Kaffee verkaufen: 8 Geschäftsmodelle, um mit Kaffee Geld zu verdienen

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Zu Beginn jedes erfolgreichen Unternehmens steht eine gute Idee, doch muss es wirklich immer eine Super-Neuheit sein? Die meisten Gründer verstehen dies als Hürde und fühlen sich genötigt etwas neues, bahnbrechend innovatives auf die Beine zu stellen. Ein Fehler, wie ich finde. Denn wo könnte ein Einstieg schneller funktionieren, als in einem etablierten Markt mit einem Produkt wie Kaffee (oder Tee oder Marmelade oder Müsli oder... ) , dass der potentielle Kunde bereits kennt? Ist es nicht einfacher in einem bestehenden Markt nur mit einem besseren Service oder Marketing zu überzeugen, den es schon lange gibt? Ich denke ja.

Das Beispiel Kaffee soll in diesem Beitrag daher lediglich als Beispiel und Inspirationsquelle dienen und zeigen, dass selbst ein Standardprodukt im Alltag viele Möglichkeiten für Neu-Unternehmer bietet. Denn Kaffee kennt jeder und fast jeder Haushalt verfügt über eine Kaffeemaschine. Vielleicht inspiriert dich dieser Beitrag, auch deine eigene Idee – vielleicht nicht unbedingt mit Kaffee – zu Geld zu machen.

Online oder Offline Geschäftsmodell?

Ich will mich hier nicht festlegen, aber meine eigenen Erfahrungen in diesem Beitrag basieren ausschliesslich auf Online Geschäftsmodelle. Das Online ­Business floriert und erzielt Umsätze in Milliardenhöhe. Ob Affiliate, Werbung und oder der Handel mit Produkten (eCommerce), die Zukunft sieht gut aus. Wege, online Geld zu verdienen gibt es viele, ein paar davon habe ich selbst bereits erfolgreich umgesetzt. 

Für mich war das immer wichtig, da ich selbst nie Dienstleister sein wollte, der pro Stunde bezahlt wird. Mein Schritt in die Selbstständigkeit sollte daher über ein Produkt erfolgen, so wie bei meinem Projekt Happy Coffee. Es ist nicht mein erstes Online Business, aber es ist ein gutes Beispiel, um zu zeigen, wie unterschiedlich man Geld mit einem so einfachen Produkt wie Kaffee verdienen kann. 

Ein Hinweis vorab: Alles, was du hier liest, klingt vielleicht einfacher, als es ist. Ich habe Happy Coffee 2008 zum ersten Mal gegründet und habe im nebenberuflichen Modus knapp 8 Jahre gebraucht, um davon leben zu können. Das geht mit entsprechendem Fokus sicher deutlich schneller. Ich will nur die Hoffnung nehmen, dass ein Online Business von heute auf morgen ein Einkommen sichert. Wer nicht als Dienstleiter starten will, der sollte mindestens 2 oder 3 Jahre Vorlaufzeit einplanen.

Was steckt hinter Happy Coffee?

Happy Coffee ist ein online Kaffeehandel, in dem wir ausschliesslich Bio Kaffee aus fairem Direkthandel verkaufen. Damit grenzen wir uns sowohl bei der Produktqualität, als auch von der Zielgruppe vom Supermarkt-Segment ab. Kaffee ist eben nicht gleich Kaffee. Mehr zu uns kannst du gerne hier nachlesen.

Happy Coffee steht auf verschiedenen unternehmerischen Standbeinen, die mit unterschiedlichen Online Geschäftsmodellen realisiert werden. Ausserdem gäbe es noch weitere Modelle, die ich (noch) nicht anwende, aber die sich alle mit Happy Coffee umsetzen liessen. Dieser Artikel hier ist nicht mein Happy Coffee Masterplan, sondern ich zeige lediglich Optionen auf, die den ein oder anderen Kaffee-Fan vielleicht dazu bringen, den Schritt in die Kaffee-Selbstständigkeit auf die ein oder andere Weise zu gehen. 

1. Ein Kaffee Online Shop eröffnen

Der klassische und fast schon offensichtlichste Weg, ist Kaffee über den eigenen Online Shop zu verkaufen. Was einfach klingt, ist es aber nicht. Denn jeder Online Shop muss Vertrauen gewinnen und Gesetze einhalten. 

Unser Shop läuft mit Shopify. Die Anpassungen für z.B. die erforderliche Grundpreisangabe habe ich einfach von einem Dienstleister machen lassen. Das Theme habe ich bei Out of the Sandbox gekauft. Ein fertiges Snippet für die Grundpreisangabe und ein paar mehr Tipps zu Shopify findest du auch in diesem Beitrag

Steht das Setup, müssen potentielle Kunden den Weg in den Shop finden. Da wir kein großes Werbebudget hatten, haben wir uns auf das konzentriert, was zwar Zeit, aber wenig Geld kostet: Bloggen. Lange, bevor Happy Coffee ein Shop wurde, war er also erstmal ein Blog. Würde ich heute ein neues Projekt starten, würde ich es genau so wieder machen. Es gibt einfache Lösungen für eine Blog Software, mit der man erstmal starten kann.

Achtung: Leser sind nicht gleich Kunden. Es ist 1. wichtig, dass der Blog thematisch zum Shop und den Produkten passt und 2. dass man weitere Vertrauensmaßnahmen aufbaut. Bewertungen in jeglicher Form sind immer wichtig und gut. Wenn Kunden ein Bild mit dem gekauften Produkt schicken, pack es auf die Website (nach Freigabe) und zeig potentiellen neuen Kunden, dass es auch andere Menschen gibt, die auf dich und deinen Shop vertrauen.

Wenn alles gut geht und dein Shop funktioniert, kannst du davon ausgehen, dass im Marktdurchschnitt ca. 2,5% aller Leser, die eine Produktseite besuchen, dort auch etwas kaufen. Bei 1000 Leser im Blog schaffen es je nach Gestaltung vielleicht 15% auf eine Produktseite (= 150), von denen dann vielleicht 2-5% (je nach Optimierung) etwas kaufen. Wie gesagt, dass sind Durchschnittszahlen und bedeutet nicht, dass es so auch bei dir sein muss. 2,5% von 150 Produktseiten-Besuchern könnten also gerade mal 3,75 Bestellungen bedeuten (bei 1000 Besuchern!). 

Der Weg zum Erfolg ist also ein langfrister Weg. Ein Weg hin zu einer starken Marke und einem hohen Customer Lifetime Value. Ziel muss es sein, den Kunden zum Stammkunden zu machen und sein Vertrauen zu gewinnen, damit er - sobald er einmal gewonnen wurde - regelmäßig kauft. 

Bei Happy Coffee liegt die Quote der Wiederholungskäufer in nahezu allen Monaten bei deutlich über 70% (!!). Mittlerweile (nach mehr als 3 Jahren, in denen wir unsere aktuellen Produkte verkaufen) verschicken wir rund 1,5 Tonnen Kaffee jeden Monat über den Shop. Es hat ganz schön gedauert, dafür wächst dieser Kanal für uns sehr stabil. Das liegt auch z.B. an dem...

2. Kaffee Abo

Das Happy Coffee Kaffee Abo unterscheidet sich im wesentlichen in 3 Punkten von anderen Kaffee ­(oder sonstigen) Abos: 

  1. Der Kaffee ist immer frisch! 
  2. Es gibt es keinerlei Verpflichtungen!
  3. Es ist ein Service und keine Abo-Falle!

Der Kaffee bei Happy Coffee wird in nur kleinen Mengen geröstet und liegt nie länger als ein paar Tage vor dem Versand im Lager. Das Kaffee Abo hat auch den Vorteil, dass es keinerlei Verpflichtungen gibt (man kann sofort wieder kündigen, es gibt keine Mindestlaufzeiten). Ausserdem schickt Happy Coffee immer 3 Tage vor jeder Bestellung automatisch eine Erinnerung per E-Mail über die bevorstehende Bestellung. Wenn z.B. noch ausreichend Kaffee vorhanden ist oder man gerade im Urlaub eine Kaffee-Pause macht, dann lässt sich z.B. jede Bestellung einfach vom Handy aus überspringen. Dafür ist nichtmal ein Login erforderlich und es kann sofort aus der E-Mail heraus mit wenigen Klicks auf dem Smartphone erfolgen. Das macht den Service sehr praktisch und unkompliziert! Das kommt gut an bei den Kunden. Mehr als 500 Kunden nutzen diesen Service bereits aktiv bei Happy Coffee. Denn der Buchungsprozess ist einfach gehalten und das Risiko einer Abo Falle nicht vorhanden. Die gewählten Produkte, das Intervall oder die Menge können jederzeit flexibel angepasst werden. Darüber hinaus gibt es für jeden neuen Abo Kunden bereits ab der ersten Bestellung einen 10% Dauerrabatt. Alles in allem ein Service, der in diesem Fall (auch dank überzeugendem Produkt) funktioniert. Wie genau ist das Kaffee Abo mit Shopify umgesetzt habe, kannst du hier nachlesen.

kaffee abo

3. Affiliate Marketing

Ein weiteres Modell, was wir erfolgreich bei Happy Coffee umsetzen, ist Affiliate Marketing. Wer (gut und SEO optimiert) bloggt, der hat Traffic. Und wer Traffic hat, kann diesen meist auch zu Geld machen.

Irgendwann haben wir verstanden, dass nicht jeder Leser auch ein Kaffee Käufer sein kann. Vielen kommen über Google auf einen Artikel und nehmen im Zweifel nicht mal die Marke richtig wahr. Deshalb ist es super wichtig zu antizipieren, was ein Leser in einem bestimmten Blogbeitrag erwarten könnte. Jeder Beitrag hat eine eigene Aufgabe und muss entsprechend unterschiedlich gestaltet werden. 

In unserem Fall schreiben wir z.B. auch viel über Kaffeezubehör. Jemand, der also gerade eine Kaffeemaschine oder einen Milchaufschäumer sucht, der ein solches Gerät und nicht zwingend in dem Moment auch Kaffee.  

Deshalb haben wir solche Artikel jeweils so aufgebaut, dass sie die Produkte erklären und wir eine klare Kaufempfehlung abgeben. Im Beispiel Milchaufschäumer sieht das so aus:

milchaufschaeumer

Recht weit oben im Artikel empfehlen wir konkrete Produkte mit einem Kauflink und Preis zu Amazon. Der orangefarbene Button ist nicht zu übersehen. Auf diese Weise erzeugt ein Artikel wie dieser mit etwa 2000 Besuchern pro Monat einen Umsatz bei Amazon von etwa 2000€ bei Amazon, was etwa 120€ Affiliate Umsatz für uns bedeutet. 120€ pro Monat mit nur einem Artikel! Immerhin.

Da für Kaffeetrinker nicht nur Milchaufschäumer spannend sind, machen wir dieses Vorgehen z.B. auch mit Sieträgermaschinen, Kaffeedosen, Kaffeemühlen, Vollautomaten, French Press oder Aeropress Zubereitern, und vielen mehr. Mit mehr als 120.000 monatlichen Lesern in unserem Kaffeemagazin kommt allein dadurch mittlerweile ein solides Zusatzeinkommen zustande. Und sollten wir uns irgendwann entscheiden selbst Zubehör zu verkaufen, wissen wir bereits, welche konkreten Produkte unsere Leser gerne kaufen.

Wieviel so ein Affiliate Einkommen sein kann, kannst du auch in dieser Case Study nachlesen.

Natürlich nutzen wir auch andere Artikel wie diesen, um auch Kunden direkt zu unseren Produkten zu führen oder diese zumindest in unseren e-Mail Funnel zu holen. Wie gesagt, jeder Beitrag hat eine andere Aufgabe, die separat umgesetzt wird.

4. Geld verdienen mit der VG Wort

Wo wir schon beim Bloggen sind: Wer Traffic hat, kann damit nicht nur Affiliate Einkommen oder Kunden im eigenen Shop erzeugen, sondern auch mit der VG Wort. Die VG Wort ist ein staatlich regulierter Verein, der Einnahmen aus der Wahrnehmung von Urheberrechten verwaltet und an Autoren, Übersetzer und Verlage in Deutschland ausbezahlt.

Im Jahr 2019 gab es immerhin 29,40€ zzgl. 7% MwSt. pro Artikel, der mehr als 1800 Zeichen (ca. 300 Wörter) lang ist und im Jahr 2018 mehr als 1500 Mal im ganzen Jahr aufgerufen. Gemessen werden musste das mit dem Zählpixel von der VG Wort. Das Setup ist etwas nervig, aber es lohnt sich. Mit etwa 340 Artikeln, die diese Voraussetzungen pro Jahr erfüllen, lassen sich schon 10.000€ zusätzlich im Jahr verdienen. Nur für die 29,40€ einen Blogtext zu schreiben, wär vermutlich zu aufwändig, aber da wir als Content Marketer ja ohnehin den ganzen Tag nichts anderes machen, warum nicht?!

Wie das alles konkret mit der VG Wort funktioniert, habe ich hier aufgeschrieben.

5. Werbung

Ein weiteres Online Geschäftsmodell, was wir allerdings nicht so gerne umsetzen, ist Werbung. Auch hier gilt wieder: Wer Traffic hat, der kann die Reichweite auch verkaufen. Entweder sucht man sich direkt einen passenden Partner, der mitmachen möchte (in unserem Fall könnte das ein Zubehör-Hersteller sein), oder man nutzt Vermarkternetzwerke wie Google Adsense oder Direktvermarkter wie z.B. MairDumonat Netletix (habe hier bisher keine Erfahrungen). Mit Google Adsense lassen sich ganz grob mit etwa 100.000 Seitenaufrufen ca. 500€ im Monat verdienen. Mit Direktvermarktern sollte das deutlich mehr sein.

Ich selbst habe mich in unserem Fall allerdings vorerst dagegen entschieden, da es doch den Fokus von unserem eigentlichen Geschäftsmodell (Verkauf von Kaffee) zu sehr ablenkt.

6. Ein Café eröffnen

An Stelle 6 kommt endlich ein Geschäftsmodell, was nicht nur online funktioniert. Wer sich mit Kaffee selbstständig machen möchte, der könnte auch einfach ein Café eröffnen. Die Idee ist zwar häufig mit viel Vorarbeit und aufgrund der Miet- und Investitionskosten mit Aufwand und Risiko verbunden - wer aber gut plant und alle Risiken abgewägt hat, der sollte mit einem Café Fuss fassen können.

Achtung: Ein Gastronomiebetrieb ist etwas ganz anderes als ein Online Business. Es gibt einen Grund, warum nur wenige Unternehmen beides gut beherrschen. Gerade am Anfang sollte der Fokus daher klar sein.

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Das Father Carpenter in dem Bild ist nur eines von vielen erfolgreichen Cafés in Berlin. Foto by Melanie Böhme.

7. Barista werden

Keine Lust auf ein eigenes Café? Dann lass dich doch als Barista in einem Café anstellen und lerne das Handwerk von A bis Z. Wie man Barista wird, kannst du hier nachlesen.

Und in diesem Artikel packt ein Barista aus und verrät, wie es wirklich in dem Job ist. Wenn das abgeschreckt, dann könntest du auch...

8. Importeur oder Röster werden

Oder auch Kaffeebauer. Alles ist möglich. Ich fasse diese Punkte mal zusammen, denn die Idee ist ähnlich. Statt mit dem Produkt Kaffee an Endkunden (online oder offline) zu gehen, könntest du auch deutlich früher in der Wertschöpfungskette ansetzen. Das gilt nicht nur für Kaffee, sondern eigentlich für jedes Produkt.

Besonders bei Kaffee sind diese Schritte alle extrem wichtig und eine Wissenschaft für sich. Der Bauer oder die Kooperative kümmert sich um die Farm, beschäftigt Pflücker und verkauft den Kaffee. Dieser wird von einem Exporteur/Importeur in den Zielhafen verschifft und dort gelagert, bis er von den Röstereien abgerufen wird. Ein Röster besitzt eine Röst- und Abfüllmaschine, kauft Verpackungen, röstet den Kaffee und füllt diesen ab. Besonderes letzteres ist ein Handwerk für sich, weshalb wir bei Happy Coffee auch mit einem Experten zusammenarbeiten. 

Fazit: Alles geht, nichts muss

Diese 8 Bespiele sollen nur eine Inspiration dafür sein, was alles möglich ist, um mit einem einfachen Produkt wie Kaffee Geld zu verdienen. Es muss nicht immer der eine, offensichtliche Weg sein. Meist sind es Mischformen von Geschäftsmodellen, die sich gut miteinander verbinden lassen. 

Auch möchte ich nochmal darauf hinweisen, dass ich das Wort "Kaffee" in diesem Artikel mit fast jedem beliebigen anderen Produkt ersetzen könnte. Überlege dir, an welcher Stelle du in der Wertschöpfungskette einsteigen möchtest und baue dein Imperium dann von dort aus auf. Ich selbst habe mich für den Online Shop über den Blog-Weg entschieden. Das bedeutet nicht, dass wir nicht irgendwann auch ein Café oder eine Rösterei eröffnen können, sondern nur, dass unser Fokus derzeit auf dem Online Bereich liegt und wir dort alle Geschäftsmodelle sinnvoll nutzen.

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