Ein Jahr frei leben und arbeiten – vom Bierdeckel-Businessplan zum Blog-Autor zum Vorstand

Ein Jahr frei leben und arbeiten – vom Bierdeckel-Businessplan zum Blog-Autor zum Vorstand

Ich habe einmal gelesen, dass es die meisten Blogs nicht über 50 Beiträge schaffen. Die Blogs, die diese Hürde schaffen, bleiben dann lange erhalten. Mein Blog Startworks ist nun genau ein Jahr alt – und diese Woche ist Beitrag Nummer 51 online gegangen. Yippie Yah Yei Schweinebacke!

Ich arbeite jetzt schon seit einem Jahr freiberuflich? Das ging schnell! Und es ist unglaublich viel passiert. Heute möchte ich dir einen Einblick in meine Geschichte geben. Damit du mich ein bisschen besser kennenlernst – und ich dir zeigen kann, was funktioniert hat und was ganz anders kam als geplant. Vielleicht willst du ja einen ähnlichen Weg gehen?

Wie hat alles begonnen?

Mit einem Streit vor zwei Jahren. Ich bin schon lange mit der Idee schwanger gegangen, eines Tages mein eigenes Ding zu machen. Aber bis zu diesem wirklich heftigen Streit mit meiner Chefin war der sichere Agentursessel damals einfach zu bequem. Ich war danach im wahrsten Sinne des Wortes fertig. Wir vertragen uns heute wieder und es ist alles gut – aber das war damals der Anstoß, den ich gebraucht habe. Denn danach war klar, dass ich etwas ändern musste. Und zwar bald.

Negatives ist der Anstoß für Entwicklung
Michael Schwienbacher

So ein Tritt in den Hintern treibt einen zwar an, bringt einen aber noch lange nicht ans Ziel. Geholfen hat mir dabei ein langer Urlaub, der zum Glück eh schon geplant war. Und ein Buch, auf das ich zufällig gestoßen bin: The 100$ Startup von Chris Guillebeau. Wenn du noch von der Selbstständigkeit träumst und nicht weißt, wo du anfangen sollst, lies dieses Buch. Es ist das inspirierendste und motivierendste Business-Buch, das ich kenne.

Davor dachte ich, die meisten Freiberufler haben es schwer, über die Runden zu kommen und tragen ein ziemlich hohes Risiko. Die Geschichten in seinem Buch haben mich eines Besseren belehrt: Du kannst auch als Solopreneur die Welt verändern. Und Chris zeigt mit viel Leichtigkeit und Humor, wie es geht.

Wie ich es geschafft habe

Ich habe mich auf meine Stärken konzentriert: Corporate Design war seit jeher eine meiner Lieblings-Disziplinen bei der Gestaltung. Ich wusste, wie man eine Idee als Marke greifbar und erlebbar macht. Und ich konnte gut schreiben und habe mich schon immer gern als Texter hervorgetan.

Da war es fast schon naheliegend, mich auf Gründer zu spezialisieren, denen ich mit meinen Fähigkeiten den größten Nutzen bieten konnte. Mit dem Startworks-Blog wollte ich zeigen, was ich drauf habe und wertvolles Marketing-Wissen weitergeben. Die wenigsten Freiberufler treten nach außen so sichtbar auf. Ich habe darin eine Chance gesehen, um Vertrauen zu schaffen und Kunden zu gewinnen.

Außerdem habe ich Nein gesagt zu einem Bauchladen-Angebot. Als Einzelkämpfer kannst du dich nicht als Experte für alles positionieren. Am Anfang habe ich deshalb nur Corporate-Design-Pakete angeboten, etwas später kamen die Webdesign-Pakete dazu. Damit habe ich zwei Dinge erreicht: Ein transparentes, hochwertiges Angebot, das alle Gründer brauchen. Und ich verschwende heute kaum noch Zeit damit, individuelle Angebote zu schreiben – etwas, das mich früher extrem viel Zeit und Nerven gekostet hat. Und das am Ende die Kunden zahlen müssen, auch wenn es nicht so auf der Rechnung steht.

Ich habe damit das perfekte Konzept für mich gefunden. Natürlich hätte die Sache auch in die Hose gehen können. Gründer haben bekanntlich knappe Ressourcen. Aber die Idee war leicht umzusetzen und ohne großes Risiko zu testen. Ein Scheitern wäre daher kein Beinbruch gewesen – dann hätte ich es halt mit einer neuen Idee versucht.

Würdest du das auch gerne schaffen? Dann lade dir das Geschäftsideen Entwickler Kit herunter. Es ist ein Tool, das ich extra zu diesem Zweck entwickelt habe. Und völlig kostenlos für dich.

Was ich nicht geschafft habe

Wenn ich mir meinen Business-Plan von damals so ansehe, gibt es da eine ganze Reihe von Dingen, die ich nie umgesetzt habe. Ich bin kein Fan von ausführlichen Business-Plänen. Ein kluges Konzept und ein Bierdeckel-Businessplan reichen oft, um eine Idee erst einmal zu testen. Aber für Fördermittel wie den Gründungszuschuss kommt man nun mal nicht um einen ausführlichen Businessplan mit Drei-Jahres-Kristallkugel-Vorschau drumherum.

Der Bierdeckel-Businessplan – so machen Businesspläne Spaß
Der Bierdeckel-Businessplan – so machen Businesspläne Spaß (Originalfoto: Thomas Bauch, Sunny BeerCC BY 2.0)

Ich habe nie einen Wettbewerb veranstaltet

Zum Start wollte ich eigentlich ein Corporate-Design-Paket für Weltveränderer in einem Wettbewerb vergeben, um Aufmerksamkeit und neue Kunden zu gewinnen. Aus dem Wettbewerb ist nie etwas geworden. Ich hatte einfach schon von Anfang an gut zu tun und habe die Idee immer weiter aufgeschoben.

Die IHK wollte mich nicht auf die Existenz lassen

Eigentlich bin ich ein großer Fan der EXISTENZ-Gründer-Messen, die die Münchner IHK jährlich in und um München anbietet. Hier findet man alle institutionellen Ansprechpartner für seine Fragen an einem Ort. Außerdem gibt es viele gute und kostenlose Vorträge – leider auch einige schlechte.

Matthias Barth Existenz-Gründermesse München
2014 auf der Existenz-Gründermesse in München

Ich wäre hier gerne regelmäßig als Redner aufgetreten. Leider ist es gar nicht so leicht reinzukommen. Einige Stammgäste haben genug Vitamin B, um niemals ihren Platz zu verlieren. So gibt es einen Vortrag namens Corporate Design: Legen Sie Ihre Spuren mit Social Marketing. Schon der Titel ist kompletter Nonsens und ich würde gerne etwas besseres bieten. Herr Hof, falls Sie das lesen: Ich wäre noch interessiert.

Ich arbeite noch immer im Home-Office

Eigentlich habe ich mit dem Gedanken gespielt, nach einem halben Jahr einen schönen Platz in einem Shared-Office zu suchen. Aber mir gefällt die Arbeit in den eigenen vier Wänden, und ich sehe da keinen Nutzen mehr drin. Außerdem muss ich hier auf zwei kleine Kinder aufpassen, die sonst wahlweise die Tapeten anknabbern, die DVDs aus dem Regal ziehen oder auf die Coach pinkeln würden. Unsere beiden Kaninchen Lukas und Lenny leisten mir Gesellschaft beim Arbeiten und verlangen immer wieder meine Aufmerksamkeit:

Freiberufliche Maskottchen Lukas und Lenny
Meine Maskottchen Lukas und Lenny und arbeiten auch freiberuflich 😉

Womit ich nie gerechnet hätte

Es sind auch einige Dinge passiert, bei denen ich nie so verwegen gewesen wäre, sie in den Businessplan zu schreiben. Allen voran hätte ich nie damit gerechnet …

… einen Verein zu gründen

Habe ich aber. Und darf mich jetzt Vorstand des Gründungsengel e.V. nennen. Der Titel klingt nicht nur schön, er hat auch handfeste Vorteile: Dadurch kann ich auf ein Netzwerk an Dienstleistern zurückgreifen, mit denen ich weitaus größere Projekte realisieren kann, als sie mir als Freiberufler möglich wären. Hinzu kommen exklusive Kooperationen mit richtig großen Partnern wie der Crowdinvesting-Plattform Conda und den Businessplan-Wettbewerben The Venture und bald auch … (noch geheim!).

Und auch für die Gründer ist der Verein ein starker Partner: Wo bekommst du sonst alle Dienstleistungen von der Rechtsberatung über Organisation bis zur PR und Marketing skalierter und ohne großen Overhead aus einer Hand? Das Netzwerk ist für alle eine Win-Win-Situation.

Das Gründungsengel-Team auf der Spätschicht im April 2015 in München
Vier Gründungsengel auf der Spätschicht im April 2015 in München (Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Tom Kiewning)

Netzwerken ist und bleibt einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für dein Unternehmen. Meinen Gründungspartner für die Engel habe ich übrigens letztes Jahr auf der EXISTENZ in München kennengelernt. Also, auch wenn es mit dem Vortrag bislang nicht geklappt hat, war die Messe ein voller Erfolg.

Guru zu werden …

Es ist erstaunlich, wie ein Blog die Wahrnehmung der Menschen verändert. Manche Menschen scheinen davor wirklich großen Respekt zu haben, auch wenn Startworks mit 4.478 Besuchern im Juli gerade einmal zu den mittelgroßen Blogs gehört. Ich bekomme immer wieder mal Post von Lesern, die sich für die Störung entschuldigen.

Doch das will ich gar nicht. Du musst dich nicht entschuldigen, und ich freue mich über jede Nachricht. Wenn du meine Tipps in der Praxis anwenden kannst und sie dich weiterbringen, fühle ich mich geehrt. Nicht umgekehrt. Ich bin kein Guru und möchte auch nicht wie einer daherkommen.

… und Menschen zu begegnen, die mit meinem Business ein Problem haben

Ab und zu gibt es auch mal Kritik. Manche Kritiker sind sogar ziemlich hartnäckig und können sich regelmäßige Seitenhiebe nicht verkneifen. Neulich habe ich diesen Kommentar auf Xing erhalten:

Wie oben schon mal geschrieben ‚mache das was Du am besten kannst, aber richtig‘. Ich überlege, ob ich nicht noch Gründungsberatung/-coaching mit dem Thema „praxisnahes Marketing für Einzelunternehmer“ anbieten soll … Anscheinend wäre das eine Nische und es kann ja jede/r Beratung anbieten, der/die sich dazu berufen fühlt.

Warum erhalte ich Anfeindungen von jemandem, der mich nicht kennt, meine Arbeit nicht kennt und offensichtlich auch nicht viel von mir gelesen hat? Doch bei allem Zynismus hat der Autor recht: Niemand wird als Experte geboren. Heißt das, du darfst nur das machen, was du gelernt hast und den dir vorgezeichneten Pfad nicht verlassen? NEIN! Gerade darum geht es beim Gründen:

Du hast eine Idee, die du verwirklichen willst, selbst wenn dir das nötige Wissen noch fehlt. Jeder Gründer lernt vieles erst aus der Praxis. Auch ich lerne jeden Tag dazu und habe vor, das bis an mein Lebensende so beizubehalten. Aber wenn andere meine Erfahrung(en) schätzen und davon profitieren können, warum sollte ich sie dann nicht teilen?

Anfangs sind mir solche Kommentare noch sehr nahegegangen, vor allem wenn sie von Leuten kommen, die sich anscheinend durchaus artikulieren können. Inzwischen lache ich darüber und wundere mich, dass manche Leute anscheinend nichts Besseres zu tun haben. Kritik lässt sich nicht vermeiden, wenn man für etwas steht und etwas erreichen will. Der Blogger Oliver Emberton hat dazu sehr deutliche Worte gefunden:

If youre not pissing someone off, you probably arent doing anything important
Oliver Emberton

Wie sieht die Zukunft aus?

In den letzten Jahren ist die gesamte Startup-Szene stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die Medien haben erkannt, dass es unheimlich kreative Gründer und großartige Geschichten zu berichten gibt. Auch wenn die Anzahl an Gründungen in Deutschland in den letzten Jahren rückläufig war.

Ich glaube, dass in Zukunft immer mehr Menschen den Schritt in die Selbständigkeit gehen werden. Immer mehr Geschäftsprozesse werden digitalisiert, was auch zum Wegfall von Arbeitsplätzen führen wird. Den sicheren Arbeitsplatz fürs Leben gibt es schon heute kaum mehr. Und gerade für junge Leute ist er auch längst nicht mehr so attraktiv.

Der Wunsch, selbstbestimmt und unabhängig zu leben und zu arbeiten, wird immer größer – und gleichzeitig war es noch nie so einfach, auch als freiberuflicher Einzelkämpfer ein einträgliches und skalierbares Business zu führen. Buchhaltung, Marketing, Kundenpflege, Koordination, Vertrieb, Zahlung … alles geht heute digital mit wenigen Klicks und zu geringen Kosten.

Wir werden in den nächsten Jahren einen Boom an neuen Unternehmen erleben. Neben den so viel beachteten Startups vor allem auch unzählige Freiberufler und Ein-Mann-Weltveränderer. Der Lebensstil ist verlockend, die digitalen Helferlein sind gigantisch, und auch beim Thema Sicherheit kannst du heute als Freiberufler genauso gut schlafen wie in einer Festanstellung. Selbständig zu sein, bedeutet, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Wer einmal die berauschende Freiheit der Selbständigkeit und das Gefühl der Kontrolle erlebt hat, wird nie mehr zurück wollen.

Ich würde meinen Job für kein Geld der Welt tauschen.

Wie geht es weiter?

Ich habe eben ein ganz wichtiges Wort genannt: Skalierbarkeit. Bisher biete ich nur Dienstleistungen an, was nicht so einfach skalierbar ist. Ich kann mich schließlich nicht klonen, um mehr Stunden verkaufen zu können. Dazu müsste ich Personal einstellen, was ich aber nicht möchte. Deshalb möchte ich in Zukunft auch mit meinem Blog Geld verdienen.

In meinem Interview mit Fredrik Harkort letzte Woche habe ich bereits geschrieben, dass meine Dienstleistung ein Luxus ist, den sich nicht jeder leisten kann und sollte. Wenn du aber wirklich wissen willst, wie du selbst eine Marke entwickeln und auf die Beine stellen kannst, will ich dir trotzdem dabei helfen können. Mein Plan ist es, ein Arbeitshandbuch zu entwickeln, das dir zeigt, wie du auch mit kleinem Budget großes Marketing betreiben kannst.

Bisher steht nur das grobe Gerüst. Das werde ich in den nächsten Wochen und Monaten ausbauen und zu einem fertigen Produkt ausarbeiten. Damit es auch wirklich die Fragen beantwortet, die dich beschäftigen, werde ich auch regelmäßig dein Feedback und das anderer Leser einholen. Ich danke dir schon heute für deine Mithilfe!

Soviel zu meiner Geschichte. Ich weiß, heute war es sehr persönlich. Ich würde mich freuen, auch dich ein bisschen besser kennenzulernen:

Was ist deine Geschichte?
Wo stehst du gerade?
Was beschäftigt dich zurzeit am meisten?
Was hältst du von meinen Plänen?

Ich freue mich auf dein Feedback und deine Fragen in den Kommentaren!

Lass uns die Welt verändern!
Matthias

Titelbild: Paul Filitchkin (CC0)

Dieser Artikel wurde zuerst veröffentlicht bei Startworks.de

1 Kommentar

  • Man kann richtig die Begeisterung und Leidenschaft erlesen,die du in deinem Text versprüst. Er ist echt ansteckend.

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