Wie du mit einem Namensgenerator einen guten Firmennamen finden kannst und dein Produkt zur Marke machst

Wie du mit einem Namensgenerator einen guten Firmennamen finden kannst und dein Produkt zur Marke machst

Am Anfang steht die Idee, aber unmittelbar darauf folgt die Frage: Wie soll das Startup / das Produkt eigentlich heissen? Wer neu gründet, der muss sich früher oder später mit dieser Frage auseinander setzen. Da ich selbst gerade Teil eines Teams bin, was ein neuartiges Tool für einfaches Empfehlungsmarketing gründet, standen auch wir vor Kurzem vor der Frage „wie wollen wir unser Produkt nennen?“ Wie sollen wir einen Firmennamen finden, der dem Produkt gerecht wird?

Neben Brainstorming hat Jonathan Mall aus meinem Team einen Namensgenerator gebaut, mit dem wir nicht nur den Geschmack beim Klang des Namens erfahren, sondern auch die Erinnerungsfähigkeit überprüften. Wie wir das gemacht haben und welches unser Ergebnis war, zeige ich euch weiter unten.

Zunächst allerdings ein paar grundlegende Dinge, die bei der Findung eines Firmennamens beachtet werden sollen.

Vom Namen zu Marke

Einen Namen kann man zwar jederzeit ändern, aber jeder Tag, an dem du über deinen Produktnamen sprichst, ist ein Tag, an dem die Marke wächst. Dein Name soll also nicht nur beschreibend, sondern auch markenfähig sein. Der Aufbau einer Marke ist ein langwieriger Prozess und beinhaltet mehr als eine gute Produktbeschreibung. Hier spielen Emotionen und Kultur eine Rolle. Ein Gefühl also, welches künftig mit deinem Produkt in Verbindung gebracht wird.

Dieser Prozess durchläuft allerdings mehrere Phasen, in denen du auf genau dieses Gefühl der Marke Einfluss nehmen kannst.

1. Unbekannter Name / Early Stage

In dieser Phase ist dein Firmenname noch unbekannt, vielleicht sogar dein Produktkonzept, wenn es neuartig ist. Die wichtigste Aufgabe besteht in dieser Phase darin, den Pitch – also die Kernbotschaft – mit dem Namen in Verbindung zu bringen. Emotionen und Kultur sind hier noch nicht so wichtig. Umso wichtiger ist es, die Kernfunktion und den wesentlichen Benefit auf den Punkt zu bringen.

Das Wunschergebnis zum Ende der Phase: „Produkt XY, das macht doch dies und das.“

2. Wachstumsphase

Der Firmenname oder der Produktname wird mit dem wesentlichen Mehrwert und der Grundfunktionalität in Verbindung gebracht. Das Publikum hat den Namen also schon ein paar Mal gehört. Von hier an gilt es die Marke von der reinen Produktbeschreibung weiter zu entwickeln und mit einer Emotion, bzw. einem Gefühl anzureichern. An der Stelle bist du auch bereit dich mehr und mehr über die Marke vom Wettbewerb zu differenzieren.

Wunschergebnis „Die von Produkt XY machen einen guten Job. Die gehen es richtig an.“

3. Bekanntheitsphase

In dieser Phase ist die Marke im allgemeinen bekannt. Bis hier hin dauert es in der Regel Jahre und kostet viel Geld für Marketing und PR. Meist ist diese Phase erst nach einiger Zeit flächendeckender Maßnahmen erreicht, die z.B. umfangreiches Sponsoring, TV Werbung und andere reichweitenstarke Maßnahmen umfassen. Paradebeispiele sind hier z.B. Apple oder auch Red Bull.

Das Ziel ist erstmal eine klare Botschaft

Wenn du deinen Firmennamen gefunden hast und deine Marke aufbaust, dann geht es nicht direkt darum die Weltherrschaft zu erreichen und zum nächsten Google, Facebook, Apple oder Microsoft zu werden, sondern zunächst um die Bekanntheit in deiner relevanten Zielgruppe zu erhöhen. Denn nicht jedes Produkt ist für jedermann. Wenn du z.B. ein Nischenprodukt anbietest (z.B. eine spezielle Kosmetik Creme für Menschen mit Neurodermitis), dann sollte dein oberstes Ziel sein deine Marke zunächst bei Ärzten, Apotheken, Drogerien und den betroffenen Kunden selbst bekannt zu machen. Alle anderen zu erreichen ist zunächst unnötig. Der Schritt in Phase 2 in Phase 3 kommt irgendwann automatisch, denn dann bist du in einer Größe, in der sich ganze Marken- und PR-Teams mit nur diesem Thema beschäftigen. Wer gründet, der muss also noch nicht so final denken.

Die Marke als USP

Man wird ja – gerade im Pitch – häufig nach dem USP (Unique Selling Proposition) gefragt. Ich denke die Marke kann hier definitiv ein Teil davon sein. Nicht nur bessere Funktionen oder ein Team manifestieren deine Einmaligkeit, sondern auch die Marke und die Art und Weise, wie du kommunizierst.

Wir kaufen, was wir gut finden. Es gibt einen Grund, warum z.B. Markenklamotten so heißen. Der Preisaufschlag an dieser Stelle wird i.d.R. mit einer Emotion und einer gefühlte Qualität gerechtfertigt, selten aber mit einer tatsächlichen Qualität. Denn auch die Shirts teurer Markenlabels werden in Bangladesch produziert.
Der einfache Grund für unsere Entscheidung für Markenprodukte ist also: Wir fühlen uns besser und wertvoller.

Wenn die Marke zum Produkt wird

„Gib´ mir bitte mal ein Tempo“ oder „hast du deine Flip Flops für den Urlaub eingepackt?“ sind Sätze aus unserem täglichen Alltag. Dabei beschreiben wir eigentlich Marken. Tempo, Tesa und Flipflops haben das ultimative Ziel einer Marke erreicht: sie sind zum Produkt geworden.
Im besten Fall etabliert sich eine Marke also so stark im Zusammenhang mit einem Produkt, dass der Markenname anstelle des Produktes verwendet wird. Und das, obwohl der Name eigentlich gar nicht so beschreibend ist, dass man es auch hätte ableiten können. „Tempo“ z.B. benutzen wir nämlich eigentlich in einem anderen Zusammenhang, und „Tesa“ macht so erstmal auf keinen Sinn, oder?
Aber wie gesagt, das ist die Krönung in der Königsdisziplin und folgt meist einer PR- und Markenarbeit über Jahrzehnte.

Auch, wenn es hier im die Namensfindung im aller ersten Schritt geht, so sollte dieser Ausflug doch zeigen, wie sich der zu Beginn gewählt Name später entwickeln kann. Es lohnt sich also ein wenig mit dem Thema am Anfang zu beschäftigen. Wie also kann ich einen guten Firmennamen finden, wenn ich ganz am Anfang stehe?

 

Unser Ansatz: Ein eigener Namensgenerator

Wie ich schon erwähnte, ich bin Teil eines Teams, welches gerade an der nächsten Generation der Empfehlungsmarketing-Tools arbeitet. Die Idee hat sich über Monate entwickelt und befindet sich jetzt in dem Stadium, in dem wir langsam an die Öffentlichkeit gehen wollen, sodass wir beta-Kunden sammeln und dafür einen Firmennamen, bzw. erstmal einen Produktnamen finden mussten.

Jonathan aus unserem Team hat dazu einen Namensgenerator mit Hilfe von Google Docs entwickelt, der sich in 3 Schritte aufteilt. Damit wir den Namensgenerator anwenden konnten, brauchten wir zunächst jedoch ein wenig Vorarbeit. Und so funktioniert´s:

Der Pitch

Eine Aufgabe, welche noch ohne Tool gelöst werden musste. Da wir die Umfrage als Link verschicken wollten, mussten wir in aller Kürze beschreiben, worum es bei dem Produkt geht. Da alles ganz neu ist, wir aber keinen Roman verfassen konnten (sonst macht keiner mit), musste es auf den Punkt sein. Wir haben uns dann für die Beschreibung eines Beispiels entschieden, in dem sich der Teilnehmer wieder finden sollte:

Imagine you really like a product or service. Now, you want to recommend the product or service to your friends who really „need“ it… and if possible also get a little reward for your generosity. The solution to your problem is our (nameless) service. It gives you a link to the product or service, which you then share with friends. If your friend(s) then buy it, you get a reward (e.g. 5Euros). Thus, you are happy and the app company gets new high quality customers. Thus, our service is easy to use, offers personal contact between company and customers and is much cheaper than existing solutions (affiliate networks etc.)…but what’s a good name for this service which is easy to spell and captures the essence of our service? Write down as many names / url suggestions you can think of …doesn’t matter if its 10 or 25 🙂

 

Brainstorming allein und im Team

Damit die Umfrage nicht auf der grünen Wiese startet, wollten wir bereits eine Liste mit Namen vorgeben. Dazu sollte sich jeder einzelne im Team Gedanken machen und seine Ideen sammeln. Ich fand es vorteilhaft, hier nicht von vorn herein zusammen darüber zu diskutieren, sondern erstmal jeder für sich nachdenken konnte. Anschliessend haben wir gemeinsam über ein paar Namen davon gesprochen, aber keinen Namen von der Liste gestrichen. Am Ende kamen so 48 potentielle Firmennamen zusammen, welche wir dann in dem Namensgenerator-Tool aufgenommen haben:

Das Brainstorming-Ergebnis: 48 Namen als Vorschlag
Das Brainstorming-Ergebnis: 48 Namen als Vorschlag

Umfrage durchführen

Schritt 1: Namens-Favoriten abfragen

In diesem Schritt geht es darum, die gefundenen Namen per Google Form einer Leserschaft anzubieten und so den „Geschmack der Masse“ abzufragen. Der erste Schritt in der Umfrage fragte einfach nur ab, welcher Name gut gefällt und den Pitch gut beschreibt.

Das vorläufige Ergebnis in unserem Fall: 14 Leute haben sich für den Namen „checkit“ entschieden, gefolgt von 13 für „recommend.to“ und 12 für „found4you“.

Das Ergebnis der Umfrage nach Schritt 1
Das Ergebnis der Umfrage nach Schritt 1

Übrigens: Natürlich kann man hier auch die Freundin oder die Familie mit einbeziehen, auf jeden Fall sollten aber auch potentielle Kunden schon mitmachen, aber Menschen aus der relevanten Zielgruppe. Ich selbst habe dazu auf Facebook zurück gegriffen, da ich hier bereits gut vernetzt bin.

Schritt 2: Verbales Kurzzeitgedächtnis zurücksetzen

Der Teilnehmer musste im zweiten Schritt ein kleines Wort-Puzzle durchlaufen. Das macht einigen sogar Spass und manche haben bis zu 5 Wörter gefunden. Der Zweck war allerdings das kurzfristig Gemerkte aus Schritt 1 so gut es ging zurück zu setzen, damit wir in Schritt 3 das Langzeitgedächtnis abfragen konnten.

Schritt 2: Das verbale kurzzeitgedächtnis zurücksetzen
Schritt 2: Das verbale kurzzeitgedächtnis zurücksetzen

Da Namen im verbalen Kurzzeitgedaechtnis landen, interferierten die Wörter vom Wort-Puzzle effektiv mit den Namen die am Anfang gelesen wurden. Hätte man die gleiche Aufgabe mit Bildern gemacht, z.B. um ein Logo zu testen, wäre eine visuelle Zwischenaufgabe effektiver gewesen (z.B. ein Labyrinth Rätsel).

Schritt 3: Langzeitgedächtnis abfragen

Der Erinnerungstest. Im Durchschnitt haben sich die Teilnehmer an 2 Namen aus Schritt 1 in der freien Auswahl erinnert.

Schritt 3, Teil 1: Woran erinnert sich der Teilnehmer im "free recall"?
Schritt 3, Teil 1: Woran erinnert sich der Teilnehmer im „free recall“?

Die erste Wahl haben wir dann mit dem Erinnerungswert multipliziert. Interessanterweise kamen hier sogar Namen vor, die gar nicht auf der Liste in Schritt 1 standen, z.B „naughtyfriend“. Aber: „recommend.to“ (vorher auf Platz 2) und „looook“ wurden mehrfach erneut genannt, auch wenn es ein paar Vertipper dabei gab (recommend.it und recommend.me)

Am Ende haben wir uns also für recommend.to entschieden.

Schritt 3, Teil 2: Das gewichtete Ergebnis
Schritt 3, Teil 2: Das gewichtete Ergebnis

 

Mein Fazit

Wir konnte über diese Umfrage nicht nur erfahren, was auf den ersten Blick gut funktioniert, sondern auch, welcher Name im Kopf bleibt. Ein gute Voraussetzung, dass sich potentielle Kunden in Zukunft leichter an den Namen und das Tool erinnern. Zwar ist „recommend.to“ kein sexy Hipster-Name, allerdings ein sehr gut beschreibener Name, was das Produkt betrifft. Schliesslich geht es um Empfehlungsmarketing.

Wie findest du diesen Ansatz, bzw. wie hast du deinen Namen gefunden? Rein damit in die Kommentare!

 

Titelbild (CC BY 2.0 Lizenz) by Robert Occhialini

 

3 Kommentare

  • […] dass “recommend.to” sich bei den meisten Bewerbern durchsetzte. Einen ausführlichen Bericht zu dieser Variante der Namensfindung ist hier nachzulesen.  Hier der Link zur Namensfindung und Auswertung, einfach selber eine Kopie erstellen und super […]
  • Hi Christian,

    Top Artikel!
    Vor allem finde ich sehr hilfreich, dass du mehr als den rein kreativen Prozess beschreibst. Der kreativste Name nützt nichts, wenn sich keiner daran erinnern kann.
    Schon bei der Namensfindung kann man 'Lean' vorgehen...

    Beste Grüße
    Jens
  • Also erstmal finde ich Deinen letsseewhatworksworks Blog super und stolpere immer mal wieder über deine Beiträge. Was funktioniert interessiert mich auch.

    Die Idee, die Namenfindung mit epirischen Methoden zu untermauern finde ich nicht schlecht. Dennoch bin ich nicht der Meinung, dass der Schwarm immer recht hat. Und schon gar nicht, wenn man 100 oder vielleicht 200 Leute befragt. Wieviel sollen später das Tool nutzen/das Produkt kaufen? 1000 oder 100000? Wir wissen ja alle, wie genau selbst Forsa-Umfragen zukünftiges Verhalten vorhersagen.

    Dieser Zaubertrick mit dem Wortpuzzle ist meiner Meinung nach keine signifikante Aussage.

    Der (einzige) Grund, eine Umfrage für die Namenfindung unter Freunden und Bekannten (etwa 100 bis 200 potentielle Teilnehmer) ist, die wirklich dummen Ideen herauszusieben. Manchmal kommt man einfach auf Namen, die klingen im eigenen Team wunderbar, außerhalb mag der Deutsche, der Italiener oder vielleicht der Däne einen solchen Namen nicht einmal gerne aussprechen ("Worcester-Sauce"). Es geht also eher darum, eine Blacklist der No-Gos zu erhalten und nicht darum, den fertigen, besten Namen zu erhalten.

    Meine persönlich Meinung zu recommend.to: Er ist echt griffig und das er generisch ist, ist sicher nicht von Nachteil. Auf eine .to TLD würde ich allerdings aus Konnotationsgründen verzichten. .it (Wie einige Teilnehmer bereits intuitiv erinnerten) wäre vielleicht besser.

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