkst, dass es Zeit für einen Pivot ist

Festgefahrene Situationen entstehen bei fast jedem Unternehmen, häufiger als man denkt. Auch, wenn bei vielen Projekten im Nachhinein der Anschein entsteht, dass alles glatt und geplant lief, ist es selten tatsächlich so gewesen. In diesem Beitrag möchte ich über Neustart (in Lean Startup Kreisen auch “pivot”) sprechen, und zeigen warum es ok ist nicht auf Anhieb den richtigen Weg eingeschlagen zu sein.

Den Begriff Manager bringe ich eigentlich dabei immer ungern in Verbindung mit einem Startup. Aber Manager – ob im Startup oder nicht – zeichnen sich meist dadurch aus, dass sie Entscheidungen treffen müssen, auch wenn diese mal unbequem sind. Eine Eigenschaft die jedem Entscheidungsträger obliegt, egal wie fancy der Titel ist. Insofern passt die Bezeichnung „Startup Manager“ in dem Zusammenhang vielleicht doch ganz gut.

Zwar habe ich selbst auch die Erfahrungen im kleinen gemacht (mehr dazu weiter unten), aber auch große deutsche Unternehmen wie Kreditech (heute $190 Mio wert), Gini und doo (beide mit mehreren Mio $ Funding) zeigen, dass ein Pivot der richtige Weg sein kann. Bei LSWW liegt ein Neustart noch erst ein paar Wochen zurück, bei Happy Coffee schon ein paar Monate, bzw. Jahre.

Millionenstartups zeigen, wie es geht

Noch vor wenigen Jahren bot Kreditech Kleinkredite in Deutschland an. Als die Bankaufsicht sich einmischte, fokussierte das Unternehmen auf die internationale Expansion und nutzt heute 15.000 Datenpunkte um anhand einer eigenen Scoringtechnologie. Ein voller Erfolg, auch ohne Deutschen Markt.

Als Gini noch smarchive hieß war das Ziel – ähnlich wie bei doo – eine webbasierte Dokumentenmanagementsoftware herzustellen, mit denen Nutzer all Ihre Dokumente einfach und automatisiert archivieren konnte. Mit anderen Worten: Das papierlose Büro für Private war das Ziel. Eine gute Idee, aber die Menschen waren offenbar noch nicht so weit, eine Softwarelösung für diesen Anwendungsfall zu nutzen.

Die Startup Manager mussten handeln. Und das taten sie. Die Konsequenz: Beide stützten sich auf die Technologie und versuchen seitdem neue Wege, diese zu nutzen. Bei doo war das Ergebnis eine Scanapp namens Scanbot. Eine einfache und wirklich tolle App, die den Scanner in allen Büros ersetzt. Bei Gini steht derzeit die API im Vordergrund, damit die Technologie in anderen Produkten und Service genutzt werden kann.

In diesen 3 Fällen wird besonders deutlich: Nicht das Produkt, sondern die Technologie ist die Kompetenz, der USP im Unternehmen. Und genau daran hat sich in allen 3 Fällen nichts geändert. Der Pivot bezog sich auf den Anwendungsfall, also darauf wie man die Kernkompetenz “Technologie” als Produkt am Markt verkauft.

Der Pivot passiert immer im Kleinen. Einblicke in meine eigenen Erfahrungen

Aufgeben ist einfach, Neuausrichten die schlauere Art ein festgefahrenes Unternehmen herumzurichten. Das zeigen die 3 genannten Beispiele. Ein Pivot greift nicht nur bei eingefrorenen PCs, sondern auch in unternehmerischen Zwickmühlen.

Ein Pivot geschieht meist in der ganz frühen Unternehmensphase. Und vielleicht ist gerade hier die Fähigkeit als Startup Manager besonders gefragt. Denn man wirft ein Produkt an den Markt und schaut, ob es funktioniert. Damit das ganze noch etwas greifbarer wird, will ich an dieser Stelle auf meine Erfahrungen mit LSWW eingehen.

Let´s see what sucked

Im Januar 2014 habe ich das Projekt gestartet. Nach 6 Monaten habe ich die ursprüngliche Idee einer geschlossenen Membership Community wieder verworfen.

Die Basis (was bei den anderen die Technologie ist), bin in meinem Fall ich selbst, meine Erfahrung und Erlebnisse aus den letzten Jahren eigener Startup Erfahrung, vor allem wenn es um Bootstrapping geht. Also nutze ich genau das weiterhin, um das beste daraus zu machen. Das Prinzip hinter dem Pivot lässt sich also auch hier anwenden.

Der Memberbereich wurde abgeschafft. Ein paar Dinge wurden inhaltlich und technisch geändert.

Warum der Reboot?

Die Regeln des Lean Startups schreiben vor, mit möglichst geringem Kostenaufwand, das größtmögliche Ergebnis aus einer Maßnahme ’rauszuholen. Diese Regel habe ich jedoch nicht beachtet. Anstatt ein Theme zu kaufen, das bereits ordentlich aussieht und gestaltet ist, habe ich für viel Geld ein tolles bauen lassen. Jedoch unüberlegt, denn: das angefertigte Theme grenzt mich an vielen Stellen ein. Es ist nicht responsive, hat eine schlechte Formatierung und ist nicht flexibel erweiterbar. Eine Weiterentwicklung des Blogs ist daher nicht möglich.

Die Erstellung und Umsetzung des Themes war zwar relativ günstig, jedoch auf “show and shine” getrimmt. Das Theme sieht auf Desktops gut aus, da aber 40% des Traffics mobil sind, ist das eher ein suboptimaler Zustand. Es musste also ein neues Design her. Ich verwende nun das „Insider“ genannte Theme, mit dem ich bereits bei Happy Coffee gute Erfahrungen machte. Ob es langfristig die finale Lösung ist, wird sich zeigen.

Was habe ich außerdem geändert?

Memberbereich
Es war kein Fehler den Memberbereich zu schalten. LSWW ist ein Projekt, das Raum für Versuche bietet. Und der Memberbereich war ein Versuch, den Blog zu monetarisieren. Die Reaktionen darauf waren gemischt. Funktioniert hat das Model zwar, die Perspektive für die Zukunft war jedoch nicht gegeben. In 3 Wochen habe ich knapp 700€ verdient.

Content
Die ursprüngliche Idee war, jegliche redaktionelle und administrative Arbeit auszulagern. Genau so, wie ich es schon bei Happy Coffee gemacht habe. Allerdings habe ich einen Aspekt nicht bedacht: bei LSWW bin ich selbst der Impulsgeber. Die Ideenkreation und die vollständige Texterstellung in andere Hände zu geben, ist nicht sinnvoll. Bei Happy Coffee klappt es nur sehr gut, weil dieses Projekt auf einem anderen Modell basiert.

The roof is on fire!

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst!“
Augustinus

Wer als Startup Manager oder einfach nur als Blogger erfolgreich sein will, der muss für sein Thema brennen. Ein guter Unternehmer investiert viel Zeit und Passion in sein Projekt. Er muss wissen, was er tut. Denn um die Begeisterung für ein Thema auf andere zu übertragen, bedarf es viel Ehrgeiz und Leidenschaft. Das soll nicht bedeuten, dass alles aus der eigenen Hand kommen muss. Jedoch sollte es die eigene Handschrift tragen.

Die Learnings

Ein Projekt muss wachsen und dafür braucht es Zeit. Wer gleich zu Anfang übermäßig viel erwartet, der wird oft enttäuscht. Deshalb ist es ratsam langsam und mit wenigen Maßnahmen anzufangen, eine Idee umzusetzen. Danach kann getestet werden, ob die Methode erfolgreich und ggf. ausbaufähig ist.

Bei LSWW habe ich bereits vor dem ersten Artikel das Blog Design in Auftrag gegeben und umsetzen lassen. Also einen Schnellschuss gewagt, bevor mir klar war, wie der Content später angenommen wird.

Der Vorteil

Durch die Andersartigkeit von LSWW habe ich viel Aufsehen erregt und mir wurde große Aufmerksamkeit geschenkt. Die unglaubliche Folge: ein von mir auf Facebook geposteter Artikel bringt von Beginn an zwischen 150 und 200 Besucher pro Tag auf der Website, teilweise sogar mehr. Ebenso beeindruckend für ein solch junges Projekt, ist die Anzahl der Shares. Das alles sind Zeichen für mich, dass die Grundidee von LSWW funktioniert. Außerdem ist das für mich eine tolle Motivation weiter zu machen.

Die Folgen des Pivot

LSWW ist in seinem neuen Erscheinungsbild deutlich schlanker und übersichtlicher. Die weiteren Vorteile des Themes habe ich bereits in diesem Artikel behandelt. Durch das Redesign versuche ich, den Fokus auf das Wesentliche – also den Content – zu legen. Gleichzeitig möchte ich natürlich die Grundlagen des SEO Marketing einhalten und auch die Soziale Reichweite nicht vernachlässigen. Deshalb gibt es nun – neben prominenteren Share Buttons – auch mehr Artikellinks, um die Interaktion mit der Seite zu erhöhen.

Fazit

Sei ein Startup Manager und nehm´auch unbequeme Entscheidungen in Kauf! Wer kleine und bedachte Schritte macht, der hat ein geringeres Stolper-Risiko. Es muss nicht immer von 0 auf 100% in einem Monat sein. Gib deinem Projekt Zeit, sich zu entwickeln. Ich habe 1.000€ ausgegeben und bin trotzdem an Grenzen gestoßen. Dabei hätten $50 genügt, um in den Genuss eines funktionierenden Systems zu kommen. Im Nachhinein also eine Fehlentscheidung gleich im „Level 1“.

Aber sehen wir es so: verloren ist das Geld nicht, denn ohne diese Erfahrung könnte ich heute nicht diesen Post schreiben und auch nicht die Erfahrung mit dir teilen.

5 Kommentare

  • Sehr gutes Thema. Sehr guter Blog. Endlich mal nicht immer nur "alles happy sunshine" sondern auch mal die schwierigen Zeiten und Entscheidungen.

    Habe selbst vor ca. 2 Monaten den Pivot durchgeführt und bin sehr zufrieden damit. Denke man sollte den Aufbau des eigenen Startups tatsächlich so machen wie du sagst - lange genug an etwas festhalten um sicher zu sein ob es funktioniert oder nicht - aber auch rechtzeitig erkennen wenn etwas nicht so läuft wie man es sich vorgestellt hat.

    Das Schwierige dabei ist eben den Moment zu erkennen wenn eine Idee einer anderen weichen muss.
  • Ich stimme dir zu. Ich hatte auch schon Phasen, in denen ich an mehreren Projekten gleichzeitig gearbeitet hab und nichts mehr mit vollem Fokus machen konnte. Meine Lösung: Fokus auf eine Sache, die anderen habe ich pausiert, bis ich ein Team hatte, was mir mittlerweile dabei hilft.
  • Super Artikel! Danke dafür. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und mir für einen Ernährungsplan-Service vor 2 Jahren ein "customized Theme" für 800 Euro erstellen lassen (via Elance in Indien). Ein Jahr später war mein Wordpress-Wissen gewachsen und ich musste feststellen, dass das "customized Theme" totaler Mist war.

    Je nach Projekt fährt man mit einem Theme von der Stage oft erstmal besser und kann dieses auf dem Weg ausbauen und umbauen und irgendwann dann sein ganz eigenes Layout umsetzen, wenn der Hase läuft.
  • Das klingt ja wirklich sehr ähnlich wie bei mir, ausser dass ich via Elance in Pakistan hab entwickeln lassen ;-)

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