Shopify Abo: Wie ich mein Kaffeeabo mit Shopify abrechne und was das kostet

Shopify Abo: Wie ich mein Kaffeeabo mit Shopify abrechne und was das kostet

Shopify ist eine großartige und - wie ich finde - zurecht beliebte Online Shop Software. Ich selbst habe vor gut 2 Jahren den Wechsel auf Shopify für meinen Kaffee Online Shop vollzogen und habe die Entscheidung nicht bereut. 

Denn neben dem Shopsystem selbst nutze ich mit Hilfe der App Recharge* eine Shopify Abo Funktion, mit der ich wiederkehrende automatisierte Käufe erzeugen kann. Bei einem Convenience Produkt wie Kaffee - einem Verbrauchsgut - macht das durchaus Sinn. Aber es gibt aus meiner Sicht noch bessere Produkte, die sich für Abos eignen, bei denen die Kundenloyalität noch höher ist: z.B. Bartpflege, Reinigungsmittel, Druckerpatronen, usw. 

In diesem Beitrag erkläre ich anhand einer Case Study am Beispiel Happy Coffee lediglich den technischen Teil, wie ich ein Kaffee Abo mit Shopify umgesetzt habe.

Shopify Abo mit Hilfe der App Recharge Payments

Mein Shopify Abo und die Abwicklung habe ich mit Hilfe der Shopify App Recharge umgesetzt. Recharge ist als Shopify App direkt in Shopify integriert und liefert viele nützliche Funktionen:

  • Automatisches Erzeugen von Bestellungen
  • Aussetzen und Verschieben von Bestellungen
  • Erinnerungsfunktion für Kunden
  • Wiederkehrende Zahlungsabwicklung mit PayPal (über Braintree) und Kreditkarte (Stripe)
  • Integration einer Abo Verwaltung in den Shopify Kundenbereich

Lösungen für die Abrechnung von Abos gibt es viele. Ich habe mich aber letztlich für Recharge entschieden, da sich die App nahtlos in Shopify integriert und auch ohne Programmieraufwand einfach integriert werden kann. 

Ausserdem ist für kleine Anpassungen und eine sprachliche Übersetzung der Recharge Support schnell und flexibel genug. Bisher kann ich Recharge daher fast bedingungslos weiterempfehlen.

Mein Shopify Abo in der Praxis

Ich nutze noch nicht alle Funktionen Recharge, aber viele. Besonders attraktiv finde ich, dass jedes Produkt wahlweise nur als Abo, oder optional Abo gebucht werden kann. 

Der klassische Fall ist, dass ein Nutzer wählen kann. Aus Customer-Experience Sicht ist das super. Denn gerade für Neukunden macht das die Kaufentscheidung einfacher. Auch, wenn das Abo flexibel wie eine Einzelbestellung ist, muss die psychologische Hürde und die innere Angst vor der "Abo Falle" erstmal durch Aufklärung genommen werden.  So sieht da aus, wenn der Kunde wählen kann: 

nur abo shopify abo

Für Kunden, die von dem Kaffee bereits überzeugt sind, können auch Abo-Only Produkte angeboten werden. In dem Fall ist das Abo die einzige Option das Produkt zu erwerben. Das Abo kann wahlweise auch geschlossen (also mit einem festen Ende) angelegt werden (z.B. als Geschenkabo). 

Ich nutze generell bei meinen Abos einen Rabatt von 10%. In der Wahl-Option werden Preis und der Rabatt entsprechend dargestellt. In der Abo-Only-Darstellung nutze ich die Vergleichs-Preis-Funktion von Shopify:

shopify abo chiapas

Weitere Funktionen, die ich super finde:

  • Discounts
  • Nutzer kann sich auch ohne Account in der Abo-Übersicht anmelden (per Link in einer E-Mail).
  • Nutzer kann Produkte wechseln
  • Churn Rate Optimierung: Der Nutzer wird nach dem Kündigungsgrund gefragt und bekommt ggf. direkt eine Lösung dafür (z.B. "zu häufig" -> aussetzen)
  • Lieferung überspringen (perfekt für Urlaubszeiten)
  • Erinnerung per E-Mail immer 3 Tage vor jeder Bestellung. So haben Kunden wirklich 100% alles in der Hand und bekommen nur frischen Kaffee, wenn sie ihn wirklich brauchen. Alle andere führt zu einer negativ Experience. 
  • "If this than that"-Funktion: Automatisch eine Abo Logik ändern basierend auf einem selbst definierten Trigger.
shopify abo - Jeder Kunde kann selbst sein Abo verwalten

So kann jeder Kunde sein Kaffee-Abo bei Happy Coffee selbst verwalten

Es gibt übrigens keinen Shopify Abo Checkout, sondern der Kunde wird im Falle eines Abo zu einem Recharge Checkout geleitet und führt dort die Buchung durch. Die Bestellung selbst wird am Ende aber ganz klassisch im Shopify Backend sichtbar.

Recharge selbst hat ein schönes Video gedreht und alle wesentlichen Funktionen erklärt. 

Recharge Backend & Shopify Abo Auswertung

Das Recharge Backend wird über den Apps Bereich in Shopify verwaltet. 

shopify abo recharge

Im Recharge Backend gibt es mehrere Tabs für aktuelle Bestellungen, Rulesets (wo die Abos selbst definiert werden), Kunden und Integrationen. Bei letzterem kannst du z.B. Integrationen zu Tools wie Mailchimp, Klavio, diverse Upsell-Tool oder z.B. auch Zapier nutzen. Für den deutschsprachigen Raum sind die meisten Apps aus meiner Sicht allerdings noch nicht wirklich brauchbar. Zapier hingegen lässt der Fantasie keine Grenzen. Ich nutze Zapier z.B. für zusätzliche Nachrichten (nicht nur beim Shopify Abo).

Neben den Einstellungen sind aber die Auswertungen der eigentlich spannende Punkt. Recharge gibt mir die wichtigsten Daten und Marketing KPI als CSV/XLS Export oder per Balkendiagramm. So sehe ich jederzeit, wieviele Abo Kunden ich habe, neu gewinne und verliere. Auch Zahlungen wegen fehlgeschlagener Zahlungen (z.B. Kreditkarte abgelaufen) werden so direkt sichtbar und ich kann neben der automatisierten Nachricht ggf. per Direktkontakt mit dem Kunden reagieren.

Projected Revenue: Wissen, wieviel Umsatz kommt

Diese Statistik macht am meisten Spass in Recharge. Basierend auf laufenden, aktiven Abos und Intervallen wird jederzeit berechnet, wieviel Umsatz in den nächstne 7, 30 und 90 Tagen kommen wird. Diese Zahl ändert sich zwar vor allem durch die Erinnerungsfunktion noch häufig, aber die grobe Richtung stimmt und lässt aus Unternehmenssicht gut planen. 

kaffee shopify abo

Hinweis: Nicht in der Grafik enthalten ist der durchschnittliche Umsatz pro Kunde. Den gibt es dort auch. Die Zahlen setzen sich ausserdem nur aus Zahlen zusammen, die älter als 30 Tage sind. Wenn ein Kunde also ein Abo bucht und direkt wieder kündigt, wird die Churn Rate dadurch nicht beeinflusst.

Kosten für die Shopify Abo Abrechnung mit Recharge

Die Kosten für Recharge sind marktüblich oder sogar im Vergleich teilweise etwas günstiger. Der Preis liegt bei US 19$ / Monat zzgl. einer Provision von 1%. Bei 1000€ Abo Umsatz sind das also 10€ + 20 Dollar = ca. 27€. (20 Dollar = 17€ hier im Beispiel)

Aus meiner Sicht vertretbar. Hinzu kommen allerdings noch Kosten für Shopify selbst. Für das Abo wird mindestens ein Shopify Basic Tarif (29 USD + 2%) benötigt. Ich selbst nutze mittlerweile den 79 USD / Monat Tarif und zahle 1% Commission pro Umsatz (für alle Shopify Bestellungen, nicht nur Abos).

Für 10.000€ Abo-Umsatz werden so 

  • 100€ + 20 USD für Recharge, und
  • 100€ + 79 USD für Shopify fällig.

Also allein knapp 280€ für Tools. Leider bin ich damit immer noch nicht komplett durch. Denn es kommen noch Payment Gebühren für PayPal und Stripe hinzu:

Die Kosten für die reine Shopify Abo Abrechnung sind also mit Rund 3,5 - 4% insgesamt vom Umsatz nicht unrelevant und sollten in der Kalkulation der Produktpreise auf jeden Fall berücksichtigt werden. Im Vergleich zu den 15% von Amazon ist das aber immer noch deutlich günstiger.

Erfolgsfaktoren für ein Abo mit Shopify

Abos funktionieren nicht erst seit Recharge. Auch für SaaS-Tool gibt es hier z.B. gute Lösungen

Bevor du aber jetzt los läufst und ein Shopify Abo Konzept starten willst, überlege dir zuerst, ob du alle Voraussetzungen für einen Abo Erfolg erfüllst:

Das Produkt

Du brauchst natürlich ein gutes Produkt und idealerweise Kunden, die dieses regelmäßig kaufen wollen. Kaffee bietet sich da auf den ersten Blick an. Aber: In dem Preissegment wollen Kunden gerne regelmäßig auch mal andere Sorten probieren. Wenn du regelmäßig neue Produkte im Shop hast, könnte auch eine Art "Box" mit Recharge umgesetzt werden, die jeden Monat etwas anderes beinhaltet.

Die Marke / Vertrauen

Niemand bucht ein Abo, wenn kein Social Proof vorhanden ist. Du brauchst Bewertungen und musst den Kunden das Gefühl geben, dass sie in guter Gesellschaft sind. Ich nutze neben viel Content und Videos dafür Bewertungen bei Facebook, Google und ein Trusted Shops Widget. Auch Affiliate Partner sind eine gute Möglichkeit Trust aufzubauen.

Der Service

Der vielleicht wichtigste Teil deiner Customer Experience. Mache dich verfügbar, hilf den Kunden, leite sie. Sie sollen nicht nur ein Produkt kaufen, sondern auch schon vorher ein paar Mal mit deiner Marke konfrontiert worden sein. Wir investieren daher z.B. sehr viel Arbeit in richtig guten Kaffee-Content und bieten E-Mail Support (mit Zendesk).

Das Gesamtpaket muss am Ende stimmen. Viel Spass mit deinen Shopify Abos.

Wenn du noch keinen Shopify Account hast, kannst du dir hier einen einrichten*. Die Recharge App findest du hier*.

10 Kommentare

  • Danke für die Antworten!

    Ich habe etwas recherchiert und bin dank eurer Anregungen wieder etwas schlauer geworden oder es ist nur Einbildung;)
    Ich habe 2 schöne seiten gefunden, welche recht ausführlich die verschiedenen Shop-Anbieter SaaS, Open-Source, on premise, shop-plugins.... was es alles gibt!

    Vielleicht kann ich auch etwas weiterhelfen (ein Vgl ist zwar schon über ein Jahr alt, aber immer noch relevant):

    www.webshop-factory.com/shopsysteme#shopsystem-warnhinweise

    www.weclapp.com/de/blog/shopsystem-vergleich/
  • Hi Christian,

    vielen Dank für diesen Einblick, insbesondere für deinen Einblick in die Kosten für ein vollständiges Shop-System. Ich bin überrascht, wie teuer dies werden kann. Bei einem Jahresumsatz von bspw. 300.000 Euro entstehen alleine für das Shop-System 12.000Euro kosten (4%). Angenommen, die EBIT-Marge ohne Shopkosten läge bei 40%, so würden die Shop-Systemkosten den Gewinn von 120.000Euro um 12000 Euro, also 10% mindern. Wow! Gibt es denn keine anderen Preismodelle, oder wollen alle Shop-System-Anbieter immer am Umsatz beteiligt werden. Denn nichts anderes ist es ja, oder?
    Schließlich muss ja auch noch Personal für Pflege des Shops, des Contents, Trafficgenerierung etc bezahlt werden.
    Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg,

    Tim
  • Es gibt schon Modelle ohne Abo. Ich denke bei 300'000 Euro Umsatz im Jahr nimmt man nicht unbedingt eine Mietsoftware mit umsatzabhängigen Kosten. Es gibt Shops, die man kaufen kann oder die Open Source sind. Diese hosted man dann selbst. Kosten pro Umsatz fallen dann höchstens noch für Kreditkartentransaktionen an.

    Den Preisvorteil erkauft man sich durch eine je nach Funktionen recht hohe Anfangsinvestition (Kosten für Anpassung) und mehr Eigenleistungen.
  • Hey Tim,

    wie Meinrad schon schreibt, gibt es natürlich auch andere Modelle mit anderer Kostenstruktur. Wer mehr Flexibilität und Funktionalität zum Pauschalpreis will, der ist mit Shopware oder Spryker.com sicher besser bedient. Bei Spryker wird nicht nach Umsatz abgerechnet, aber du brauchst mindestens einen Entwicklerzugang, der um die 2500€ / Monat kostet. Dazu kommen noch die Kosten für deinen Entwickler (oder mehrere). Ähnlich ist es auch bei Shopware. Die Kosten für die Betreuung/Entwicklung musst du mit einrechnen. Wenn du dir von Agenturen ein Angebot machen lässt, liegt das meist auch irgendwo im deutlich 5-stelligen Bereich + laufende Betreuung.

    Aber auch Shopify bietet ein Pricing für große Shops an. Bei 300k Umsatz und dem Advanced Tarif mit Shopify Payment Gateway (nur 0,5%), kostet das Ding nur 336 Dollar. Kannst du hier selbst kalkulieren: https://liquify.design/interactive-shopify-fee-calculator-calculate-shopify-pricing/

    In meiner Kalkulation sind die Abos übrigens auch noch extra sind. Nicht jeder Shopumsatz sind Abo-Umsätze. Das muss in der Gesamtkalkulation berücksichtigt werden.

  • Hi Christian,

    danke für den Artikel und das Teilen deines Wissens! :)
    Wie lange hast du gebraucht, um auf diese Umsatzzahlen zu kommen?

    Liebe Grüße
    Tarek
  • Hey Tarek,

    etwa 2 Jahre gibt es das Happy Coffee Abo schon. Hab in der Zeit viel probiert und versuche nach wie vor zu optimieren. ich hoffe die nächsten 300 aktiven Abo Kunden kommen schneller.
  • Danke, Christian, für deinen mal wieder äußerst interessanten und hilfreichen Content!
    Eine Frage ist mir aber noch geblieben: wie handelst du das mit der Rechnungstellung? Läuft die Logistik über einen Fulfillment-Service und die machen das oder gibt es eine einfache Schnittstelle zu Fastbill?
    Liebe Grüße, Simon
  • Hey Simon,

    Die Rechnungsstellung läuft für alle Shopify Bestellungen gleich. Noch gibt es leider keine direkte FastBill Schnittstelle (die von FastBill supportet wird). Ich nutze aktuell https://bit.ly/2KEcTjn
  • Hey Christian, ich hoffe das passt hier rein, wenn du magst, kannst du mir gern auch direkt per Mail antworten (was mich natürlich sehr freuen würde):
    Wir sind eigentlich ganz gern Fastbill-Kunde mit mittlerweile drei Accounts. Schnittstellentechnisch ist das zu unseren Shops aber natürlich etwas schwierig.

    Du schriebst, dass es NOCH keine direkte Schnittstelle bei Fastbill gibt. Das macht natürlich neugierig und lässt hoffen. Ist die angedacht und wenn ja, welchen Zeitraum könnte man sich da vorstellen?

    Liebe Grüße und danke noch mal,
    Simon
  • Hey Simon,

    derzeit arbeiten Drittanbieter an einer Schnittstelle und wir sprechen mit allen und schauen, was wie passt. Wir selbst (FastBill) werden erstmal keine Schnittstelle anbieten. Da die Entwicklung nicht in unserer Hand liegt, kann ich dir auch keinen Zeitraum nennen. Aber schreib mir doch mal ne Mail, dann verknüpfe ich dich gerne mit einem.

    Gruss
    Christian

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