Wie du mehrere Unternehmen gleichzeitig gründest – ohne daran kaputt zu gehen?

Wie du mehrere Unternehmen gleichzeitig gründest – ohne daran kaputt zu gehen?

Ich habe das nicht geschafft! Also das Gründen mehrerer Unternehmen gleichzeitig schon – aber ich bin daran (fast) kaputt gegangen. Zumindest habe ich danach ein paar Jahre Pause gebraucht. Zwischen 2008 und 2011 habe ich zwei GmbH´s in zwei unterschiedlichen Branchen gleichzeitig aufgebaut. In dem einen Unternehmen hatten wir eine Produktion (Manufaktur): Verarbeitung von Leder, Metall und Schaumstoff. In dem anderen Unternehmen haben wir Pflegekräfte vermittelt. Inzwischen habe ich beide Unternehmen verkauft. Beide Unternehmen sind immer noch am Markt und erwirtschaften sechs- und siebenstellige Umsätze.

Abkürzung: Ich will dich mit meinem Artikel für das Thema begeistern und in mein Webinar einladen. Wenn du also nicht gerne liest, dann melde dich unten direkt für das kostenlose Webinar an.

Maßlose Selbstüberschätzung war mein größter Feind

Was ich damals nicht wusste, weiß ich heute besser. Damals habe ich mich selbst überschätzt. Zumindest in dem, was ich dauerhaft leisten konnte. Ich habe die GmbH´s leicht zeitversetzt gegründet (ca. ein Jahr Abstand). Erst die Produktion, dann die Vermittlung der Pflegekräfte. In meinem Kopf schien es ganz klar, dass ich bei den Pflegekräften genauso so viel Power reingebe würde, wie bei der Produktion. Irgendwie hat sich mir aber nicht erschlossen, dass 110 % + 110 % insgesamt 220 % sind. Natürlich habe ich dann diese 220 % gegeben. Rückwirkend betrachtet, bin ich durchaus beeindruckt, wie lange ich auf diesem Niveau durchgehalten habe. Ich weiß aber auch noch genau, wie es sich auf einem Festival anfühlte, auf dem wir die Waren der Produktion verkauft haben: Nachdem das Zelt stand und der LKW ausgeräumt war, wollte ich nur noch weinen und sterben. Ich habe mich so unendlich erschöpft gefühlt. Meine Akkus waren einfach leer. Ausgebrannt. Ich habe mich dann noch bis in den Winter geschleppt. Und dann kam der Totalzusammenbruch: Burnout.

Burnout bedeutet, einen Teil von dir zu verlieren

Wir alle kennen das, wenn wir uns mal nicht mehr konzentrieren können und einen Text zweimal lesen müssen. Wenn wir Probleme haben, Zusammenhänge zu erfassen. Oder wir haben so lange vor dem Rechner gesessen, dass unsere Augen länger brauchen, um scharf zu stellen. Ein Effekt, der viel schneller eintreten kann, wenn man zu viel Multi-Tasking betreibt. Genau so fühlt sich ein Burnout an. Hinzu kommt noch eine große Müdigkeit und generelle Erschöpfung. Der Wunsch einmal richtig auszuschlafen – nur, dass du es nicht schaffst. Und wenn doch, bist du nach einer halben Stunde wieder so erschöpft wie zuvor. Du verlierst einen Teil von dir selbst – nämlich den Teil, der Leistung bringt. Damals habe ich gedacht, ich würde nie wieder der Alte sein. Ich war runter auf 40 %. An Tagen, an denen ich noch 60 % leisten konnte, war ich froh.

Heute, sechs Jahre später, ist es anders. Die 220 % sind wieder da. Ich habe nur gelernt, anders auf die Anzeichen der Erschöpfung zu achten. Ich bin mir in jedem Moment, in dem ich die 100 % übersteige, bewusst, was passieren kann. Der Aufbau der zwei GmbH´s gleichzeitig hat mich viel gekostet. Eine Erfahrung, die ich so nicht missen, aber auch nicht noch einmal erleben möchte…

Nur, wer das Risiko kennt, sollte sich auf diesen Weg einlassen

Du fragst dich vielleicht, warum ich hier so lange über meine private Leidensgeschichte erzähle und wann endlich die harten Fakten losgehen?

Mehrere Unternehmen gleichzeitig aufzubauen, kann dir unheimlich viel geben. Ich will aber auch, dass du dir bewusst bist, wie viel du zu verlieren hast. Im Nachhinein war ich zu unerfahren für diesen Schritt, denn ich musste die fehlende Erfahrung durch Mehrarbeit ausgleichen. Ich wollte zu viel in zu kurzer Zeit und das hat seine Spuren hinterlassen. Heute starte ich immer noch mehrere Projekte gleichzeitig. Momentan liegen sechs Gründungsvorhaben auf meinem Tisch – zusätzlich zu den laufenden Projekten. Aber ich bin bereit, zwei Dinge zu akzeptieren:

  1. Jedes neue Vorhaben senkt die Aufmerksamkeit, die ich den bestehenden Projekten schenken kann
  2. Ich bin bereit, darauf zu warten, dass sich die Dinge langsam entfalten

Leg heute noch los, aber senke deinen Einsatz

Mehrere Gründungsprojekte gleichzeitig zu starten, ist ein unheimlich erhebendes Gefühl. Auch wenn ich manchmal nicht weiß, wo ich zuerst anfangen soll, ist es unbeschreiblich, wenn alle Projekte gleichzeitig gut laufen. Meiner Meinung nach, ist aber eine Erfolgskomponente, dass du deinen persönlichen Einsatz pro Projekt runterschraubst. Und das ist, anders herum gesprochen, ja auch der Sinn von Diversifizierung. Nur ein einziges Standbein zu haben, kann ein finanzielles Risiko sein. Schnell ist also der Gedanke da, ein weiteres Unternehmen zu gründen. Du senkst somit dein persönliches, finanzielles Risiko, in dem du deine Einnahmequellen verteilst. Fällt eine Quelle aus, kann das wehtun, es macht dich aber nicht kaputt. Das ist das Ziel vieler Unternehmer, mit denen ich mich unterhalten habe.

Meiner Meinung nach, musst du dich aber mit jedem weiteren Standbein, ein Stück aus den bestehenden Standbeinen zurückziehen. Oder du definierst ein Unternehmen als Hauptprojekt und alles andere sind Nebenprojekte. Es geht also um deinen Fokus und die gezielte Investition von Zeit, Kraft und Geld.

Mir laufen alle paar Tage potentielle Gründungsideen über den Weg. Viele davon lasse ich aber einfach ziehen, weil sie nicht zu dieser Einstellung passen. Denn eines habe ich gelernt:  Ich kann mit meiner Verteilung von Zeit, Kraft und Geld nur eine bestimmte Art von Gründungsprojekten realisieren. Projekte, die offline sind, kommen nicht in Frage, da ich meine physische Anwesenheit nicht dauerhaft gewährleisten kann. Projekte, die all zu große, anfängliche Kapitalinvestitionen benötigen, kommen ebenfalls nicht in Frage – weder schlafe ich mit großen Krediten gut noch könnte ich dann die anderen Projekte realisieren. Reine Programmierprojekte kommen auch nicht in Frage, weil ich immer noch keinen guten und verlässlichen Programmierer im Team habe. Auch darf ein Projekt nicht zu viel Kraft benötigen – also nichts sein, wo lange gegen bürokratische Windmühlen angekämpft werden muss. Und so schränke ich die möglichen Gründungsprojekte immer weiter ein, bis ich das habe, was zu mir in meiner aktuellen Situation passt.

Und das ist auch schon mein erster Ratschlag.

Such dir Gründungsprojekte, die zu dir und deinem Leben passen.

Und dann fang sofort an. Zögere es nicht heraus. Mach die Recherchen, die du machen musst und dann lege mit deinem Testlauf los. Setze dir konkrete und terminierte Ziele. Warte nicht. Wage dich aus deiner Komfortzone heraus und probiere rum. Du wirst dann sehr schnell feststellen, ob es klappt oder nicht. In meinem Keller steht Kinderspielzeug für knapp 500 €. Die dazugehörige Webseite ist fertig. Trotzdem habe ich ich die Veröffentlichung wieder zurück gezogen. Die Gründungsidee ist super. Das Projekt würde wahrscheinlich sehr gut laufen. Aber mit mit meinen aktuellen Ressourcen und in meiner aktuellen Lebenslage kann ich es nicht parallel stemmen. Punkt.

Fang sofort an. Lerne aus der erste Probe. Und entscheide, ob du es weiterführst.

Nichts ist schlimmer, als wenn wir eine Idee haben, von deren Erfüllung wir träumen, sie aber niemals beginnen.

Struktur macht bei einer Mehrfachgründung den entscheidenden Unterschied

Willst du dich intensiv oder gar wissenschaftlich mit Mehrfachgründungen auseinander setzen, wirst du kaum etwas dazu finden. Es gibt einige Quellen, die sich mit Gründung beschäftigen. Es gibt auch ein paar Quellen, die versuchen Seriengründung zu erklären. Aber Parallelgründungen, dazu wirst du kaum etwas finden – außer du schaust im Multi-Projektmanagement und adaptierst diese Strukturen. Denn das ist genau das, was man bei Parallelgründungen macht: Multi-Pojektmanagement!

Und damit sind wir ganz schnell bei Struktur – ich denke, das ist der entscheidende Faktor neben Erfahrung: Natürlich leite ich meine Projekte heute anders als vor sechs Jahren. Das liegt vor allem an meiner Erfahrung. Ich habe einige schwere Fehler gemacht, aus denen ich lernen konnte. Ich habe ein paar Hauptprojekte und jedes neue Projekt, das dazu kommt, ist ein Nebenprojekt. So senke ich meinen Einsatz in den neuen Projekten und damit auch gleichzeitig mein Risiko auf Totalverlust. Und wenn dann ein Projekt doch mal schiefgeht und nichts wird, kann ich das viel besser akzeptieren.

Damit die Projekte aber gerade nicht scheitern, versuche ich dem ganzen Wust der mehrfachen Gründung mit der richtigen Struktur zu begegnen. Denn machen wir uns nichts vor: Gründung ist immer auch Chaos. Es gibt so viel neue Informationen zu sichten. Dazu viele unsichere Variablen. So geht es mir, obwohl ich über genug Erfahrung verfügen sollte. Wie muss es dann erst für einen Einsteiger sein… Und  sind wir mal ehrlich, es geht uns Gründern allen so. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der sagt „Meine Gründung war so einfach, gar nicht kompliziert.“.

Welche Struktur brauche ich für eine Mehrfachgründung?

  • Übersicht: Du brauchst eine gute Möglichkeit, um ständig die richtige Übersicht über dein Projekt zu behalten. Das kann Trello, TodoIst oder auch Kanbanflow sein. Hauptsache, du schaffst es, dein Projekt als Ganzes im Blick zu behalten.
  • Team: Du brauchst ein Team. Ich rede nicht von Vollzeit-Mitarbeitern. Aber du brauchst Menschen, die Verantwortung übernehmen können und denen du vertrauen kannst. Genau jene Menschen, die operative Arbeit für dich ausführen. Denn wenn  du mehrere Unternehmen gleichzeitig führst, hast du keine Zeit für das Tagesgeschäft.
  • Aufgaben: Du musst dich bei jeder Aufgabe fragen, ob sie es wirklich wert ist, dass sie von dir erledigt wird. Du hast bei mehreren Gründungen gleichzeitig nicht mehr die Zeit, dich um jedes einzelne Detail zu kümmern. Wäge also stets gekonnt ab, wer die einzelne Aufgabe ausführen wird.
  • Kennzahlen: Neukunden, Umsatz, Arbeitszeit, Kosten, … das alles sind Kennzahlen. Diese brauchst du als Controllinginstrument, um deine Unternehmen erfolgreich steuern zu können.
  • Verantwortung: Du brauchst Menschen um dich herum, die Verantwortung tragen können. X-beliebige Teammitglieder reichen aus, wenn du dauerhaft präsent bist. Aber mit zwei unterschiedlichen Teams wird deine Aufmerksamkeit für den einzelnen Mitarbeiter abnehmen. Du brauchst daher Menschen, die über eine große Funktions- und psychische Reife verfügen, damit sie selbstständig und eigenverantwortlich handeln können.
  • Zeit: Die Zeit ist dein kostbarstes Gut. Strukturiere deine Zeit. Das kann sehr schwer sein, weil Gründung scheinbar keinem Muster folgt. Doch das stimmt so nicht ganz. Versuche deine Tätigkeiten zu kategorisieren und zu bündeln. Multi-Tasking ist dein Feind! Denn es kostet dich Konzentration. Durch mehrere gleichzeitig laufende Unternehmen überschreitet die Menge der Aufgaben, die du machen kannst, dem, was du mit deinem Multi-Tasking bewältigen kannst. Abhilfe könntest du dir zum Beispiel dadurch schaffen, dass du Tage oder Zeitfenster einrichtest, die immer nur dem einen Projekt gehören.

Welche persönliche Einstellung brauche ich für eine Mehrfachgründung?

Als Parallelgründer brauchst du absoluten Leistungswillen – gepaart mit innerlicher Gelassenheit. Das ist eine Kombination, die ich bisher wirklich selten gesehen habe. Du musst es schaffen, dich auf der einen Seite für ein bestimmtes Detail über die Maßen engagieren zu können. Auf der anderen Seite musst du es schaffen, so gelassen zu werden, dass du eine Vielzahl von Fehlern, die durch dein Team entstehen können, akzeptieren kannst. Denn du wirst es nicht mehr schaffen, jeden Fehler selbst auszubügeln. Hier rächt es sich, wenn du schlechte Mitarbeiter hast.

Dazu gehört dann auch die Fähigkeit loszulassen. Nimmt dich eine Gründung schon mit? Was glaubst du, wie es mit zwei, drei oder vieren ist? Denn wenn Probleme auftreten, tun sie das in der Regel gleichzeitig. Du kannst nicht alles kontrollieren, du kannst nicht jeden Fehler verhindern. Manche Dinge gehen einfach schief. Gewöhn dich dran!

Als letzten Punkt solltest du dir und deinem Team Zeit lassen. Beziehungen brauchen Zeit, um sich zu entwickeln. Sind deine besten Freunde die, die du erst seit ein paar Woche kennst oder die, die dich schon lange auf deinem Weg begleiten? Wir müssen in einem Team erst lernen, uns aufeinander zu verlassen. Psychologische Sicherheit entsteht durch verstreichende Zeit in einer guten Beziehungswelt. Nur wenn sich dein Team wohlfühlt, wird es das Commitment für vollen Einsatz auf allen Ebenen bringen.

Welche Tipps kannst du mir für eine Mehrfachgründung noch mit auf den Weg geben?

Das sind diverse, die ich dir lieber persönlich als hier im Text geben würde. Denn eine Gründung hängt immer auch von der Person selbst ab. Deswegen lade ich dich in mein Webinar ein.

am 24.03.2016
um 20.00 Uhr

Trag dich hier ein, um am Webinar teilzunehmen oder das Replay zu sehen: http://www.benjamin-michels.de/webinar-mehrere-unternehmen-gleichzeitig-aufbauen-ohne-kaputt-zu-gehen/

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Ps: Im Webinar wird es noch einmal vieeeeeel konkreter, als hier im Text

4 Kommentare

  • Hallo Benjamin,

    das Datum stimmt nicht:
    am 24.03.2016
    um 20.00 Uhr
  • Hey Sabine,

    ich finde es total cool, dass du so reflektiert auf die Vergangenheit zurück blicken kannst, wieder stark bist und deine Erkenntnisse anscheinend auch lebst. Toll! :-)
  • Hey, lieber Benjamin,

    danke für diese wunderbar-treffende Beschreibung einer Erschöpfung - ich habe auch Teile verloren, von denen ich dachte, dass sie nie wieder kommen. Zur großen Traurigkeit (über die Abwesenheit meiner Kreativität bzw. der Möglichkeit, diese umzusetzen) und Hoffnungslosigkeit (weil Dinge eben nicht immer gut beeinflussbar sind - wie Gesundheit) kommt dann noch das Fehlen der enormen Leistungsfähigkeit, die ich für so normal gehalten habe. Ich hatte so viel Spaß an 3 Unternehmungen zur selben Zeit ...

    Deine Erkenntnis, die Aufmerksamkeit in einem Hauptprojekt zu belassen, kann ich bestätigen. Ich denke, das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die wir aus diesem " krank sein" mitnehmen. Grenzen erkennen und zu akzeptieren, Dinge anzunehmen und loslassen, was ich nicht verändern kann/möchte. Ich wundere mich heute über so manches, wie und was ich vor 3 Jahren anders gemacht habe ... und freue mich dann über heute :-)

    Mein neues Projekt und ich (abgespeckt, weil alle Ideen zu groß waren für mein Gefühl) laufen langsam-ruhig-und-noch-zögerlich. Ich werde in dieser Unternehmung meine Vielfältigkeit "anders" leben.

    Ich bin sehr gespannt auf Dein Webinar und hoffe, live dabei sein zu können.

    Sabine

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