Digitale Nomaden: Was ist dran am Arbeits-Lifestyle unter Palmen?

Digitale Nomaden sind Menschen, die ihr Geld online und unabhängig von einem Standort verdienen und sich entschieden haben, das Leben um die Arbeit herum zu gestalten.

Ich selbst arbeite seit 2011 Remote und bin seit 2016 gemeinsam mit meiner Frau als Digitaler Nomade in der Welt unterwegs.

Dieser Artikel soll verschiedene Stufen zum Digitalen Nomaden aufzeigen, mit einigen Vorurteilen aufräumen, sowie die Vor- und Nachteile dieses Lebensmodells aufzeigen. 

Ganz unten gibt´s Bilder von Digitalen Nomaden aus der LSWW Community!

Was sind Digitale Nomaden?

Viele können sich überhaupt nicht vorstellen, was ein digitaler Nomade den ganzen Tag so macht. Immer nur sieht man diese tollen Bilder bei Instagram und fragt sich, wie diese Menschen eigentlich ihr Leben finanzieren, während man selbst vielleicht gerade in der überfüllten U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit sitzt. Dabei ist es eigentlich gar nicht so anders im Vergleich zu bekannteren Modellen, wie dem CoWorking oder dem klassischen Homeoffice.

Digitale Nomaden sind meist Selbstständig und haben einen ganz normalen online Job, wie andere auch. "Digital" sagt in dem Fall, dass der Job mit einem Computer und über das Internet ausgeführt werden kann. Damit sind per se schonmal alle Berufe ausgeschlossen, die eine physische Präsenz erfordern.

"Nomade" sagt eigentlich, dass der Mensch permanent unterwegs ist und von Ort zu Ort zieht. Vor allem dieser Teil hat sich in den letzten Jahren bei vielen Nomaden allerdings gewandelt. Digitale Nomaden können reisen, müssen es aber nicht permanent machen. Immerhin sind auch nur noch 30% der Nomaden in der Mongolei echte Nomaden. Der Rest ist sesshaft geworden.

Auch bei den Digitalen Nomaden ist eher das Gegenteil von Dauerreisen der Fall. Sie sind keine Backpacker und viele Digitale Nomaden - wie ich auch - werden irgendwann reisemüde und legen sich eine Homebase zu, von der aus sie dann zu verschiedensten Reisezielen aufbrechen. Dieser ist dann selbstverständlich weiterhin an einem Wunsch-Ort, z.B. am Meer oder in den Bergen. Die Reisedauer und -geschwindigkeit hängt dabei nicht von der Urlaubsdauer ab, sondern vom individuellen Empfinden. Digitale Nomaden bleiben gerne auch mal deutlich länger an einem Ort, als es ein typischer Tourist tut. Das können mal Wochen oder auch mal Monate sein.

Mehr Lifestyle als Business? Wie viel arbeiten Digitale Nomaden wirklich?

Ich würde sagen, dass es "Mehr Lifestyle bei gleichem Business" heissen sollte. Der wesentliche Unterschied von digitalen Nomaden zu einem nicht-digitalen Nomaden ist die Gestaltung der Freizeit. Denn die verbringen digitale Nomaden typischerweise an exotischeren Orten, als es der durchschnittliche Arbeitnehmer in Deutschland tut. Die Arbeit selbst kann (muss aber nicht) dabei genau so unsexy sein, wie sie es auch bei einem Selbstständigen in Deutschland sein kann.

Meist haben Digitale Nomaden ein Online Geschäftsmodell aufgebaut und sich ein Arbeitsumfeld geschaffen, das weniger Strukturen erfordert und sie damit flexibler macht.

Damit ist - meiner Meinung nach - auch die Grundmotivation eine andere, als die von Menschen mit einem festen Umfeld. 

Statt auf Geld oder Status, versuchen Digitale Nomaden effizienter und "smarter" zu arbeiten und auf Freizeit und Lebensqualität zu optimieren. 

Digitale Nomaden sind nicht faul, sondern haben ihren Arbeitsalltag meist so optimiert, dass die Freizeit bewusster genossen werden kann. Sie arbeiten nicht, um nach 8 Stunden auszustempeln, sondern hören dann auf, wenn die Arbeit getan ist. Das kann mal nach 3 Tagen Durcharbeiten der Fall sein und mal auch nach 30 Minuten. Ich selbst habe auch Tage, an denen ich morgen schon weiss, dass mein Kopf heute nicht mitmacht. Statt mich zu ärgern, mache ich lieber etwas ganz anderes und hol die Zeit an einem anderen Tag wieder rein. 

Statt Abends den Fernseher anzumachen oder ins Fitnessstudio zu gehen, erkunden Digitale Nomaden die örtliche Kultur oder gehen - wie ich - einfach surfen.

Der Lifestyle und das Ausleben der Abenteuerlust sind für Digitale Nomaden ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens und der Antrieb für den Job.

Homeoffice vs. Remote Worker vs. Digitalen Nomaden

Als ich von 2008 bis 2010 meinen ersten und letzten "richtigen Job" in einem Konzern hatte, war Homeoffice noch ein echtes Privileg. Nach meiner Kündigung und dem Mitaufbau meines ersten erfolgreichen Startups, habe ich dann zunächst 6 Jahre als Remote Worker gearbeitet. 2016 habe ich dann alle Zelte in Deutschland (zumindest die zum wohnen) abgebrochen und arbeite seitdem als Digitaler Nomade an den verschiedensten Orten dieser Welt. Das sind die wesentlichen Unterschiede der 3 Arbeitsmodelle:

Homeoffice

Wer im Homeoffice arbeitet, der hat typischerweise einen festen Platz im Büro. Das kann übrigens genauso auf Selbstständige zutreffen, wie auf Arbeitnehmer. Das Homeoffice ist der Ausweichort, z.B. für Konzentrationsphasen, bei leichtem Schnupfen oder wenn ein dringendes Postpaket erwartet wird. Der Hauptarbeitsort ist in der Regel jedoch der Büro in einem Unternehmen.

Remote Worker

Remote Worker sind Menschen, die einen festen Arbeitsplatz ausserhalb eines festen Firmenbüros haben. Ich selbst habe z.B. 2011 ein Startup mit meinem Mitgründer aufgebaut, das in Frankfurt war (bei meinem Mitgründer René), obwohl ich in Hamburg wohnte. Ich selbst wurde damit zum Remote Worker aus Hamburg heraus. Mein Arbeitsplatz waren entweder das heimische Homeoffice oder ein CoWorking Space in der Nähe.

Dieses Konstrukt wird auch gerne von größeren, internationalen Startups genutzt, um z.B. in neue Länder zu expandieren. Meist startet die Expansion mit einer One-Man-Remote-Worker-Show.

Digitale Nomaden

Digitale Nomaden haben keinen festen Arbeitsort und sind 100% räumlich flexibel. Sie gehen zwar ebenso gerne in Co-Working Spaces, richten sich aber kein Büro ein. Der Arbeitsort hängt dabei von den persönlichen Vorlieben ab. Viele gehen gerne in Cafés oder Co-Woking-Spaces, andere arbeiten lieber alleine in den 4-Wänden, die gerade das zu Hause sind - so wie ich. 

Diese Form des Arbeitens ist nicht zwingend an eine Selbstständigkeit gebunden, aber in den meisten Fällen dürfte das der Fall sein. Der Grund: Die Arbeit in Teams und mit ständig wechselnden Zeitzonen macht die Zusammenarbeit nicht einfacher. Meine Learnings dazu habe ich hier schonmal aufgeschrieben.

Warum Digitale Nomaden günstiger Leben als Touristen

Ein großer Vorteil von Digitalen Nomaden ist, dass sie häufig günstiger leben und für ein Vollzeit-Leben in einer Traumumgebung nicht mehr Geld benötigen, als sie es in Deutschland benötigt haben. Nicht selten wird das Leben als Digitaler Nomade sogar günstiger, schaut man sich die Haupt-Kostenfaktoren mal genauer an.

Wohnraum

Die Wohnkosten hängen stark vom Land und der Region ab, so wie auch in Deutschland die Mietpreise stark nach Region schwanken. Der große Vorteil ist aber, dass Digitale Nomaden keine Touristen sind und statt teurer Hotelzimmer ganze Wohnungen oder Häuser für einen längeren Zeitraum mieten und somit von Langzeitmietpreisen profitieren. Eine beliebte Plattform, um Monatsmieten zu finden, ist Airbnb. Die Monatsmietpreise liegen im Verhältnis teilweise 60% oder mehr unter den Tagesmietpreisen. Airbnb hat dafür sogar eine eigene Suche eingerichtet.

Alleinreisende Digitale Nomaden suchen sich häufig auch Mitbewohner auf Zeit, um sich gemeinsam z.B. eine Mehrbett-Unterkunft zu mieten. Ein weiterer Trick ist, nicht immer direkt im Touristen-Ort selbst zu wohnen, sondern in einem Vorort. Wir haben z.B. für unseren Byron Bay Trip ein Haus im 20 Minuten entfernten Mullumbimby gemietet. Da wir arbeiten und ohnehin nicht die ganze Zeit in der City sein wollten, war es perfekt. 

Essen

Auch beim Essen ist der Spareffekt groß. Touristen gehen meist Essen und zahlen dafür den entsprechenden Restaurant-Preis. Digitale Nomaden hingegen gehen aber auch gerne einfach mal in den Supermarkt und kaufen ein. Damit wird ein weiterer wichtiger Vorteil an Airbnb´s gegenüber Hotelzimmern deutlich: Es gibt einen Kühlschrank und eine Küche!

Es gibt aber auch Länder, da ist das mit dem einkaufen und kochen eher unüblich, vor allem in Asien. Wir haben deshalb z.B. in einem Monat auf Bali mehr für Essen ausgegeben, als in einem Monat in Vancouver. Die Gewohnheit richtet sich eben nach den Möglichkeiten.

Mobilität

Besonders, wer länger an einem Ort bleibt und die Umgebung entdecken will, der muss mobil sein. Typischerweise werden dafür Mietwagen oder Roller gemietet. Natürlich kann man auch mit dem Bus zum Supermarkt fahren, sofern es einen gibt. In machen Umgebungen bietet sich aber auch ein Fahrrad oder einfach Uber an. In Sri Lanka oder Thailand kann man sich z.B. auch super per Tuk Tuk für ein paar Euro herumfahren lassen. Beim Punkt Mobilität haben Digitale Nomaden leider keinen echten Kostenvorteil gegenüber dem Leben in Deutschland. Autofahren ist nun mal teuer. Das gilt für Deutschland und die Welt. Sparen kann man dafür in Städten durch die Nutzung von des ÖPNV. Das gilt für Deutschland aber genau so wie für andere Länder. 

Fairerweise muss man an dieser Stelle aber noch den Flug-Vorteil nennen. Digitale Nomaden sind in der Regel zeitlich sehr flexibel und können kleine Flugstrecken so aneinanderreihen, dass der Weg zu Ziel günstiger wird und unterwegs dafür ein paar tolle Zwischenstopps eingebaut werden. Ein Langstreckenflug, der nur zu einer bestimmten Zeit gehen darf, ist meist deutlich teurer.

Freizeitausgaben

Seit ich Digitaler Nomade bin, zahle ich kein Geld mehr für Fernsehen, eine Festnetznummer, eine Fitnessstudiomitgliedschaft, eine Co-Corking Mitgliedschaft und andere Dinge, die ich jetzt einfach nicht mehr brauche.

Viele dieser Fixkosten waren einfach immer da, egal ob ich sie genutzt habe oder nicht. Digitale Nomaden investieren in der Regel selektiver, z.B. mal für eine Yogastunde oder in eine Sprachschule. 

Für mich persönlich hat sich auch geändert, dass ich im Urlaub keine Surfbretter ausleihen und Surfkurse mehr bezahlen muss. Durch das dauerhafte Leben am Meer hat sich die Investition in eigenes Material mehr als gerechnet. Und als nicht-mehr-Anfänger fallen auch die Kurse und die teuren Surfcamps weg. Das trifft natürlich auch auf jedes andere Vollzeit-Hobby zu.

Digitale Nomaden und Infrastruktur

Es heisst immer so schön, dass Digitale Nomaden nur einen Computer und stabiles Internet brauchen. Ich habe sogar schonmal den Test gemacht, ob ich mein Unternehmen nicht sogar ausschliesslich vom Handy steuern kann.

Tatsächlich ist die benötigte Infrastruktur aber bei Nomaden überschaubar. Meist reicht ein Tisch, Strom, Internet und ab und zu mal die Möglichkeit, sich zurückziehen zu können.

Für stabiles Internet sorgt in der Regel eine lokale Daten SIM Karte, die wahlweise in das Smartphone oder einen SIM Karten Router gesteckt wird. Eine lokale Daten SIM Karte ist meist deutlich günstiger und liefert garantiert das beste Netz vor Ort. In Sri Lanka - wo ich diesen Beitrag geschrieben habe - kostet z.B. eine 25GB SIM Karte mit 4G Geschwindigkeit rund 20€. Darin waren ausserdem 8GB Willkommensbonus und weitere 25GB inbegriffen, die ich von Mitternacht bis 8 Uhr morgens nutzen kann. Generell habe ich bis auf wenige Ausnahmen die Erfahrung gemacht, dass Abdeckung weltweit erstaunlich gut ist. Und auch die Kosten liegen im Verhältnis deutlich unter denen von vergleichbaren Tarifen in Deutschland. Ich verbrauche bei normaler Nutzung rund 15-30GB im Monat. Mit der aktuellen Karte sind also locker ein paar Netflix Downloads mit drin. Wenn das mal nicht der Fall ist, gibt es Cafés mit WLAN und hilfreiche Apps wie WiFi Map, um kostenlose WLAN Netze zu finden.

Wer trotz ausländischer Daten SIM Karte eine deutsche Handynummer benötigt, der kann das z.B. sehr einfach über Skype oder Satellite.me bekommen. Letzteres ist eine App, die sogar kostenlos eine deutsche Handynummer auf jedes Handy zaubert, solange es im Internet ist. 

Für Stromstecker gibt es Adapter und auch im Falle einer Reparatur gibt es bei Unternehmen wie Apple z.B. weltweite Retailer. Ich selbst habe z.B. schon mehrfach ein Display für meinen Mac bekommen (einmal in Australien und einmal in Portugal). 

Das wichtigste für Digitale Nomaden ist aber ein gutes Cloud Backup. Kaum eine Software ist noch auf dem Computer lokal installiert. Alle Daten werden in der Regel automatisch per Dropbox, Google Drive oder einem anderen Service synchronisiert. Die E-Mails und der Kalender liegen bei Google und auch die Buchhaltungsssoftware ist in der Cloud. Mit dem Steuerberater wird digital kommuniziert und sogar der Jahresabschluss kann mittlerweile online freigezeichnet werden. Da Steuerberater nach Tabelle bezahlt werden, kann man sich also ruhig jemanden suchen, der Digitale Geschäftsmodelle versteht. Falls du noch genau so jemanden suchst, ich empfehle dir gerne meinen.

Und sollte doch mal eine notariell beglaubigte Unterschrift erforderlich sein (z.B. für Verträge oder Vollmachten): Es gibt fast überall auf der Welt deutsche Konsulate, die das machen. Der internationale Versand von Dokumenten ist ebenfalls kein Problem. Ich habe bereits Verträge per UPS Express von Australien nach Deutschland geschickt und mir neue Kreditkarten mit DHL von Deutschland nach Lombok schicken lassen. So ein Brief kostet dann halt mal 30€ oder etwas mehr, ist aber dafür auch in 7-10 Tagen am andere Ende der Welt angekommen.

Wie verdienen Digitale Nomaden ihr Geld?

Wir schon einleitend geschrieben, haben Digitale Nomaden in der Regel ein Online Geschäftsmodell. Das sind z.B.:

  • Affiliate Marketing 
  • Online Werbung 
  • Online Kurse, Bücher, eBooks
  • Software Lizenzen
  • Bezahlte Mitgliedschaft
  • Amazon FBA / E-Commerce Shop
  • Marktplatz-Transaktionen
  • Productized Service 
  • Dropshipping (nicht aus China!) 
  • Zeit-gegen-Geld Modelle, z.B. als Berater, Coach, Programmierer, Designer, Video-Cutter etc.

Wie die Modelle im einzelnen funktionieren, kannst du in diesem Beitrag nachlesen. Weitere Online Jobs findest du auch hier.

Meldepflicht, Steuern und Krankenversicherung

Wie sieht das eigentlich mit den formellen Fragen aus? Müssen sich digitale Nomaden aus Deutschland abmelden?

Generell ist die Regel, dass ein Mensch sich dort meldet und Steuern zahlt, wo er sich die meiste Zeit des Jahres aufhält. Wenn das als Dauerreisender jedoch nirgendwo der Fall ist, ist eine Abmeldung der richtige Weg.

Viele machen das aber nicht, weil die bestehenden Strukturen von z.B. mit Krankenversicherungen im Heimatland oder mit Firmenkonstrukten das nicht ganz so einfach machen. Eine Optimierung ist aber auf jeden Fall zu empfehlen, auch wenn es Zeit in Anspruch nimmt, sich mit der Thematik auseinander zu setzen.

Christoph Heuermann hat die Vorteile, die Ortsunabhängige nutzen können, in der sog. Flaggentheorie gut beschrieben. Diese sagt im Wesentlichen: 

Gehe dort hin, wo du am besten behandelt wirst.

Das betrifft Arztbesuche, Steuern und eigentlich alle Aspekte des Lebens. 

Tipp: Wenn du dich intensiv mit dem Thema beschäftigen willst, empfehle ich dir den Global Citizen Explorer, eine Art kostenpflichtigen Börsenbrief für Menschen, die ihr Leben und ihre Rücklagen global optimieren wollen. Herausgeber sind Christoph Heuermann und Sergio von Facchin. Beide sind selbst Dauerreisende und verraten wertvolle Tricks, wie sich das Leben in allen belangen optimieren lässt (von der Firmengründung, über Anlageoptionen bis hin zum Artz-Tourismus). Beide sind ursprünglich aus Deutschland und leben die Vorzüge der Unabhängigkeit bereits selbst umfangreich aus. Da kann man einiges lernen. Wenn du nur einzelne Ausgaben kaufen willst, geht das hier.

Was die Versicherung angeht: Ich persönlich nutze z.B. eine Auslandskrankenversicherung, die mich bis zu 6 Wochen pro Jahr auch in Deutschland mitversichert. Meine deutsche, private Krankenversicherung liegt hingegen derzeit auf Anwartschaft (pausiert). Ob ich sie jemals wieder benötige, weiss ich noch nicht. Klar ist aber, dass ich für meine Auslandskrankenversicherung gerade mal 55 Euro im Monat bezahle und damit weltweit abgesichert bin (auch in den USA und Kanada, auch was Vorsorge angeht). 

Zum Vergleich: Meine private Krankenversicherung in Deutschland würde derzeit weit über 300 Euro pro Monat kosten. Allein für die Anwartschaft zahle ich derzeit rund 140 Euro im Monat... und dafür bin ich aktuell nicht mal versichert! Es lohnt sich also, auch diese Thema mit in die Gesamtbewertung einfliessen zu lassen und langfristig zu optimieren.

Visum

Das Visum ist der Punkt, an dem die meisten Nomaden kreativ werden müssen.

Denn viele Digitalen Nomaden reisen mit Touristen Visa durch die Welt. Damit sind Aufenthalte zwischen 30 und 90 Tagen in der Regel kein Problem, auch wenn damit offiziell das Arbeiten nicht gestattet ist (im Falle einer Razzia immer sagen, dass du eine E-Mail an deine Mama schreibst). Darüber hinaus gibt es Work & Travel Visa, die gerade für jüngere Nomaden spannend sein können. Damit ist das Problem nicht endgültig gelöst, aber immerhin bekommt man damit häufig ein Aufenthalts- und Arbeitsrecht von einem Jahr. Hier findest du übrigens die besten Work & Travel Visa Länder für Surfer.

Viele Länder bieten auch Business Visa an. Je nach Unternehmensstruktur und Geschäftsfeld kann das auch das eine Lösung sein. Die Ausbaustufe ist eine Firma im Wunschland zu gründen, um darüber letztlich auch an ein Visum zu kommen.

Eine übliche Praxis ist auch der sogenannte Visa-Run: Ein kurzer Ausflug in ein Nachbarland, um die Aufenthaltserlaubnis bei der erneuten Einreise wieder zu verlängern. Für Nomaden, die ohnehin alle paar Wochen weiterreisen, ist das allerdings ohnehin kein Problem. 

Für unsere eigene Homebase haben wir allerdings bewusst dafür entschieden diese zunächst in einem europäischen Land zu suchen. Wie wir das genau gemacht haben und wie wir unser Haus auch in unserer Abwesenheit finanzieren, kannst du hier nachlesen.

Wie lange sind Digitale Nomaden wirklich unterwegs?

Schwer zu sagen. Denn das hängt vom persönlichen Empfinden ab. Es gibt Menschen, die das ein paar Monate machen und dann keine Lust mehr haben. Andere sind bereits seit mehr als 10 Jahren unterwegs.

Ich persönlich glaube, dass sich früher oder später jeder Digitale Nomade wieder nach einem festeren Umfeld sehnt. Eine eigene Wohnung oder ein Haus mit den eigenen Bildern an der Wand, das hat schon was. Für viele - so wie bei uns - ist es ein Mischmodell. Wir sind derzeit rund 6 Monate im Jahr in unserer Homebase in Portugal und die andere Hälfte weiterhin in der Welt unterwegs.

Das Besondere bei Digitalen Nomaden ist, dass sie das selbst und bewusst entscheiden können, wo sie gerne leben möchten. Diese Entscheidung wird in der Regel unabhängig von einem Arbeitgeber und nur nach dem eigenen Geschmack getroffen. 

Vor- und Nachteile von Digitale Nomaden

Es ist nicht alles gold, was (bei Instagram) glänzt.

Wer viel reist, der muss auch mit den Schattenseiten leben. Dazu gehören z.B.

  • Kein festes, soziales Umfeld
  • Die Familie ist weit weg
  • Teilweise kommt wenig Verständnis aus dem engeren Umfeld
  • Die Familienplanung wird dadurch nicht einfacher (aber scheint bei vielen zu funktionieren)
  • Ein Haustier zu haben ist schwierig
  • Man wohnt quasi permanent in "fremden" Sachen
  • Die Suche nach einem guten Arbeitsplatz ist manchmal ganz schön mühselig
  • Arbeiten bei 30 Grad ist anstrengender, als es aussieht

All diese Punkte kann man nicht weg reden und sind Gründe, warum sich er ein oder andere Digitale Nomade dafür entschiedet, "zurück" zu kommen. 

Auf der anderen Seite gibt es aber auch deutliche Vorteile, die für viele (so wie uns), überwiegen:

  • Leben, wo andere Urlaub machen
  • Höhere Lebensqualität (Sonne, Essen, Freizeit, etc.)
  • Das Hobby zum Alltag machen (für uns: Surfen)
  • Jeden Tag etwas Neues entdecken
  • Tiefere Einblicke in fremde Kulturen (weil man nicht nur als Tourist unterwegs ist)
  • Freunde auf der ganzen Welt finden

Klar ist auch, dass sich der Anspruch an das Leben alle paar Jahre ändert (ca. alle 5 Jahre). Digitales Nomadentum kann also auch nur etwas für einen bestimmten Lebensabschnitt sein, in denen sich die Prioritäten der Vor- und Nachteile jederzeit verschieben können. Aber auch das ist ein bedeutender Vorteil von Digitalen Nomaden: Sie können selbst entscheiden, wann das Leben wie aussehen soll. Wer möchte, kann sich theoretisch sogar wieder in ein Angestelltenverhältnis zurück begeben. Anders herum ist es schwieriger.

Und wie sehen sie nun aus, die Digitalen Nomaden?

Während ich den Artikel verfasst habe, habe ich in unserer LSWW Community einen Aufruf gestartet, um (echte) Einblicke in das Arbeitsleben von Digitalen Nomaden zu bekommen und vielleicht auch, um ein wenig zu entzaubern. Das sind die (teilweise lustigen) Bilder, die zeigen, dass das Arbeitsleben nicht immer aus Sonne und Strand besteht:

@akatona irgendwo im Nirgendwo

digitale Nomaden   alexk

@nomadmelissa in einem CoLiving Place in Marokko

nomadmelissa

@christhaefner (Ich selbst), auf einer Autobahnraststätte in Frankreich

ch nomade

@meerdavon_com (meine bessere Hälfte) in einer Holzhütte auf Java, Indonesien

heidi digitale nomaden

@janmyo @tobias.hagemeister @jenny_grenzenlos und @backpackstories.event beim Meeting in einem Airbnb auf der Garden Route in Südafrika

digitale nomaden jan und crew

@pierre_surfs auf Bali, Indonesien (Bild von @ptrash)

digitale nomaden pierre

@hausersandy und @marleenhoftijzer in einem in einem Einzimmerappartement in Brunswick Heads, Australien, wo Dusche & Toilette draussen waren

digitale Nomaden Sandy Hauser

@Markus.Winterscheidt im "Fühl dich wie zu Hause Modus" am Pool auf Malle

digitale nomade   markus winterscheidt

@paidon in einem A&W Restaurant im Jasper National Park, Kanada

digitale Nomaden david p

@molaalleseasy auf einem Campingplatz in Australien

digitale Nomaden moritz

@frank_eilers im Rathaus Café Meppen 3 Stunden vor einem Auftritt als Speaker

digitale nomaden frankeilers

@carlavollert_eventmanagement in Dahab, Ägypten

Carla Dahab

@fitonica_mauri in Düne, Helgoland

digitale nomaden mauri

Jenny und Basti von @22places auf einer Fähre auf dem Weg von Stockholm auf die Åland-Inseln in Finnland

50507942 400169083891688 6553087678047322112 n

Weitere Bilder von mir unterwegs findest du auf meinem Instagram Profil.

Schon 4.226 Online Unternehmer haben den LSWW Newsletter abonniert. 

Erhalte kostenlose Marketing Tipps und Infos direkt in dein Postfach. Ca. 1x pro Monat.

Kostenlos für dich. Du kannst dich jederzeit wieder abmelden.

2 Kommentare

  • Ein wirklich spannender und aufschlussreicher Beitrag. Vielen Dank. Du beschönigst das Leben als digitaler Nomade nicht wie auf vielen Instagram Accounts ;)
    Viele Grüsse
  • Hey Katharina,

    Danke für das Feedback. Hat schon viele Vorteile, aber eben auch Nachteile...so wie jedes andere Lebensmodell auch. ;-)

Was denkst du?