5 Dinge, die Entrepreneurship und Surfen gemeinsam haben

5 Dinge, die Entrepreneurship und Surfen gemeinsam haben

Seit ich 18 bin, bin ich begeisterter Gründer. Und seit einigen Jahren versuche ich zudem, in meiner zweiten Passion, dem Wellenreiten, immer besser zu werden. Diesen Artikel schreibe ich gerade auf Bali, während ich auf die nächste Surfsession warte. Ein guter Anlass, um Parallelen zu ziehen zwischen meinen beiden Leidenschaften: Entrepreneurship und Surfen. Denn ich glaube, dass Surfer die Voraussetzungen mitbringen, um auch gute und nachhaltig erfolgreiche Unternehmer zu sein.

Fakt ist, dass weder beim Surfen, noch im Unternehmertum alles auf Anhieb funktioniert. Schaut man genauer hin, dann tauchen sogar recht viele Parallelen zwischen Surfern und Gründern auf. Kein Wunder, dass sich ein Trend abzeichnet und exotische Surf-Destinationen mit guter Work-Infrastruktur wie Bali oder Sri Lanka immer beliebter werden, und Digitale Surfnomaden dort mittlerweile an jeder Ecke zu finden sind. Entrepreneurship bedeutet längst nicht mehr die Gründung aus der Garage heraus oder dem Berliner Hinterhof.

Bei meinem Startup FastBill wissen wir um die große Schnittmenge zwischen Surfen und Entrepreneurship – und da mein Co-Founder René glücklicherweise auch dem Wellenreiten fröhnt, steht bei gemeinsamen Strategieworkshops auch die Zeit im Wasser auf unserem Plan. Letztes Jahr waren wir z.B. in Galizien gemeinsam surfen. Der folgende Vergleich zwischen Surfing und Entrepreneurship soll nicht nur Parallelen aufzeigen, sondern kann auch eine Hilfestellung für all diejenigen sein, die überlegen zu gründen, oder bereits über die ersten Hürden gestolpert sind.

1. Entrepreneurship und Surfen lernt man nicht AUs Büchern

Weder Surfen, noch Gründen lernt man ausschließlich aus Büchern. Beides lässt sich studieren, die Grundlagen und Regeln kann man sich auch aus Fachpublikationen oder Filmen theoretisch aneignen. Die wirkliche Expertise kommt allerdings erst in der Praxis. Kein Wunder, dass Venture Capital-Geber vor allem nach erfahrenen Gründerteams suchen, nicht nur nach „guten“ Ideen.

In Büchern steht, wie Unternehmen funktionieren. In der Praxis lernst du, wie es ist, wenn auf einmal das Geld knapp wird und du mit Partnern, Kunden oder dem Team schnell einen Notfallplan entwickeln musst. In Surf-Büchern (hier eine kleine Auswahl) lernst du, wie Vorfahrtsregeln auf der Welle funktionieren und wo die beste Position im Line Up sein soll. Den notwendigen Blick dafür entwickelst du aber erst durch reine Routine im Meer, zum Beispiel wenn sich eine 2-Meter-Wasserwand hinter dir aufbaut und droht dir auf den Kopf zu hauen.

Die wichtigste Regel ist: Bücher geben die Basis, die Praxis macht dich erfolgreich!

2. Entrepreneurship und Surfen Lernen Brauchen Zeit

Mit 18 habe ich mein erstes Business gegründet. Ich hatte damals Handys umgebaut und Fahrwerke für Autos bei eBay verkauft. Dabei hatte ich weder so richtig Ahnung von Telefonen, noch von Autos. Am Ende hat natürlich nichts funktioniert. Erst als ich 2011 mit René FastBill gegründet und 5 Jahre aufgebaut habe, hat Entrepreneurship mir zum ersten Mal nicht nur Spaß gemacht, sondern auch Früchte getragen. Heute ist FastBill ein gestandenes Tech-Unternehmem. Bis wir „über den Berg“ waren, sind viele Jahre vergangen, in denen wir Risiken eingegangen sind und gelernt haben.

Ähnlich ist es beim Surfen. Vor 5 Jahren stand ich zum ersten Mal auf einem Surfbrett, in Portugal, und ich kam mit Schrammen vom Riff und Seeigeln im Fuss wieder aus dem Wasser. Ein schreckliches erstes Surferlebnis, aber ich bin dran geblieben. Heute, 5 Jahre später, habe ich ein eigenes Surfbrett und komme mehr oder weniger sicher die Welle runter und wieder hoch. Ich bin skill-technisch immer noch weit von Profi-Surfern entfernt, aber ich habe „Blut geleckt“ und sehe Fortschritte.

Entrepreneurship und Surfing zu meistern braucht Zeit, die man sich nehmen muss. Würde ich 3 oder 6 Monate am Stück jeden Tag surfen gehen, wäre ich vielleicht wie einer Locals auf der Welle: explosiv und sicher. Aber diese 3 bis 6 Monate hatte ich bisher nicht.

In den Anfängen von FastBill war das anders. Obwohl wir als Gründerteam 500km voneinander entfernt gewohnt haben, mieteten wir uns jede zweite Woche gemeinsam in einer Wohnung in Frankfurt ein, in der nichts anderes als eine Couch, ein Bett und ein Fernseher standen. In jeder dieser Wochen haben wir uns 24/7 um FastBill gekümmert, so sehr, dass unsere Wohnung auch innerhalb eines Jahres nicht schöner wurde. In den anderen Wochen dazwischen sind wir zu unseren Freundinnen nach Hamburg und Saarbrücken gefahren, um eine reduzierte 80 Stunden-Woche zu arbeiten 😉 Es war eine intensive Zeit, aber auch eine lehrreiche. Diese Zeit hat uns als Team, aber auch als Entrepreneure nach vorne gebracht. Eine Zeit, die nötig war, wie ich finde.

3. Entrepreneurship und Surfen erfordern Fokus

Bevor ich FastBill in Vollzeit gestartet habe, war ich bei Otto in Hamburg als IT-Projektmanager angestellt. Noch während meiner Otto-Zeit habe ich Happy Coffee gegründet und 2009 zum ersten Mal Kaffee verkauft. Nebenbei hatte ich noch weitere Blog-Projekte am laufen, von denen ich bis heute aber keines mehr verfolge.

Denn Anfang 2011 stand FastBill auf der Vollzeit-Agenda. Innerhalb weniger Wochen hatte ich mich dazu entschieden, alle Projekte wieder einzustellen, inklusive Happy Coffee. Zu dem Zeitpunkt machte ich bereits etwa 1500€ Monatsumsatz mit Kaffee, stoppte aber dennoch das komplette Vorhaben. Ich hatte einfach keine Zeit und musste mich fokussieren. Ich kümmerte mich Tag und Nacht um unser Marketing bei FastBill, darum eine Marke aufzubauen, Kooperationen zu schliessen, und Content zu produzieren.

Der 100%ige Fokus auf FastBill war gesund extrem wichtig, und für 3 Jahre oder mehr das einzige, was ich jeden Tag gemacht habe. Erst, als es bei FastBill 15 Mitarbeiter und ein laufendes Business gab, hatte ich wieder die Zeit und den Kopf, um auch andere Ideen nach vorne zu treiben. Auch Happy Coffee existiert mittlerweile wieder, als auch dieser Blog hier.

Was hat das mit Surfen zu tun? Beim erfolgreichen Gründen und Wellenreiten geht es um Fokus!

Wer surfen lernen will, muss eine Sache richtig machen und dran bleiben. Such dir ein für dich geeignetes Brett, eine laufende Welle und fang an zu paddeln. Lass dich von Stürzen bzw. Waschgängen nicht vom Surfen abbringen. Nach ein paar Tagen im Wasser kommt die Kraft. Mit der Kraft kommt die Fähigkeit, Wellen gezielt zu reiten. Und damit kommen Erfolgserlebnisse im Line-Up.

Entrepreneurship und Surfen erfordern den „Tunnelblick“ – Fokus auf ein wesentliches Ziel!

4. Entrepreneurship und Surfen erfordern, sich der Umgebung anzupassen

Als Gründer oder Surfer ist man immer Teil eines Ökosystems. Die Wellen kommen, wie sie kommen. Selbst, wenn man sich über Tage und Monate körperlich und geistig auf die Welle seines Lebens vorbereitet, kann es sein, dass das Wasser am Ende flach bleibt.

Wird man dann letztlich doch von einer Welle gepackt, dann ist man so lange gefangen, bis die Welle dich wieder her gibt. Egal, ob du längst vom Brett gefallen bist oder dein Brett zwischenzeitlich an den Kopf bekommen hast. Du musst mit dem Flow der Natur gehen. Manchmal bedeutet das Warten, manchmal bedeutet das einen Höllenritt (auch im positiven Sinne).

Entrepreneurship ist ähnlich. Es gibt z.B. „den Markt“ als externen, nicht beeinflussbaren Faktor, in dem du deine Position finden musst. Markt und Nutzerverhalten ändern sich mit der Zeit, sodass du deine Position immer wieder korrigieren musst. Ein ganz natürlicher Prozess, der für kleine und große Unternehmen gleichermaßen gilt. Auf der einen Seite bedeutet das ein permanentes Risiko – selbst große Firmen gehen nach Jahrzehnten insolvent, weil sie Trends verschlafen haben. Auf der andere Seite geht damit auch eine permanente Chance für junge Unternehmen einher, sich in bewegenden Märkten zu etablieren.

5. Entrepreneurship und Surfen sind nur zu 2% das, was Aussenstehende sehen

Beim Surfen in Costa Rica
Beim Surfen in Costa Rica

Wer schon mal auf typischen Startup Events zum Netzwerken war, der lernt eine ganze Menge tolle Typen kennen, die von Erfolgen ihrer Startups sprechen. Das ist zwar interessant und bemerkenswert, aber in der Regel das Ergebnis jahrelanger Arbeit und vieler Rückschläge. Die wenigsten berichten über Rückschläge oder gescheiterte Pläne. Ich selbst versuche da mit gutem Beispiel voran zu gehen, schreibe auch mal über das, was nicht funktioniert. Der Weg, den ein Unternehmer geht, ist lang. In Rauch aufgelöste Ideen, juristische Auseinandersetzungen, Zoff im Team, verärgerte Kunden oder Investoren … Es gibt so viele Dinge, die bestimmt früher oder später in jedem Startup schief gehen. Entrepreneurship bedeutet auch, genau diese Herausforderungen jeden Tag zu meistern.

Das Ergebnis, was alle sehen, sind dann diese 30 Minuten auf einer Bühne oder die Erfolgsmomente bei Facebook, in denen man sich in Szene setzt. Keine Frage, das gehört mit dazu und das mache ich auch gerne, aber es ist eben nur die Spitze des Eisbergs.

Ähnlich ist es beim Surfen. Bis man einer von den Typen ist, die jede Welle mit nur zwei Paddelschlägen bekommen und dann explosiv und gekonnt reiten, vergehen Jahre. Neben der Paddelkraft ist vor allem das Auge für die Welle und die richtige Positionierung der Teil, der mit der Erfahrung kommt. Zuerst lernt man auf dem Brett zu stehen, dann die Wellen zu bekommen, und diese zum Schluss zu fahren. Dazwischen liegen Nahtoderfahrungen unter Wasser, Wunden vom Riff und andere Unbequemlichkeiten.

Fazit

Der Vergleich verdeutlicht, dass man weder zum erfolgreichen Surfer, noch zum Gründer geboren wird. Es ist harte Arbeit, Erfahrung und ein steiniger Weg, der uns bevorsteht. Wer den Weg gehen möchte und die Zähne mit Blick auf seine Ziele zusammenbeißen kann, der wird allerdings mit berauschenden Gefühlen und Anerkennung belohnt.

Entrepreneurship ist natürlich nicht nur mit Surfen vergleichbar, sondern mit vielen anderen Sportarten, die man nicht von heute auf morgen lernt. Bist du auch Entrepreneur? Welche Sportart ist deine?

9 Kommentare

  • Hallo Christian, toll geschrieben - du bringst die Schwierigkeiten und Herausforderungen genau auf den Punkt. Ich selbst habe über 10 Jahre in einer gut etablierten Werbeagentur gearbeitet und nun seit knapp 3 Jahren - gründe und betreue ich Startups. Dazu fällt mir folgender Spruch ein: es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Egal ob MMA, Kickboxen, WT, Kraftsport, Tennis oder auch Hundesport - bei jedem meiner Hobbys ist und war es ähnlich - harte Arbeit und durchhalten. Das enzige, permanente Problem bei mir ist die Zeit für meine Hobbys.
  • […] Standbein, ein Stück aus den bestehenden Standbeinen zurückziehen. Oder du definierst ein Unternehmen als Hauptprojekt und alles andere sind Nebenprojekte. Es geht also um deinen Fokus und die gezielte […]
  • Hey Christian,

    cooler Post!

    Ich habe neulich auch mal einen netten Vergleich gelesen, der super passt: Ein Unternehmer sitzt auch immer im Wasser und schaut auf die nächste Welle, den nächsten Trend. Und wenn er etwas sieht, dann geht er drauf los und reitet die Welle.

    Sollte auch endlich mal mit dem Surfen anfangen! :)

    Cheers
    Vladi
  • Hallo Christian ... ein toller Vergleich ... ich glaube, dass nicht nur diese beiden Tätigkeiten etwas miteinander zu tun haben, sondern alle Tätigkeiten mehr oder weniger den selben Gesetzen folgen ... wenn ich mein Ziel erreichen möchte (Erfolg = Zielerreichung), muss ich dafür etwas tun ... sei es Wellenreiten, eine besonders schwere Route klettern, einen Marathon rennen, ein Buch schreiben, endlich meine Ernährung umstellen oder ein eigenes Business aufziehen ... Die Regeln des Erfolgs sind immer die gleichen ... Fokus, Durchhalten, Plan machen, Prios setzen, Scheitern und Lernen, nicht von anderen abbringen lassen, etc. ... schön, dass Du den Vergleich noch mal hergestellt hast ... mir ist aufgefallen, dass viele Menschen Erfolg negativ assoziieren und sofort ans Geld denken ... doch das jeder, der erfolgreich ist, dafür einen langen und wahrscheinlich harten Weg gegangen ist, sehen die wenigsten ... Ich freu mich für Dich, dass Dein Business so gut läuft, dass Du am anderen Ende der Welt Sport treiben kannst ... Läuft :)
  • Braucht man in Asien ein VPN nach Europa um sinnvoll arbeiten zu können? Sind bestimmte Dienste gesperrt o.ä.?
  • ne, bisher keine Einschränkungen erlebt, zumindest auf Bali nicht. Falls du doch mal nen VPN brauchst, kann ich Tunnelbear (für mobile) und Zenmate (für Desktop) empfehlen.

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