Zwei Guerilla Marketing Aktionen zum Nachmachen für weniger als 250€

Zwei Guerilla Marketing Aktionen zum Nachmachen für weniger als 250€

Es ist zwar nicht mehr DAS Buzzword für Marketeers, aber dennoch immer wieder interessant: Guerilla Marketing. Vielleicht auch deshalb, weil diese Art von Marketing keinem festen Muster folgt, sondern immer wieder neu erfunden werden muss. Was es bereits gab, das kennt man. Was man schon kennt, dem schenkt man wesentlich weniger Beachtung – da das Überraschungsmoment fehlt.

Bereits an der Uni habe ich von Guerilla Marketing gehört. Google ich das Thema, dann finde ich Aktionen namhafter Hersteller, bei denen es i.d.R. viel um Offline Werbung geht. Mal eine Plakat-Aktion, mal ein in der Luft hängendes Auto.

Für mich als Gründer bedeutet Guerilla Marketing eine tolle Möglichkeit, sich vom Wettbewerb abzusetzen. Erst kürzlich habe ich selbst zwei Guerilla Marketing Aktionen durchgeführt und tolle Erfahrungen zu geringen Kosten gemacht. Um genau zu sein haben die Aktionen jeweils weniger als 250€ an Materialkosten gefordert. Ich hoffe, diese beiden Aktionen liefern Inspiration für eure nächsten Kampagnen.

1. Die Aktion mit Handschildern & Polaroidfotos auf einer Messe

Zusammen mit meinem Bruder Benjamin war ich am 16. und 17. Juni auf der tools Messe in Berlin, um unser Produkt FastBill Automatic vorzustellen. Auch in diesem Jahr fanden wir wieder ein typisches Messe-Bild vor: Menschen in schwarzen Anzügen an überwiegend leeren Ständen, die darauf warteten, dass jemand die Gummibärchen oder einen Kugelschreiber haben möchten. Im besten Fall sollten die Gummibärchen-Abnehmer im Gegenzug vielleicht sogar seine Visitenkarte hinterlassen, damit am Ende von einem „Lead“ gesprochen werden kann. Leider ganz häufig Realität. Das Geld wird so nicht selten auf Messen regelrecht verbrannt.

Die Rising Star Area auf der „tools Berlin 2015“ (Photo by tools Berlin)

Für uns waren das jedoch perfekte Voraussetzungen, um mit einer Guerilla Marketing Aktion aufzufallen.

Was genau haben wir bei der Aktion gemacht?

1. Wir haben uns (wie immer) gegen Anzug und Krawatte, sondern für T-Shirts als „verlängertes Plakat“ entschieden. Nicht sonderlich provokant oder herausragend, aber wirksam, weil wir unsere Botschaft auch abseits vom Stand streuen konnten. Außerdem fällt auf einer Messe wie dieser ein Aussteller im T-Shirt genau so auf wie ein Anzugträger am Strand.

2. Wir produzierten Handschilder mit lustigen Botschaften rund um unser Thema Abo-Commerce bzw. Abo-Abrechnung oder Abrechnung im Allgemeinen. Eigentlich ein unsexy Thema, aber mit Sprüchen wie „Abo Babo“ oder „Billing Talent“ oder „I like big bills and I cannot lie“ haben wir den richtigen Vibe erzeugt.

3. Wir haben uns einen Fujifilm Instax-Polaroid Drucker für 139€ gekauft (zzgl. Bilder-Kartuschen), um Fotos von unseren Standbesuchern und Kunden mit dem Smartphone vor Ort zu machen. So konnten wir unserem Kunden neben der Produktvorstellung etwas mitgeben, was ihn an diese lustige Aktion erinnert und davon abhält, das Bild sofort in die nächste Tonne zu werfen.

4. Diese Fotos haben wir auf A5-große Zertifikate geklebt, auf denen sowohl der „Expertenstatus“ nach erfolgter Präsentation bestätigt, als auch ein kleiner Gutschein überreicht wurde, mit dem wir eine gewissen Dringlichkeit erzeugen wollten.

Viele lustige Bilder sind auf der tools entstanden, die auf Polaroid ausgedruckt wurden.
Viele lustige Bilder sind auf der tools entstanden, die auf Polaroid ausgedruckt wurden.

Eine tolle Aktion, die nicht nur uns, sondern auch unseren Kunden und Besuchern merklich Spass gemacht hat und teilweise sogar bei Twitter und Facebook gestreut wurde.

Ganz in diesem Stil habe ich während der Messe auch an einem Pitch-Contest teilgenommen und den ersten Platz erkämpft. Insgesamt haben wir dadurch Preise im Wert von 5000€ gewonnnen, darunter 2500€ Mediabudget für Gründerszene.de, einen kostenlosen Auftritt bei der tools 2016, sowie ein Windows Tablet. Nicht schlecht, das hat sich gelohnt! Gerade bei einem Pitch wird die Wichtigkeit des „Andersseins“ noch mal deutlich. Obwohl meine Gegner beim Pitch allesamt tolle Produkte vorgestellt haben, so war der Auftritt doch relativ homogen. Ein paar Schilder, und lustiger Witz zwischendurch, oder ein T-Shirt mit einem Spruch können da schon deutlich Unterschied machen, vor allem wenn – wie in diesem Fall – das Publikum entscheidet.

Was kostet solch eine Guerilla Marketing Aktion?

Die Kosten waren überschaubar. Die Schilder haben wir im Team selbst gebaut. Materialkosten: 38€. Der Instax-Drucker von Fuji kostet 139€, jeweils 20 Fotos kosten ca. 20€. Ein paar A5-Flyer lassen sich schon ab 20€ z.B. bei Fyleralarm drucken. Design und die Messe selbst lasse ich jetzt mal aus dieser Betrachtung raus, da weder die Ausarbeitung, noch der Einsatzort hier relevant sind.

Kosten ingesamt: ca. 220€ (mit 60 Bildern)

Obwohl wir die Schilder extra für die Messe angefertigt haben, können wir diese und auch den Polaroid-Drucker immer wieder verwenden, ob bei Büro-Events oder Veranstaltungen in der Startup-Community. Ähnlich wie T-Shirts müssen diese Werbematerialien nach der initialen Aktion nicht weggeworfen werden. Die Fotos werden übrigens mit der kostenlosen Fuji App per Smartphone gemacht und sind damit auch für andere Zwecke nutzbar, zum Beispiel in einem Beitrag wie dem hier.

2. Die Aktion „Wir bedrucken T-Shirts an einem öffentlichen Ort“

Ich bin ein großer Fan von T-Shirts, denn keine Werbefläche ist aus meiner Sicht günstiger und einfacher zu gestalten. Wer nur ein Shirt oder zwei braucht, der kann auch einfach mal schnell bei Spreadshirt.de bestellen. Wer ein paar mehr Klamotten will, der sucht sich einen Dienstleister wie Cuvio und spart pro Shirt. Warum aber nicht einfach selbst die Shirts bedrucken und ein Druck-Sieb bestellen?

Genau das haben wir bei Recommend.to gemacht!

Recommend.to ist ein Startup an dem ich arbeite, bei dem wir ein einfaches Empfehlungswidget für jedermann bauen, der online Produkte verkauft (z.B. eBooks, Tutorials, Software / SaaS) und seinen Lesern bzw. Kunden etwas zurückgeben möchte, falls diese Neukunden durch Empfehlungen mitbringen. Ein klassisches Refer-a-Friend Programm also, was moderne Big Data Technologie verwendet, damit es erstens super simpel in der Handhabung ist, und zweitens besser funktioniert als bisherige Programme. 

Für die Aktion haben wir ein Facebook Event erstellt und dazu aufgerufen T-Shirts gemeinsam an einem öffentlichen Ort zu bedrucken. Dazu haben eine Siebdruck-Vorlage anfertigen lassen und eine Vorrichtung gebaut, mit der die Shirts selbst bedruckt werden können. Die Siebe kann man eigentlich in jeder Siebdruck-Druckerei erstellen. In unserem Fall haben diese ca. 80€ gekostet. Was wir sonst noch brauchen sind natürlich leere T-Shirts, eine Druckvorrichtung bestehend aus einem Holzbrett und einem Gummi-Wischer zum Auftragen, einen Eimer voller Farbe und etwas Reinigungsmaterial. Darüber hinaus haben wir noch einen Kasten Bier gekauft, um neugierige Passanten zu versorgen. Zusatzkosten: ca. 120€ (bei ca. 20 Shirts).

Gesamtkosten dieser Guerilla Marketing T-Shirt Aktion: ca. 200€

Recommend.to CEO Jonathan Mall mit den frisch erstellten Sieben
Recommend.to CEO Jonathan Mall mit den frisch erstellten Sieben

Guerilla Markting und öffentliche Plätze gehören zusammen

Obwohl Recommend.to ein reines Online Business ist und es um Web-Software geht, haben wir mit der T-Shirt-Aktion vollständig offline gearbeitet, und zwar an einem öffentlichen Platz am Hamburger Hafen. Wir hatten diesen weder reserviert noch haben wir Leute vor Ort gebeten, das Feld für unsere Aktion zu räumen. Im Gegenteil, wir haben Passanten durch unsere Aktion angezogen und dazu bewogen, zuzuschauen und sich mit uns und unserer Marke auseinanderzusetzen.

Der Slogan von Recommend.to – „I´m a Lover, not a Liker“ – provoziert, macht neugierig und führte in einigen Gesprächen dazu, dass wir erklären konnten, was wir machen. Damit die Passanten auch etwas zum Mitnehmen haben, produzierten wir noch günstige Aufkleber (ca. 30€).

Mit der Aktion selbst war es nicht getan. Auch hier nutzten wir die Gelegenheit, um das Maximum an Sichtbarkeit heraus zu holen. Beispielsweise haben wir Passanten angeboten, ihre eigenen Shirts vor Ort bedrucken zu lassen, was sogar angenommen wurde! Zudem haben wir ein Video mit unserem CEO Jonathan gedreht, was wir für die weitere Online Vermarktung von Recommend.to nutzen können – und zwar auf Facebook, Youtube und anderen Kanälen.

Das „Ausschlachten“ gehört dazu. Auch dieser Artikel ist – wie oben bereits erwähnt – Teil dieser Strategie. Wer keinen eigenen Blog hat kann dieses Material übrigens auch prima an andere Blogger verteilen (z.B. an mich). So gibt es neben dem direkten Impact auch nachhaltige Online Marketing Effekte. Eine Guerilla Marketing Aktion darf sich gerne eine Weile ausbreiten; im besten Fall geschieht dies online und die Aktion wird viral.

Ein paar Eindrücke von der Aktion am Hamburger Hafen in St. Pauli:

Ich mit frisch gedrucktem Shirt. Im Hintergrund ein Passant mit dem Druck auf dem eigenen Hoodie
Ich mit frisch gedrucktem Shirt. Im Hintergrund ein Passant mit dem Druck auf dem eigenen Hoodie
J-Interview-Recommend
Jonathan gibt ein Interview in traumhafter St.Pauli Kulisse

Shirts1
Lover´s everywhere! Die bunten Shirts fallen sofort auf.

Wer übrigens ein Shirt kaufen will,

hier entlang

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Effekte, die beim Guerilla Marketing nicht vorhersehbar sind

Wenn Online Software bei Tinder landet... Guerilla Marketing at it´s best!Die Aktion als solche war schon toll, aber dass auf einmal Menschen für die Shirts Geld bezahlen (mehrere haben es bereits für 19€ pro Stück gekauft) und Fotos von TrägerInnen sogar bei Tinder zu finden sind, hätten wir nicht gedacht. Umso besser, die Botschaft kommt an!

Ähnlich wie auch bei der tools Messe die Bilder mit unseren Handschildern völlig selbständig bei Twitter und Facebook gelandet sind, so haben auch die Shirts von Recommend.to ihre Wirkung nicht verfehlt.

Für mich zeigen solchen Aktionen immer wieder, wie „einfach“ Marketing sein kann, wenn man sich darauf konzentriert Dinge anders zu machen. Es sind weder große teure Kampagnen zwingend, noch sind wochenlange Vorbereitungen nötig. Das wichtigste ist wohl die Kreativität (bei der ich mir auch regelmäßig Unterstützung von extern hole), und die Umsetzung mit Herz – ohne die würde der Effekt vielleicht verpuffen. Schade drum.

Denn eigentlich ist es ganz einfach.

An der Stelle möchte ich euch nochmal dazu auffordern, eure Aktionen und Ideen aus Praxis selbst hier vorzustellen. Von solchen Gastbeiträgen können wir Unternehmer hier im Blog und in der Community lernen. Ich bin gespannt auf weitere Ideen. Hier gibt´s mehr Infos zu Gastbeiträgen.

Titelbild by Timm Schoof (CC BY-SA 2.0)

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