Du willst auffallen? Dann sag Weihnachten ab!

Du willst auffallen? Dann sag Weihnachten ab!

Weihnachten könnte so schön sein.

Ein wundervolles Fest mit der Familie und den Menschen, die du liebst. Gefolgt von einer Woche der Entspannung und Rückbesinnung auf das alte Jahr, während du gebettet in einer sanften Wolke aus Puderzucker und Christstollen ins neue Jahr hinüber gleitest.

Es könnte so schön sein. Wäre da nicht die Zeit vor Weihnachten.

Ich rede nicht von der Geschenke-Schlacht in den Einkaufsmeilen oder den vielen Vorbereitungen für die Feier. Es geht mir darum, dass auch jedes Unternehmen meint, sich in dieser Zeit etwas besonderes einfallen lassen zu müssen.

Weihnachten ist eine Zeit der Selbstdarstellung

Deshalb spielen sich überall in den Werbeagenturen dieser Welt absurde Szenen ab. Während draußen noch 30° und bestes Badewetter herrschen, kommt nach und nach von immer mehr Kunden das selbe Briefing:

„Wir brauchen wieder eine Weihnachtsaktion. Irgendwas Kreatives, das mit Weihnachten zu tun hat. Aber unsere Produkte müssen auch irgendwo vorkommen. Lasst euch was einfallen“

Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Briefing in meiner Karriere als Designer und Art Director schon gehört habe. So ziemlich jedes Klischee, das mit Weihnachten in Verbindung steht, habe ich schon zu irgendeinem Entwurf für eine „kreative“ Weihnachtsaktion verarbeitet.

Wunderst du dich auch jedes Jahr, wenn Anfang September schon die Lebkuchen in den Läden stehen? Das ist noch gar nichts! In vielen Unternehmen beginnt die Weihnachts-Vorbereitung schon im Juli! Für Kreative ist es ein Albtraum. (Was dabei alles schief gehen kann, findest du hier)

Wozu der Weihnachtsrummel?

Weihnachten ist das wichtigste Fest des Jahres. Da will nunmal jeder mitmischen. Beim Einzelhandel kann ich das verstehen, der in der Weihnachtszeit seinen besten Umsatz macht.

Aber selbst B2B-Unternehmen und alle anderen Anbieter von Dingen, die unter einem Christbaum nichts zu suchen haben, wollen Weihnachten mit etwas besonderem aufwarten.

Es geht diesen Firmen nicht ums Weihnachtsgeschäft oder gar darum, dem Kunden Wertschätzung zu zeigen. Es geht darum, sich selbst zu inszenieren. Aufzufallen. Sich noch einmal in Erinnerung rufen, damit die Geschäfte nächstes Jahr weiter laufen.

Das ist an sich nichts Verwerfliches. Jedes Unternehmen muss vom Kunden wahr genommen werden und mein Job ist es, die Ideen dafür zu entwickeln. Aber was soll das zur Weihnachtszeit bringen?

Das ist die Bilanz eines Jahres

Wie jedes Jahr darf ich mich im November wieder über diverse Adventskalender mit billiger Schokolade von verschiedenen Firmen freuen. Anfang Dezember kommen die Nikoläuse hinzu. In der Woche vor Weihnachten dann die Flut an Weihnachtskarten: Manche einfach und billig gedruckt. Die Mehrheit aber auf teurem Papier mit aufwendiger Veredelung.

Und natürlich nicht zu vergessen die Kuriositäten, die immer wieder dazwischen liegen. Wie Lebkuchen mit aufgedrucktem Firmenlogo (hoffentlich Lebensmittel-Farbe). Mein persönlicher Favorit war einmal das Geschenkpapier mit Zimt-Geruch von einer Druckerei. Eigentlich eine gute Idee, nur leider hat es niemand benutzt.

So landet vieles kaum besehen wieder auf dem Müll. Ich habe leider keine Statistiken gefunden, wie viel Geld deutsche Unternehmen für Weihnachtsaktionen ausgeben. Aber nachdem ich selbst schon viele solcher Aufträge als Kreativer zu bearbeiten hatte, weiß ich, was das alles kostet.

Schon eine hochwertige Weihnachtskarte gestalten zu lassen, zu produzieren und zu verschicken kostet mehrere tausend Euro.

Damit sie dann zusammen mit ein paar Dutzend anderer Karten in der Post und nach kurzer Zeit im Müll landet?

Wenn du auffallen willst, sag Weihnachten ab!

Diesen Unsinn kannst du dir wirklich sparen! Du hast ein ganzes Jahr Zeit, deinen Kunden Wertschätzung entgegen zu bringen und auf dich aufmerksam zu machen. Da ist es wirklich eine dumme Idee, an sich an Weihnachten einen Wettstreit mit allen anderen zu liefern

Der einzige Weg aufzufallen, ist das zu machen, was die anderen nicht machen.

Spar dir das Geld lieber! Wenn du es nicht brauchst, kannst du es besser spenden. Wenn alle Unternehmen das machen würden, gäbe es vermutlich eine Reihe existenzieller Probleme auf diesem Planeten nicht mehr.

Das wäre doch mal eine gelungene Weihnachtsaktion!

Aber warum geben die Unternehmen statt dessen ihr Geld lieber geballt an Weihnachten aus, während man unter dem Jahr kaum was von ihnen hört?

Ich kann nur vermuten, dass ihnen die Ideen dazu fehlen.

Dabei gibt es viele Gelegenheiten im Jahr, beim Kunden Eindruck zu hinterlassen. Hier habe ich ein paar Ideen für dich:

Plane Aktionen für andere jährliche Ereignisse

Das Jahr ist voll von besonderen Anlässen: Valentinstag, Fasching, Sonnenwende, Sommeranfang und Oktoberfest kennt jeder – aber niemand lässt sich dazu etwas einfallen. Darüber hinaus gibt es auch noch hunderter kleiner Aktionstage.

Wie wäre es mit einer Guerilla-Marketing-Aktion am Zieh-etwas-Rotes-an-Tag am 5. Februar? Oder du machst eine Facebook-Aktion in der es darum geht, Bäume zu pflanzen (Tag des Baumes am 25. April). Mehr Aktionstage findest du hier.

Biete besonderen Service bei Messen und Events

Du gehst regelmäßig auf Messen und Events, um deine Kunden zu treffen? Dann schreibst du deine Kunden sicher auch vorher deswegen an. Statt aber nur über das Business zu sprechen, kannst du deinen Kunden noch viel mehr anbieten:

Die Messe ist in einer fremden Stadt? Schicke Ideen für ein kurzes Sightseeing-Programm, das man neben der Veranstaltung noch wahrnehmen kann. Oder organisiere selbst etwas für deine Kunden, wenn das möglich ist.

Nutze Kundenjubiläen für dein Marketing

Noch persönlicher ist es, wenn du deine Aktionen auf deinen Kunden abstimmst. Wenn du die Geburtstage deiner Kunden kennst, solltest du auf jeden Fall gratulieren. Das tun jedoch auch viele andere. Persönlicher wird es, indem du Anlässe suchst, die dich und den Kunden verbinden.

Wie wäre es mit einer besonderen Aktion, wenn die Kundenbeziehung ein Jahr hält? An dem Tag bist du garantiert der einzige Gratulant.

Biete auch im Urlaub besonderen Service

Du oder einer deiner Mitarbeiter mit Kundenkontakt geht in Urlaub? Super! Erstens sind Auszeiten auch für Selbständige wichtig – Urlaub macht sogar dein Business besser. Und er ist eine tolle Gelegenheit, deine Kunden anzuschreiben:

Vor deinem Urlaub kannst du deine Kunden informieren, wann du weg bist und wer die Vertretung übernehmen wird. Und nach deinem Urlaub kannst du dich mit einem zweiten Mailing zurückmelden und ein paar deiner Eindrücke weiter geben. So ist dein Urlaub für den Kunden nicht lästig, sondern eine gute Gelegenheit, die Beziehung zu pflegen. (Hier findest du eine Checkliste für die Urlaubsvorbereitung)

Zeig, was es neues gibt

Du hast in dich oder dein Unternehmen investiert? Neue Geräte angeschafft, ein neues Büro bezogen, Mitarbeiter angestellt, Fortbildungen besucht oder einfach nur neue Erkenntnisse gewonnen?

Teile sie mit deinen Kunden! Keine falsche Bescheidenheit: wenn du etwas unternommen hast, um dein Angebot noch besser zu machen, solltest du das auch den Kunden mitteilen. Eigentlich versteht sich das von selbst, aber es wird oft vergessen oder an dieser Stelle gespart. (Die Weihnachtskarten waren schon so teuer …)

Vor ein paar Jahren habe ich mich einmal in die AGBs verschiedener Bildagenturen eingelesen. Eine ziemlich trockene Angelegenheit. Eigentlich wollte ich es nur für mich wissen, habe aber viele Stolperfallen entdeckt, die weder ich noch die Kunden wussten.

Dieses Wissen habe ich dann in einer Grafik anschaulich dargestellt und an die Kunden verschickt. Für viele war das ein wertvoller Wissensschatz. (Tipp: lies Christians Guide zur richtigen Verwendung von Creative Commons Bildern. Man kann da wirklich viele Fehler machen)

Hast du noch weitere Ideen?

Es gibt wirklich viele sinnvolle Dinge, die man machen kann, wenn man sich das Geld für unnötige Weihnachtsaktionen spart. Hast du Angst, dass man es dir übel nimmt? Es reicht doch, wenn du deinen Kunden persönlich oder per E-Mail frohe Weihnachten wünschst.

Warum sollten deine Wünsche auf teurem Papier gedruckt oder zusammen mit billiger Schokolade mehr wert sein?

Deshalb wünsche ich dir den Mut zu sagen: Diesmal sage ich Weihnachten ab! Zumindest als Unternehmer. Dann können wir es vielleicht alle privat mehr genießen.

Ich bin gespannt auf deine Ideen und Kommentare.
Frohe Weihnachten!

Lass uns die Welt verändern!
Matthias

3 Kommentare

  • Mich betrüben die meisten Weihnachtsaktionen schon eher. Wenn in einer Bar, die Alkohol verkauft, die Bediensteten in Santa Claus Uniform rumlaufen oder ähnliches dann finde ich das unpassend. Für mich ist Weihnachten ein christliches Fest zur Erinnerung der Geburt Jesus Christus. Nicht mehr und nicht weniger. Den ganzen Kommerz, der darum gemacht wird, finde ich fast ekelhaft.
    Da kann ich die Unternehmen auch nicht ernst nehmen, wenn diese Weihnachten so ausschlachten. Wo ich bei den meisten Unternehmen nicht erkennen kann, wo hier die wirkliche christliche oder weihnachtliche Grundlage, außer dieser Marketing Aktion zu finden ist.
  • Persönliche Grüße zu Weihnachten und dem Jahreswechsel sind noch immer zur Bestätigung der guten Zusammenarbeit und der Würdigung eines guten Kontaktes geeignet. Streuware dagegen, egal ob als im Verbund unterschriebene Grußkarte oder Massen-Mail, nicht. Darauf kann man getrost verzichten.
  • love it...
    mit meinem saisonalen (Frühlings-)Produkt habe ich eigentlich auch keine Lust auf eine entsprechende Marketing-Aktion zu Weihnachten. Leider habe ich mich fast genötigt gefühlt was entsprechendes zu machen, weil: gehört ja zu guten Ton!
    Aber jetzt fühle ich mich besser dabei es bleiben zu lassen :-)
    Beste Grüße
    Oli

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