Warum sich eine Geschäftsreise nach Berlin mehr lohnen kann, als dort zu wohnen

Warum sich eine Geschäftsreise nach Berlin mehr lohnen kann, als dort zu wohnen

Ich lebe seit nunmehr 6 Jahren in Hamburg, mein Co-Founder lebt bei Frankfurt. Pro Monat bin ich im Schnitt etwa 3 Wochen in Hamburg, die restliche Zeit bin ich unterwegs – im Frankfurter Office, in Berlin oder sonstwo auf Konferenzen oder Startup-Veranstaltungen. Direkt nach der Gründung waren es im ersten Jahr monatlich sogar 2 Wochen, in denen ich auf mein Hamburger Zuhause, meine Freundin und mein eigenes Bett verzichtet habe, um als Gründer durch die Welt zu reisen.

Auch wenn Reisen schön ist, so es ist ein Kompromiss. Dennoch sind Reisen wichtig und gehören für mich zum Job dazu – das Gründerdasein erfordert Commitment und die Bereitschaft, unterwegs zu sein. Und ich denke es wäre falsch, komplett darauf zu verzichten. Ganz im Gegenteil – es kann sogar Vorteile bringen, wenn man es richtig nutzt: Wer z.B. nicht in Berlin lebt, sondern hin und wieder im Rahmen einer Geschäftsreise dort ist, kann in kürzerer Zeit mehr erreichen. Das Prinzip lässt sich auch auf jeden anderen Ort übertragen. Da ich hin und wieder selbst in Berlin bin, halte ich im Folgenden aber an diesem Städtebeispiel fest.

In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen, wie ich meine Trips nach Berlin organisiere und warum ich meiner Meinung nach als Business Traveller größeren Mehrwert erziele, als wenn ich dort leben würde. Der Vergleich „wohnen“ versus „besuchen“ ist eigentlich unfair, aber vielleicht wird es am konkreten Beispiel nachvollziehbar. Denn ich gestalte meine Trips immer wieder nach demselben Muster und versuche, so das Maximum herauszuholen.

Was ich von einer Geschäftsreise nach Berlin erwarte

Ganz wichtig: Ergebnisse. Nicht falsch verstehen. Es geht nicht unbedingt darum, einen neuen Kunden gewinnen zu müssen und den nächsten großen Deal mit nach Hause zu bringen. Ich meine damit vielmehr, sich gut vorzubereiten und zumindest mit einem Zwischenergebnis wieder zu kommen. Ein Ergebnis kann auch sein, dass es keine weitere Zusammenkunft gibt. Völlig ok, denn dann ist der Kopf frei für andere Themen und neue potenzielle Kunden oder Partner.

Den Vorteil des Reisenden bewusst nutzen

Reist man für geschäftliche Treffen in eine Stadt, so hat man einen entscheidenden Vorteil: Fokus durch Knappheit.

Um diesen zu verdeutlichen, betrachte ich zunächst die Perspektive des Besuchten. Ich wohne und arbeite in Hamburg. Business-Mittagessen finden zwar häufiger statt, sind aber eher unspezifisch und unregelmäßig angelegt. Wenn es mal nicht klappt, dann wird das Treffen eben auf das „nächste Mal“ verschoben. Kein Problem, denn man ist ja ohnehin in derselben Stadt. Reise ich wiederum z.B. nach Berlin, ist die Situation eine andere. Statt eines lockeren „Lass uns mal einen Kaffee trinken“ lautet meine Anfrage dann eher „Ich bin am xx.yy.zz in Berlin, hast du um 14 Uhr für eine Stunde Zeit?“

Die Verbindlichkeit erhöht sich sofort. Der logistische Aufwand wirkt enorm im Verhältnis zu der Stunde, die man sich austauschen möchte. Damit steigt die Wichtigkeit gefühlt für beiden Seiten. Vor allem der Besuchte fühlt sich wertgeschätzt und würde sich schwerer tun, den Termin wieder abzusagen. Ich denke sogar, dass der, der den größeren (Reise-)Aufwand auf sich nimmt, in einer besseren Verhandlungsposition ist. Auch wenn es nichts zu verhandeln gibt, kann dieser Effekt positiv genutzt werden. Das Gespräch bekommt mehr Fokus und gefühlt mehr Relevanz. Ein Phänomen bzw. ein Vorteil, den ich als Reisender gezielt einsetzen kann.

Für einen einzigen Termin wäre der Aufwand aber möglicherweise tatsächlich zu hoch. Deshalb plane ich den Tag jedes Mal voll. Wer weiter entfernte Strecken vor sich hat als den Weg von Hamburg nach Berlin, für den lohnt sich vielleicht auch eine Übernachtung. Damit mein Planungsverständnis deutlicher wird, zeige ich mal den Ablauf eines für mich typischen Berlin-Tages auf.

So plane ich eine Geschäftsreise nach Berlin

Berlin ist für uns vor allem aus Sicht von FastBill Automatic eine gute Stadt. Eine Menge potentieller Kunden und Partner sitzen dort. Aufgrund der nahen Distanz fahre ich meist morgens um 7 oder 8 Uhr in Hamburg los und bin dann knapp 2 Stunden später am Berliner Hauptbahnhof. Von dort aus greife ich mir eines der vielen Carsharing-Autos und fahre zum ersten Termin, idealerweise in der Nähe. Damit alles reibungslos abläuft, achte ich bei der Planung auf folgende Dinge:

  • Feste Termine vereinbaren und diese 2 Tage vor dem Treffen noch mal bestätigen lassen, wenn seit der Terminabstimmung bereits einige Zeit vergangen ist.
  • Ich plane mindestens 30 Minuten Puffer zwischen den Terminen ein. Damit vermeide ich Hektik.
  • Ich plane 30 Minuten Transferzeit ein, um zum nächsten Termin zu kommen. Auch hier greife ich wieder auf Carsharing zurück. Der Notfallplan ist immer ein Taxi.
  • Ich versuche meine Termine zeitlich so zu legen, dass ich die Wege minimiere (klappt nicht immer).

Für die Gespräche selbst:

  • Ich setze mir ein Ziel, welches ich in dem Termin erreichen möchte. Das kann z.B. darin bestehen zu erfahren, wie sich das besuchte Unternehmen entwickelt hat. Daraus könnte ich ggf. Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit ableiten.
  • Ein Ergebnis kann auch „nur“ sein, dass es keine Anknüpfungspunkte gibt. Passiert aber eher selten.
  • Das Ergebnis halte ich in Form von Notizen fest. Wenn ich unter Zeitdruck stehe, geht das auch noch im Auto, ggf. per Sprachsteuerung meine Smartphones.
  • Dauert die Fahrt zum Anschlusstermin länger, dann nutze ich die Zeit für ein Telefonat mit meinem Team.
  • Stehe ich im Stau und verspäte mich, rufe ich sofort beim Besuchten durch und kündige die Verspätung an. Beträgt die Verspätung mehr als 30 Minuten, dann sage ich den Termin ab, um nicht auch alle folgenden Termine absagen zu müssen.

Auf diese Art und Weise schaffe ich 4 bis 5 Termine an einem typischen Berlin-Tag, bevor ich gegen 18 Uhr wieder den Zug zurück nach Hamburg nehme.
Zugegeben, es ist ein stressiger Tag. Aber diese Intensität an Ergebnissen gibt es an „nomalen“ Tagen meistens nicht – was den Organisations- und Reiseaufwand wieder rechtfertigt.

Lohnt sich das bei den Kosten?

Die Kosten sind gar nicht so hoch, wie man vielleicht denkt. Allerdings muss sich am Ende jeder diese Frage selbst beantworten. In meinem Fall lohnt es sich. Die Kosten belaufen sich auf 2 x 39€ für die Zugfahrt (Preis für Inhaber der BahnCard 50, deren Kosten ich hier aufgrund der vielen Fahrt nicht berücksichtige) zzgl. ca. 20€ bis 30€ für Carsharing oder Taxi. Mein Mittagessen hätte ich auch in Hamburg bezahlt und eine Übernachtung ist nicht nötig.

Pro Reisetag fallen also ungefähr 100€ bis 110€ an Sonderausgaben an, die ich den 4 bis 5 Treffen gegenüberstellen und rechtfertigen muss. Damit ich das kann, versuche ich die Termine vorher zu qualifizieren. Niemals (oder selten) treffe ich mich an einem solchen Tag zu einem Erstgespräch. Es ist eher anders herum. Meist habe ich mit den Besuchten bereits im Vorfeld mindestens einmal telefoniert und die grundsätzlichen Optionen des persönlich zu besprechenden Themas beleuchtet. Schliesslich will auch der Besuchte seine Zeit nicht verschwenden. Noch besser ist es, wenn eine Geschäftsverhandlung schon fortgeschritten ist und das persönliche Treffen den „Deal“ besiegelt. In der Realität ist es immer eine Mischung, aber 1 bis 2 „Handschläge“ sind eigentlich immer dabei.

Rechne ich den Invest von 110€ dagegen, lässt sich der Trip also einfach rechtfertigen (wie gesagt, in unserem Fall).

Mein Fazit
Ich denke, reisen ist als Gründer gut und wichtig. Eine Stadt geschäftlich zu besuchen kann gegenüber der permanenten Anwesenheit vor Ort sogar Vorteile haben. Die Kosten sollten sich aber auf jeden Fall rechtfertigen lassen – deshalb bleibt eine gute Vorbereitung das A und O.

Übrigens kann ein absolviertes Kulturprogramm ebenso ein Ergebnis sein. Auch die Fokuszeit im Zug betrachte ich positiv. Gerade, wenn das Internet mal nicht funktioniert, schreibe ich gerne Texte und schaue mir komplexere Themen an, für die ich im regulären Alltag häufig zu sehr abgelenkt werde.

Wie sieht´s bei dir aus? Reist du oft als Gründer? Wie planst du deine Reisen?

Artikelbild: Wolfgang Staudt (Lizenz: CC BY 2.0)

3 Kommentare

Was denkst du?

Lerne aus der Praxis

Hier bekommst du kostenlose Erfahrungen von Gründern für Gründer. Lerne, wie du dein Business zum Erfolg bringst.

Sponsoren

Finanzmanagement für kleine Unternehmen

Immer frischer Kaffee für´s Büro

© 2017 by Framework. Powered by Chimpify.