Richtig Netzwerken: 5 Grundregeln, die sich bewährt haben

Richtig Netzwerken: 5 Grundregeln, die sich bewährt haben

Als Unternehmer und Gründer steht eine Vielfalt an Möglichkeiten im Marketing Mix auf deiner Agenda. Netzwerken auf Events ist eine davon.

Zwar ist Online Marketing wohl immer noch die Nummer 1 – vor allem aufgrund der günstigen und einfachen Art, mit der man sich dort ausprobieren und erste Erfolge erzielen kann. Gerade im Performance Marketing, einem Teil davon, sind die Ergebnisse schnell mess- und analysierbar, wenn auch recht teuer im Vergleich.

Allerdings haben Performance Kanäle wie Facebook Ads und Google Ads ein Problem: Sie sind nur begrenzt einsetzbar und aufgrund der begrenzten Anfragen nicht unendlich skalierbar. Deshalb sind auch andere Disziplinen im Marketing wichtig, z. B. Guerilla-, Content-, Brand-, oder auch Offline Marketing. Bei letzterem möchte ich in diesem Beitrag konkret das Netzwerken in den Vordergrund stellen. Die Erfolgsmessung beim Netzwerken ist zwar sehr schwer, ich bin aber der Überzeugung, dass es sich auszahlt und möchte das an meinem eigenen Beispiel erklären, da ich mich häufig mit anderen Gründern und Startups treffe.

Warum Netzwerken in der Startup-Szene für mich so wichtig ist

Die Startup-Szene bietet unheimlich viele Möglichkeiten. Natürlich macht mir der Austausch mit „Gleichgesinnten“ Spaß, aber auch „geschäftlich“ gibt es gute Gründe dafür, dass ich mich unter’s Volk mische und Netzwerken zu einem festen Teil meines Jobs mache:

  • Ich gewinne durch echte Begegnungen an (unternehmerischer) Authentizität
  • Ich platziere mich für ein Thema, für das ich auch empfohlen werden kann (in meinem Fall „Buchhaltung/Cloud Services/Unternehmertum“)
  • Ich gewinne Multiplikatoren, und zwar direkte (Partner) und indirekte (Empfehler)
  • Ich habe die Chance, gegenseitige Sichtbarkeit zu erzeugen (z. B. durch Gastbeiträge oder Newsletter & Freebies)
  • Ich erhalte Einladungen zu Events, auf denen ich diese Effekte vervielfachen kann
  • Ich habe die Chance, die geschäftliche Beziehung auf eine persönliche Ebene zu holen

Ich bin davon überzeugt, dass der Austausch im echten Leben durch Netzwerken ebenso dazu gehört wie andere Online Maßnahmen im Marketing Mix. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass es nur von Vorteil sein kann, wenn man zur Gründung eines Unternehmens in einem anderen Land auch für Ressourcen sorgt, die den persönlichen Austausch vor Ort übernehmen können. Ein Gründer wäre optimal. Falls das nicht klappt, sollte derjenige allerdings ausreichend Entscheidungsmacht haben.

Netzwerken in Hamburg

Seit einigen Jahren lebe ich nun in Hamburg und nutze die Hamburger Startup-Szene für aktives Netzwerken. Rückblickend war das genau richtig, wenn auch nicht direkt messbar. Für mich ist Hamburg somit nicht nur eine schöne Stadt, in der ich mich wohlfühle. Die Stadt ist vielmehr zum Nährboden für Austausch und gegenseitige Unterstützung in dieser frühen Phase unseres Unternehmens geworden. Zwar habe ich durch Netzwerken auch unzählige Kunden und Kooperationspartner gewonnen, aber darum geht es hier gar nicht in erster Linie. Es geht vielmehr darum, „Teil des Spiels“ zu werden und mit den richtigen Mitteln das frühe Unternehmenswachstum zu beschleunigen.

Damit das auch gut funktioniert, habe ich bei all den Mittagessen, Kaffees und Bierchen vor allem 5 Regeln über die Jahre gelernt, die sich aus meiner Sicht jeder Gründer beim Netzwerken zu Herzen nehmen sollte:

1. Be nice to people!

Am wichtigsten ist es für mich, immer nett und freundlich zum Gegenüber zu sein. Natürlich haben wir das alles schon in unserer Kinderstube gelernt und niemand will wirklich unhöflich zu anderen Menschen sein oder unhöfliche Menschen treffen. Allerdings steckt meiner Meinung nach mehr dahinter als nur ein nettes Auftreten. Es geht vielmehr darum, eine faire und ausgeglichene Grundlage für ein Treffen zu schaffen, bei der beide Seiten vor, während und nach dem Termin ein gutes Gefühl haben.

Das fängt schon bei der Terminfindung und dem Aussuchen des Standortes für das Treffen an. Beide Parteien sollten in etwa die gleiche Bereitschaft zeigen, Anreisewege und Umstände in Kauf zu nehmen. Man muss sich nicht immer in der Mitte treffen, aber ein „Heranzitieren“ wirkt eben anders.

Wertschätzung bestimmt in jeder weiteren Situation in der Zukunft die Zusammenarbeit, für die du bei einem Treffen den Grundstein legst. Sei also vorbereitet, nutze die verfügbare Stunde bewusst, und zeige dich von der Seite, die du auch von anderen erwartest.

Be nice to people gilt immer und überall, nicht nur beim Netzwerken. Denn wer will schon bei Menschen in negativer Erinnerung bleiben, die er gerade erst kennengelernt hat? Nicht falsch verstehen, es geht nicht darum, sich zu verstellen und zu blenden. Wenn wenn du von Natur aus schon ein gut gelaunter, fröhlicher Mensch bist, sei einfach wie du bist.

2. Geben ohne Gegenerwartung

Eine Beziehung besteht immer aus einem Geben und Nehmen, auch im Geschäft. Was du selbst beeinflussen kannst, ist allerdings das Geben, denn das hast du selbst in der Hand. Den Amerikanern wird dieses Verhaltenmuster oft sehr stark ausgeprägt nachgesagt, und dass sie uns diese Eigenschaft voraus hätten.

Für mich ein echter Vorsprung und in Deutschland vielleicht aktuell noch eine gute Möglichkeit, einen Unterschied zu machen. Wer in einem Gespräch fragt, was er für den anderen tun kann, der kann überraschen, die Zusammenarbeit proaktiv gestalten und Symphatiepunkte sammeln. Das Gegenteil wäre wohl, sofort mit einer Forderung ins Haus zu fallen. Aber so funktioniert Netzwerken nicht. Anstatt jemandem dein Produkt oder deine Dienstleistung aufzudrücken solltest du also lieber überlegen, wie du dem anderen helfen kannst.

Für uns Deutsche scheint das von Natur aus schwer zu sein. Im Business Context lernen wir häufig, Dinge einzufordern und Ergebnisse zu erzielen. Netzwerken ist genau das Gegenteil. Keine Erwartungen, keine direkt messbaren Ergebnisse. Aber ähnlich wie beim Aufbau einer Marke und wie bei einem SEO-Projekt dauert es eben, bis sich Erfolg abzeichnen und messbar werden. Ich bin von diesem Vorgehen allerdings überzeugt!

Ein paar Beispiele
Geben und Hilfe anbieten … ok, verstanden, aber wie genau? Ich denke, jeder kann immer etwas geben. Angefangen bei Intros zu Personen aus deinem Netzwerk, die du kennst und die deinem Gegenüber bei einem konkreten Thema helfen können, über Gastbeiträge in deinem Blog, mit denen du Reichweite und Aufmerksamkeit schenkst, bis hin zu Expertise, die du dir aufgrund deines Startups angeeignet hast und weitergeben kannst. Tue es! Jeder hat die Möglichkeit, irgendwie zu helfen.

Eine Intro-Mail schreibe ich so ziemlich jede Woche, und bekomme auch regelmäßige selbst Kontakte hergestellt. Die Mail muss nicht umfassend sein, sondern kann z.B. so aussehen:

Lieber X,

ich möchte dir gerne Y (in cc) vorstellen. Wir waren heute gemeinsam Essen und haben über das Thema Z gesprochen, was vielleicht auch für dich interessant ist. Ich denke, ihr beide, das könnte gut passen. Tauscht euch doch mal aus.

Viele Grüße, Christian

3. Kommuniziere immer auf Augenhöhe

Klar, selbstverständlich. Aber lass es mich an diesen Beispielen verdeutlichen:

  • Jeder zahlt sein Essen selbst. Ich persönlich empfinde eingeladen zu werden zwar auch als etwas Tolles, aber gleichzeitig schuldet der Eingeladene dem anderen etwas. Wer von vornherein die unangenehme Situation an der Kasse umfahren will, der sagt beim Kassierer „getrennt bezahlen, bitte“. Solltest du doch unbedingt einladen wollen, sag es gleich zu Beginn oder während des Essens. Das ist übrigens absolut ok, wenn der eine konkret was von dem anderen will (z. B. bei einem Kunden- oder Verkaufsgespräch).
  • Sei kein „Besserwisser“. Du magst Erfahrungen in einem Bereich haben, die den Durchschnitt übersteigen. Das dich aber noch nicht unsterblich. Gebe deine Expertise mit in die Runde, aber höre zu und sei offen für die Ideen und Meinungen anderer.
  • Prahle nicht! Es mag sein, dass du mit deinem Business etwas Tolles geschafft hast, was vielleicht sogar überdurchschnittlich ist. Aber das ist kein Grund zu prahlen, denn das macht deinen Gegenüber unnötig klein. Verlasse beim Netzwerken nie die Augenhöhe! Nicht prahlen, sondern dein Gegenüber für seine Leistung wertschätzen!

4. Bereite dich vor

Was passiert gerade bei dem anderen? Was gibt es neues im Business? Was macht er aktuell, was beschäftigt ihn? Wenn du weißt, wen du triffst, solltest du dich auf diese Personen vorbereiten. So kannst du gezielt darauf eingehen und zeigst, dass dir diese Person wichtig ist. Außerdem entstehen so ggf. Ansatzpunkte für weiterführende Diskussionen, Kooperationsmöglichkeiten, und künftiges Netzwerken. Woher die Informationen stammen, ist dabei egal. Google, Facebook, Twitter oder woher auch immer. Hauptsache, du hast sie. Nimm dir vor einem Treffen 15 Minuten Zeit und stöbere in den Sozialen Medien.

So könnte es aussehen

Ich sehe bei einem Gründer, bzw. in seinem Startup Wachstum (z. B. durch einen Bericht in der Gründerpresse) und erkenne, dass das Geschäftsmodell skalierbar sein muss. Deshalb biete ich demjenigen meine Hilfe an, indem ich auf Erfahrungen mit Payment-Anbietern hinweise, die wir durch FastBill Automatic gemacht haben. Wenn das Thema passt, kann ich mit Expertise, Kontakten zu Ansprechpartnern bei Payment Service Providern, Kontakten zu anderen Kunden für Erfahrungsaustausch (auch mit uns), und einem Tool (FastBill Automatic) dienen. Eine ganze Menge, die hier beim Netzwerken entstehen kann.

Übrigens kommt es hier nicht immer zu neuen Kunden, aber wenn es passiert, ist das umso besser. Der Gegenüber sollte bei mir nie das Gefühl haben, dass ich nur helfe, wenn er auch Kunde wird. Die Entscheidung kann ich nicht erzwingen, und will ich auch nicht, aber ich kann mich in einem Treffen ganzheitlich für das Thema platzieren und so die Entscheidung begünstigen.

5. Platziere dich für ein Thema

Die Hilfe, die du deinem Gegenüber anbietest, solltest du präsentieren können. So kannst du konkrete Auswege aufzeigen und bleibst im Hinterkopf für eine mögliche Empfehlung seinerseits an Dritte. Denn du solltest immer voraussetzen, dass dein Gegenüber sich auch mit anderen trifft. Erwähnt er dich dann und macht gegebenenfalls sogar eine Intro, hast du mit wenig Aufwand dein eigenes Netzwerk erweitert.

Beim Netzwerken geht es also nicht um einen kurzfristigen Geschäftsabschluss, sondern viel mehr darum, dich mit einem Thema als Ansprechpartner für ein bestimmtes Thema zu platzieren. Wenn also die Person im obigen Beispiel daran denkt, ein Problem zum Thema Buchhaltung oder Abrechnung zu lösen, wird er bei der Lösungsfindung häufig auch an mich denken.

Stelle also sicher, dass dein Gegenüber am Ende auch weiß, was du genau machst und wie du helfen könntest. Bereite deinen Pitch vor und platziere ggf. auch „Buzzwords“, die fortan mit deinem Namen verknüpft sind (eine gute Strategie, wenn du Buzz-Marketing betreiben willst).

So platzierst du dich nicht nur selbst, sondern stattest auch andere damit aus, zum Beispiel mit Intros gegenüber Dritten zu helfen. Netzwerken lebt vom aktiven Austausch, bei dem idealerweise jedes Mal etwas weitergegeben werden kann.

Mein Fazit zum netzwerken

Ich bin froh, ein Teil der Hamburger Startup-Community zu sein, und auch in ganz Deutschland mittlerweile Menschen kennen gelernt zu haben, die mein Business nach vorne gebracht haben. Es fühlt sich an, als zahlen sich die vielen Jahre Netzwerken aus. Dadurch sind bereits unzähle Business-Opportunitäten zustande gekommen und ich habe hunderte tolle Menschen (darunter auch Venture Capital Geber), Ideen und Business-Ansätze gelernt. Daran möchte ich auch in Zukunft nichts ändern.

Wie ist deine Erfahrung mit Netzwerken? Ich freue ich mich über deine Erfahrungen, am besten per Kommentar. 

(Artikelbild: Pirate Summit, Köln)

14 Kommentare

  • ...schöner Artikel!
    Einige Fakten/Schritte, die doch in der Eile mal untergehen können aber nicht sollten!
    Grade die Sache mit der "Augenhöhe" und dem "geben u. nehmen" - so macht das ganze dann auch Spaß ; )
  • Ja, stimmt. Und am Ende geht´s doch um Spass ;-) Finde ich zumindest.
  • […] nehmen würde? Vermittle die beiden mit einer schnellen E-Mail. Du bist die Aufgabe los, hast etwas für einen Bekannten oder Kollegen getan und gleichzeitig deinen potenziellen Kunden glücklich […]
  • Ganz tolle tipps. Im Besonderen finde ich Geben ohne Gegenerwartung und Kommuniziere auf Augenhöhe hervorragend
  • Super tipps. Ich habe vor kurzem einen amerikanischen Unternehmer in Berlin kennengelernt und muss echt sagen, dass er es was Netzwerken betrifft wirklich drauf hat. Da können sich viele Deutsche Unternehmer und Gründer was abschauen. Tolle Zusammenfassung! Herzlichen Gruß aus Berlin :) Lisa
  • Das für mich nützlichste am Netwerken ist eigentlich, dass man Menschen trifft, mit denen man sich geistig "befruchten" kann. Manchmal ertappt man sich selbst dabei, betriebsblind zu werden oder ein Projekt oder eine Idee sehr einseitig zu betrachten. Dabei hilft der regelmäßige Austausch. Dabei sollte es nach Christians Tipps auch bleiben.
  • Sehr cool geschrieben. Mir gefaellt besonders wie Du vom gegenseitigen Respekt, dem auf Augenhoehe kommunizieren, berichtest und der erste Gedanke nicht sofort 'was kann ich meinem Gegenueber verkaufen' ist. Ich bin (noch) kein Self Starter. Aber ich weiss jetzt schon bei wem ich echte Unterstuezung finden kann. Ich empfehle Dich weiter ;)

    Gruss. Tuchi
  • Hey Christian,
    Danke für deinen Beitrag. Welche Startup-Szenen in HH kannst du empfehlen? Ich wohne selber in HH und erhoffe mir, mich auf der Suche nach Freiheit und Unabhängigkeit inspirieren zu lassen.

    Mercie,
    Stefan
  • Hi Stefan,
    ich glaube "Startup Szenen" gibt es gar nicht, sondern eher die eine große, in der du dich z.B. auf verschiedenen Events tummeln kannst. Eine sehr gute Anlaufstelle für laufende Events und Geschehnisse ist z.B. die Facebook Seite von Hamburg Startups: https://www.facebook.com/hamburgstartups
  • Hallo Christian,

    mein Blog existiert seit ca. 4 Monaten und ich habe einige dieser Tipps unbewusst umgesetzt. Dein Beitrag bestätigt das und ich bin froh darüber. Andere Tipps von dir werde ich sicher umsetzen.

    Danke für diese Plattform.
    Viele Grüße
    Afschin
  • Bis auf ein Thema vollste Zustimmung: "Einladen lassen". Ich glaube ja daß das vielleicht manchmal benutzt wird um eine Gegenleistung zu bekommen (das erinnert mich an meine holprigen Versuche als Verführungskünstler *g*). Doch dazu braucht es immer Zwei. Und als Unternehmer haben wir die Werte "Freiheit" bzw. v.a. "Unabhängigkeit " ganz oben auf der Liste stehen. Was bedeutet daß ich 100% unabhängig und frei in meinen Entscheidungen bleiben kann auch wenn ich zum 5-Sterne-Menü auf 'ner Yacht eingeladen werde :-) Ich freue mich immer wenn ich eingeladen werde, sage einfach "Danke" und finde es schön daß das Leben mich beschenkt. Und Geschenke soll man immer immer annehmen (selbst wenn man es später weiterschenkt)...

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