Warum einen Mitgründer zu finden und binden wie eine Beziehung ist

Warum einen Mitgründer zu finden und binden wie eine Beziehung ist

Nicht das Finden einer Geschäftsidee ist die größte Herausforderung bei einer Gründung, sondern ein Team zu formieren. Das zeigt mir zum einen die Historie von Fastbill bzw. die Tatsache, dass mein Co-Founder und ich uns kompetenzbezogen als auch persönlich sehr gut ergänzen. Zum anderen bin ich seit einigen Monaten wieder auf der Suche nach einem weiteren Mitgründer für ein neues Projekt. Einen Mitgründer zu finden ist in vielerlei Hinsicht damit vergleichbar, einen Partner für die private Beziehung zu finden: Du musst dich gezielt umschauen, offen für „Verkupplungsversuche“ aus deinem Umkreis sein und in Dating investieren. Und wer es vor Ungeduld übers Knie brechen will, muss das Risiko in Kauf nehmen, vielleicht doch nicht den gewünschten Bund fürs (Startup-)Leben gefunden zu haben.

Was es bedeutet, Gründer zu sein

Aus den Anfängen von FastBill weiß ich, was es bedeutet, Gründer zu sein. Und ich bin davon überzeugt, dass ich nur gemeinsam mit meinem Mitgründer René FastBill und unser Team zu dem machen konnte, was es heute ist. Als wir unsere Jobs als Angestellte 2011 aufgaben, um das Startup aufzubauen, mieteten wir uns aufgrund der räumlichen Distanz zwischen unseren damaligen Wohnorten eine gemeinsame Wohnung in Frankfurt. Dort trafen wir uns alle 14 Tage für jeweils eine Woche, um kreativ zu werden und FastBill aufzubauen. Aktionen wie unsere 2-wöchige Startup Tour quer durch Deutschland schweißten uns noch mehr zusammen. Auch heute, 4 Jahre nach der Gründung, ist es meiner Meinung nach Teamplay, was uns ausmacht.

Die wenigsten Unternehmen starten mit einem großen Team. Ein Mitgründer nimmt daher eine besondere Rolle ein. Er ist der Herzschlag des Unternehmens und gibt die Stoßrichtung für Produkt, Marke und Kultur vor. In einer Situation mit mehreren Mitgründern teilt man die anfängliche Last einfach auf mehrere Schultern auf. Das ist gut, aber vor allem in größeren Gründungsteams besteht damit auch die Herausforderung darin, alle auf einer Wellenlänge zu behalten.

Ich ziehe immer wieder gerne den Vergleich mit einer Beziehung. Es gibt den für dich perfekten Partner, auch wenn Kompromisse dazu gehören. Man trifft ihn oder sie vielleicht auf einer Party am Tresen, ganz ungeplant in Alltagssituationen oder auch gezielt per Partnerbörse. Mal früher und mal später. Und genau deshalb ist es auch so schwer, einen Mitgründer zu finden. Da hilft manchmal die größte Motivation nicht, wenn man den richtigen Partner einfach nicht findet, oder noch nicht als geeignet wahrgenommen hat.

Warum Mitgründer nicht an deine Haustür klopfen

Ein Anlass zu diesem Beitrag ist, dass ich derzeit als Gründungsgesellschafter seit Monaten einen technischen Mitgründer (CTO) für unser neues Projekt recommend.to suche – der von Anfang an Teil des Teams werden soll. Und diese Suche ist eine echte Herausforderung.

Seit gut einem Jahr reift das Konzept zu einer Idee und einem Prototypen heran, für das wir nach etwa einem halben Jahr Jonathan begeistern konnten. Der Kontakt entstand über mein Netzwerk hier in Hamburg, genauer gesagt durch Oliver Rößling. Nach einem ersten Treffen setze er sich sofort in den Zug, um das restliche Team in Frankfurt zu treffen. Heute führt das Projekt als CEO an, ist also das Gesicht von recommend.to.

Was ihn zum Mitgründer macht?

Commitment! Als promovierter Wissenschaftler könnte er vermutlich hochklassige Angestellten-Jobs im Konzern machen und sich ordentlich dafür bezahlen lassen. Stattdessen hat er sich dafür entschieden in einer frühen Phase ohne Vergütung, Vertrag oder sonstige Sicherheit mit uns an dem Projekt zu arbeiten, von dem wir alle glauben, dass es eine große Nummer wird.

Die Lektion wird schnell deutlich. „Mitgründer“ ist keine Stelle, auf die man sich bewirbt. Es ist vielmehr ein Engagement mit vollem Risiko, das man unter den Umständen des Alltags eingehen muss.

Was bisher geschah

Für die eingangs genannte CTO-Position führten wir einige gute Gespräche mit motivierten, potentiellen Mitgründern. Bis heute zeigte jedoch noch kein weiterer Kandidat das benötigte Commitment oder sitzt in Warteposition. Ein perfekter Mitgründer wird selbst gestalterisch aktiv, selbst wenn bereits 3 von 4 Plätzen im Boot vergeben sind.

Gründen erfordert Mut

Wer gründet, der muss bereit sein, den Status Quo hinter sich zu lassen. Das kann ein fester Job, eine andere Opportunität, ein Wohnort, oder ein ganzer Lebensstil sein. Als ich damals meinen Job bei OTTO kündigte, wusste ich an diesem Tag noch nicht, wovon ich leben sollte. Erst später kam die Idee mit dem Gründungszuschuss. Und dann kam das Jahr mit der gemeinsamen Wohnung in Frankfurt, für die ich meine Freundin quasi ein halbes Jahr nicht gesehen habe. Mitgründer zu sein bedeutet ein Risiko eingehen zu können. Denn ausser einer Idee und einem Team gibt es zu Beginn erstmal nichts. Kunden und Umsätze oder eine Finanzierung müssen erst noch gewonnen werden.

Nicht immer muss eine Gründung eine komplette Veränderung des Alltags bedeuten. Wer z.B. in derselben Stadt lebt, der muss nicht in der Ferne eine Wohnung suchen. Lange im Büro zu bleiben und die Nächte bei Bass & Bier durchzuarbeiten gehört dann vermutlich aber doch dazu.

Mitgründer zu sein ist kein Job, sondern ein Lifestyle. Wer gründet, geht für ein paar Jahre einen Kompromiss ein und lässt den Status Quo hinter sich. Wer es bis hierhin geschafft hat, dem steht die Welt jedoch offen. Und genau das ist der Grund, warum Unternehmer so sind, wie sie sind. Auch ich. Die Zukunft liegt nun in meiner Hand.

Aufruf: Mitgründer gesucht

Es ist Februar 2015 und wir sind auf der Suche nach einem Mitgründer, der bereit ist, mit uns diese Reise zu machen und unternehmerisches Neuland zu entdecken.

Weil wir selbst in den letzten Jahren viel gelernt haben, wollen wir nicht bei Null anfangen, sondern ebenfalls mit jemandem durchstarten, der bereits Erfahrungen im Aufbau eines skalierbaren Tech-Unternehmen mitbringt.

Der vierte Mann sollte Technologie-Experte sein, den Prototypen fertig bauen können, und die Lösungen für die Anforderungen finden, die es so noch nicht gibt. Zusätzlich muss er oder sie in der Lage sein, Ressourcen zu steuern, die mit einer geplanten Finanzierung oder steigenden Umsätzen zur Verfügung stehen werden. Es geht um Geschwindigkeit und Präzision und darum, technologische Komplexität einfach wirken zu lassen. Es geht darum, Anforderungen zu definieren, bevor es in die Umsetzung geht. Ich hoffe das Bild wird klar…

Menschen, die all das können, sitzen nicht tatenlos herum und warten auf diese Art von Gelegenheit. Sie sind meist bereits fest in Projekte und Vorhaben integriert und müssen von einer Idee wie unserer überzeugt sein, damit sie den Status Quo hinter sich lassen.

Was einen Mitgründer von einem Bewerber unterscheidet

„Eine gemeinsame Gründung ist wie eine Beziehung. Man teilt dieselben Werte und Wünsche und du verbringt viel Zeit miteinander.“

Diese Rahmenbedingungen sollten passen:

  • Wellenlänge & Vertrauen. Man muss nicht gleich sein, aber zueinander passen. Es ist wichtig, miteinander offen und ehrlich zu kommunizieren und dieselben Werte zu teilen. Könnt ihr kein Vertrauen ineinander fassen, dann wird es schwer.
  • Der richtige Ort und genug Zeit. Gründen erfordert (Frei-)Zeit, viel Zeit. Wer nicht am selben Ort wohnt, muss bereits sein zu reisen.
  • Absolutes Commitment. Jeder Mitgründer muss für das Projekt brennen. Es sollten keine anderen beruflichen oder privaten Projekte geben, die kurzfristig mehr Aufmerksamkeit benötigen. Die Work-Life-Balance muss für eine Weile mal an den Nagel gehängt werden können.
  • Vision, Ziele und Finanzierung. Wie soll das Unternehmen in 1, 2 oder 5 Jahren aussehen? Wie sind die Erwartungen? Wollt ihr ein Lebenswerk aufbauen oder eine dreijährige Exit-Strategie fahren? Dazu kommt die grundlegende Frage nach der Finanzierung: Soll überhaupt externes Geld eingeholt werden, oder soll sich ein natürliches Wachstum per Bootstrapping entwickeln?
  • Anteile. Wem gehört wie viel? Redet von Anfang an offen über Shares.

Wo man Mitgründer finden könnte

Auch, wenn ich selbst noch nicht ganz am Ziel bin, so kann ich zumindest sagen, was bisher funktioniert hat.

Der wichtigste Ort für die erfolgreiche Mitgründer-Suche ist immer noch mein persönliches Netzwerk. Ich erzähle jedem, dass wir einen Mitgründer suchen, ob persönlich auf Events, per Facebook oder auch Twitter.

Mitgründer finden

Darüber hinaus gibt es mittlerweile auch Online-Plattformen für diesen Anlass. Ich hab mir sagen lassen, dass so etwas auch bei der Suche nach dem richtigen Partner helfen kann. Warum also nicht auch bei der Suche nach dem passenden Mitgründer? Plattformen, die mir empfohlen wurden, sind z.B.

Es bleibt spannend bei recommend.to und ich halte euch auf dem Laufenden, sowohl was die Gründerstruktur, als auch das Produkt angeht. Vielleicht fühlst du dich ja angesprochen und passt zu uns? Falls ja, melde dich bei uns: team@recommend.to 

 Photo by gerlos | License: CC BY-SA 2.0

12 Kommentare

  • Hey Jan,

    danke für dein Feedback!
  • Hey Christian,
    danke für die vielen Informationen und die nützlichen Links. Ich habe bereits seit längerem Gründungsideen, aber noch nie jemanden passenden gefunden der ähnliche Interessen hat.

    Danke und viele Grüße,
    Julian
  • Hey Julian,

    ja, ist echt nicht immer leicht. Deshalb vergleiche ich es immer gerne damit, eine Freundin/Freund für eine Beziehung zu finden. Und meist findet man dann, wenn man nicht danach sucht.

    Soll dein Co-Founder denn auch mit dir reisen oder würdest du ein Remote Business aufbauen, in dem jeder seine Aufgaben hat? Ist dein Backpacking Blog das Business oder willst du etwas anderes aufbauen?

    Gruss
    Christian
  • Hi Christian, sehr klare Einstellung die du hier fährst. Finde ich gut! Auch wenn die Äußerung eurer doch sehr klaren Vorstellungen die Chancen einen Mitgründer im Bereich Tech zu finden nicht sonderlich verbessert, ist es der korrekte Weg. Alles andere wäre am Ende Zeitverschwendung. So weiß jeder worauf er sich einlässt. Viel Erfolg bei der Suche und danke für deine Erfahrungen.
  • Lieber Christian,

    vielen DANK für diesen tollen Input - aus 15 Jahren Unternehmerischem TUN liegst du 100% richtig.
    Wichtig ist die Chemie zwischen den Partner - wie in einer Beziehen.
    Am Beginn darf man nicht auf die Uhr schauen. Ein jeder sollte die Arbeit in seinem Bereich "sehen" können.

    Leider bin ich kein CTO - eher ein CMO - Chief Motivation Officer :-)
    Vielleicht passt es bei einem anderen Projekt.

    Liebe Grüße aus Österreich
    Thomas
  • Danke. Guter Hinweis. Das Interview schau ich mir auf jeden Fall an.
  • Hallo Christian,

    warum kenne ich deine Situation bloß? ;) Geschäftsideen gäbe es genügend in meinem Kopf oder in meinem "Schlauen Buch", das ich schreibe. Bei einigen Ideen (v.a. im Bereich App) gibt es auch Kontakte zu Investoren, Partner usw., die Geld in das Projekt stecken würden, wenn das Gründerteam steht. Auch Förderungen vom Land (in meinem Fall Österreich) sind schon zugesagt.

    Trotzdem ist es immens schwer, jemanden zu finden, der dafür brennt, etwas aufzubauen. Ich sage mal so, die meisten, die man fragt, wollen wissen, wie viel sie dabei verdienen. Wenn ich dann sage, in der ersten Zeit mal nichts und es heißt abends und am Wochenende daran arbeiten, dann sagen 99% schon mal ab. Da kann man sie auch nicht mit so und so viel Prozent Firmenanteil locken.

    Aber, wie du schreibst, ist es wie in einer Beziehung. Zufällig wird man dann den richtigen Partner treffen. Danke für den Artikel. Zumindest weiß ich, dass es auch für andere Leute schwierig ist, die richtigen Gründungspartner zu finden. :)

    LG aus Salzburg
    Stefan
  • Naja, wenn man schon "Investoren" hat, dann schließt das "Wenn ich dann sage, in der ersten Zeit mal nichts" ja eigentlich aus...

    Man muss halt auch beachten, dass der "Markt" an Gründerinteressierten sehr gering ist und die, die es sind, wollen gerne ihre eigene Idee umsetzen. Zusätzlich hat man das Problem, dass sich eben keiner gerne mehr "commited" (Generation Y sei Dank?!).

    Und was ich auch als großes Problem der Gründerszene sehe ist, dass sich viel zu viele im IT-Bereich gründen wollen, die halt gerne im Internet surfen und "nur" eine BWL/VWL/Geisteswisschenschaftliche Ausbildung haben, aber die große Idee.
    Entwickler werden in den Start Ups händeringend gesucht, aber die werden halt auch von den Branchenrießen mit viel Geld geködert.

    Problematisch ist an dem Ungleichgewicht, dass es relativ einfach ist, sich das BWL-Wissen anzueignen, das man für so ein Vorhaben benötigt. Umgekehrt ist es jedoch viel schwieriger.

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