Fuck Hollywood – Wie ich meinen No-Budget-Film in die Kinos gebracht habe

Fuck Hollywood – Wie ich meinen No-Budget-Film in die Kinos gebracht habe

Background: Hey, ich bin Jannis, 19 Jahre alt, Abenteuer-Blogger. Ich habe letztes Jahr Abi gemacht, aber bereits im Vorjahr, an meinem 18. Geburtstag mein Gewerbe angemeldet. Im selben Jahr bin ich über die Alpen gewandert und habe meinen Blog Jannis‘ Life gestartet, auf dem ich über dieses Abenteuer berichtet habe. Letztes Jahr habe ich dann zwei E-Books veröffentlicht: Sud und Trampen, Wandern, Couchsurfing. Das Schreiben macht mir Spaß, doch es gibt ein Medium, dass mich noch mehr reizt: der Film.

Einen eigenen Film produzieren gehörte zu den Dingen, die ich wenigstens einmal gemacht haben wollte, bevor ich abtrete. Für mich geht vom Film eine große Faszination aus, da der Film ermöglicht, den Zuschauer hautnah mit auf die Reise zu nehmen. Er sieht, was ich gesehen habe, die Musik lässt ihn fühlen, was ich gefühlt habe. Wenn ich einen guten Reisefilm sehe, habe ich nachher das Gefühl, mit dabei gewesen zu sein.

Aber natürlich braucht man für einen guten Film ein Budget im 6-7 stelligen, besser 8 stelligen Bereich. So hat Sean Penns „Into the Wild“ beispielsweise 15 Millionen Dollar verschlungen.
Also mehr ein Plan für das hohe Alter, wenn man etwas Eigenkapital mitbringen kann und Qualifikationen angehäuft hat, die man den Sponsoren vorlegen kann?

Was macht Filme eigentlich so teuer? Kulissenbau und Reisen zu den Drehorten? Das fällt bei mir weg, da ich ohnehin Reise. Kameramann und Crew?  Ich filme selbst. Schauspieler? Bei einer Doku überflüssig. Postproduktion? Naja… ich liebe es, etwas Neues zu lernen. Das bekomme ich schon irgendwie hin.

Ich bin auf keine Kosten gestoßen, die ich nicht hätte tragen können. Wir leben zu einer wunderbaren Zeit, in der selbst die meisten Smartphones in Kinoqualität filmen können. Damit hat also praktische jeder die technische Möglichkeit, einen qualitativ hochwertigen Kinofilm zu produzieren.

Ich beschloss, die ganze Sache als Experiment zu sehen. Dass ich einen guten Film produzieren kann, davon war ich überzeugt, jedoch hatte ich noch keine Ahnung, wie ich den am Ende ins Kino bringen sollte.
Warum sollte ein Kino einen No-Budget-Film zeigen, bei dem es natürlich technische Abstriche gegenüber einer 15 Millionen Doller Hollywoodproduktion geben wird? Ich bin kein professioneller Filmemacher. Wenn ich also nur versuche, Hollywood nachzumachen, werde ich den Kürzeren ziehen. Stattdessen muss ich meine eigene Stärke finden. Einen gleichwertigen Ersatz für Professionalität. Ich stellte mir selbst die Frage: Warum können sich Blogs neben Zeitungen behaupten? Youtube neben Fernsehserien? Und nicht zuletzt: Was schätzten die Leser an meinem, inzwischen sehr gut laufenden Blog?
Die Antwort: Authentizität und Persönlichkeit. Persönlich ist etwas, dass ein Hollywoodfilm nie sein kann. Ein guter Schauspieler kann dem Zuschauer vielleicht das Gefühl geben, er würde die Person auf der Leinwand kennenlernen, gleichzeitig weiß der Zuschauer jedoch sehr wohl, dass er nur einen Schauspieler in seiner Rolle sieht.

Mit einfachen Mitteln zum No Budget Film

Ich beschloss, diese Stärke für mich zu nutzen.

Als ich dann endlich mit dem Abitur durch war, ging es für meinen Kumpel Joel und mich auf zu unserem großen Abenteuer. Von Leverkusen aus, per Anhalter zum Nordkap. Sieben Länder mussten wir auf dem Weg durchqueren. Wir haben hinter Raststätten geschlafen, sind einen Fluss runtergepaddelt, mussten die Reise fast abbrechen, als mein Kumpel mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht wurde. Wir haben hunderte interessante Menschen kennengelernt, sind durch sprachliche Schwierigkeiten plötzlich im falschen Land gelandet aber am Ende sind wir tatsächlich am nördlichen Ende der Welt angekommen. All das habe ich mit meiner Kamera gefilmt und in meiner Abenteuer-Dokumentation „Hyperborea – Per Anhalter zum Nordkap“ verarbeitet.
Bei der ausverkauften Premiere in meine Heimatstadt Leverkusen, herrschte eine fantastische Stimmung. Der Film bekam top Kritiken in den Zeitungen und auf den Blogs der eingeladenen Blogger. Das ZDF hat einen Beitrag über mich gedreht und mir war klar: Das sollte kein einmaliges Event bleiben.

hyperborea - no budget film

Ich hatte keine Ahnung, wie die Filme in die Kinos kommen. Für die großen Filme, übernimmt das ein Filmverleih, sowas wie ein Verlag für Kinofilme. Es gibt auch Filmverleihe, die sich auf kleinere Produktionen spezialisiert haben, aber mich hat der Ehrgeiz gepackt. Ich habe den Film komplett ohne professionelle Hilfe produziert. Mal sehen, wie weit ich mit dieser Methode komme.
Ich habe einfach mal angefangen, ganz unbedarft Kinos anzurufen. Der Großteil war begeistert. Nicht nur kleine Programmkinos, sondern auch Kinos, in denen sonst vor allem Hollywoodfilme laufen, haben zugesagt.
Gerne möchte ich bei den Aufführungen mit dabei sein, weshalb ich von März bis Juni auf Deutschlandtour gehen werde. Rund 40 Kinos haben bereits bestätigt, weitere folgen. Alle Termine meiner Tour findest du hier: http://www.jannislife.de/termine/

Was waren meine Key Learnings aus dem Projekt?

Einen Film zu produzieren ist viel, und damit meine ich wirklich viel Arbeit. Ich habe den Aufwand der Postproduktion enorm unterschätzt, vor allem, da es keine wirklichen Informationsquellen in dem Bereich gibt und ich mir alle Infos über das Veröffentlichen von Filmen mühsam zusammen recherchieren musste. Ursprünglich hatte ich angedacht, im selben Jahr noch einen weiteren Film zu produzieren. Diese Idee haben ich nach Wochen aus 15-Stunden-Tagen, die mir das Projekt beschert hat jedoch verworfen. Einen Film produzieren ist ein großes Ding. ABER: Es ist möglich.

Hat sich die Arbeit gelohnt?

Kurz: Ja!
Die Arbeit ist mit dem Schreiben eines Buches nicht zu vergleichen. Dafür ist der Filmmarkt aber auch bei weitem nicht so übersättigt. Hast du erstmal einen guten Film in der Hand, kannst du ihn beliebig oft vervielfältigen. Du kannst ihn auf DVD in die Länden bringen, oder auf Kinotour gehen. Innerhalb von wenigen Wochen kannst du 5-Stellige Umsätze erzielen und so Geld für neue Projekte zurücklegen. Aber das beste ist in meinen Augen, die Arbeit am Film selbst. Dabei schlüpfst du immer wieder in neue Rollen.
Einer der Hauptgründe, warum ich Unternehmer geworden bin, ist, weil ich mir nicht vorstellen konnte, jeden Tag stupide das selbe zu machen. Bei der Filmproduktion, war ich einen Tag der Abenteuer vor der Kamera. Dann habe ich den Schnitt gemacht. Mal habe ich eine Website für den Film aufgesetzt. An einem anderen Tag habe ich mich wiederum um die Promotion gekümmert. Ich mag Abenteuer. Die meisten davon spielen sich draußen ab, in der Natur oder an der Straße. Meinen eigenen Film zu produzieren war – und ist – jedoch ein Abenteuer einer ganz neuen Art. Und nicht grade mein kleinstes.

Wenn du gerne mitverfolgen willst, wie es mit dem Film weitergeht, trage dich gerne hier für den Newsletter ein und lasse mir einen Like auf der Facebookseite des Films.

Freuen würde ich mich auf über einen Like auf Jannis’ Life. Hier bekommst du updates zu meinen aktuellen Projekten und Abenteuern.

Bis dann!
Jannis

3 Kommentare

  • Hey! Super interresant! Wir haben auch einen Film produziert, den wir selber im Netz verkaufen. Nun hat sich ein Verleih bei uns gemeldet, das sich die Kinorechte sichern möchte. Allerdings fragen wir uns, ob wir es nicht selber machen sollten. Wie war das bei dir? Hat es gereicht ihnen eine Blu-ray für die Vorführungen zu schicken, oder brauchen die ein DCP?

    Viele Grüße,
    Thor
  • Hey Thor,
    eine Ausführliche Lektion zu dem Thema habe ich in meinem Onlinekurs (siehe vorheriger Kommentar).

    Hier die Kurzzusammenfassung:
    Die Dealgestaltung und Kommunikation mit den Kinos ist arbeitstechnisch nicht zu unterschätzen. Auch das Marketing ist ein großer Brocken, damit die Säle am Ende auch voll werden. Ich habe bei meiner eigenen Filmproduktion definitiv unterschätzt, dass die eigentliche Arbeit erst mit dem fertigen Film beginnt. Ich habe einige VAs eingestellt, die mir dabei Arbeit abgenommen haben und im Endeffekt genau so viel Gezahlt, als wäre ich von vornherein zum Verleih gegangen. Da ihr jedoch zu mehreren seid (4 Erwachsene, nachdem was ich auf deiner Website gesehen habe), solltet ihr mit Aufgabenteilung gut fahren und könnt euch die 50% für den Verleih sparen. Solltet ihr doch zu einem Verleih gehen, klärt ganz genau den Leistungsumfang ab, da das finanzielle Risiko für die Verleihe minimal ist und sie daher gerne einfach mal Filme unter Vertrag nehmen ohne am Ende besonders viel zu leisten. Wichtige Fragen sind beispielsweise, wer Marketingmaterialien erstellt und an die Kinos liefert, wie der Film an die Kinos gebraucht wird (Einzelanspache oder nur Massenrundmail) und was sie glauben, wie viel % Verleihmiete (das ist das, wovon ihr die Hälfte bekommt) sie aushandeln können.

    Ich habe DCPs erstellen lassen. Wäre ich in allen Kinos persönlich vor Ort gewesen, wäre das wohl nicht nötig gewesen, da das für die Kinos eh immer eine Sondersituation ist. Wenn der Film jedoch im normalen Programm laufen soll, ist ein DCP nötig, da dieses in der Regel (besonders in größeren Kinos) auf die Kinoserver überspielt wird und der Start voll automatisch läuft.

    Ein wichtiger Hinweis noch: Ich habe gesehen, dass man den Film bereits kaufen kann. Das solltet ihr für die Zeit der Kinotour unbedingt nochmal offline nehmen. Wenn ihr eh vor Ort seid, könnt ihr die DVDs nach dem Film im Kino verkaufen, aber viele Kinos lehnen bereits auf DVD veröffentlichte Filme prinzipiell ab.

    Ich finde euer Projekt ganz spannend. Wenn du magst, schick' mir eine Mail (Adresse findest du im Impressum meiner Website), dann machen wir die Tage mal einen Skype Call aus, lernen uns etwas kennen und sprechen über euer Projekt.

    Viele Grüße aus Costa Rica
    Jannis
  • Update: Du möchtest mehr über die Filmproduktion lernen und deinen eigenen Film ins Kino bringen? In der Easy Movie School http://easy-movie-school.de lernst du Step für Step, wie es geht, von der Planung über die Produktion, bis zur Dealgestaltung mit dem Kino.

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