Crowdfunding – Warum ein gutes Video alleine nicht reicht

Crowdfunding – Warum ein gutes Video alleine nicht reicht

Du hast eine super Geschäftsidee und schon erste Prototypen, aber die Bank gibt dir kein Geld für die Produktion? Oder du möchtest erst einmal einen Markttest machen, bevor du dein eigenes Geld oder das deiner Freunde und Bekannten investierst? Mit Crowdfunding kannst du deine Projekte einer Vielzahl von Unterstützern präsentieren und wenn es ihnen gefällt Geld dafür erhalten. Ich bin Georg von RELAXFAIR und zusammen mit meinem Kollegen Felix haben wir genau das mit der nachhaltigen RELAXFAIR Lounge gemacht. Die Kampagne läuft noch bis Mitte November, sodass ich vor allem von der Vorbereitung des Projekts berichten kann. Verfolgen und unterstützen kannst du unser Projekt hier: https://www.indiegogo.com/projects/relaxfair-the-world-s-fairest-greenest-lounge-furniture/x/15163425

In diesem Beitrag möchte ich dir zeigen, was Crowdfunding eigentlich ist, welche Erfolgsfaktoren relevant sind und wie genau das bei uns ablief.

Was ist eigentlich Crowdfunding?

Crowdfunding, zu deutsch auch gern „Schwarmfinanzierung“ genannt, ist eine Form der Projektfinanzierung. Im Wesentlichen gibt dabei eine Vielzahl von Personen kleine Geldbeträge für ein Projekt oder ein Produkt, das erst durch die Summe der Geldbeträge realisiert werden kann. Für diesen Geldbetrag erhalten die Unterstützer kleine Gegenleistungen, im englischen „Perks“ genannt. Diese können von kleinen Danke-Werbeartikeln bis zu dem finalen Produkt gehen. Das Projekt hat normalerweise ein Finanzierungsziel (beispielsweise RELAXFAIR mit 10.000$), welches entweder zwingend (festes Finanzierungsziel) oder nicht-zwingend (flexibles Finanzierungsziel) erreicht werden muss. Beim flexiblen Finanzierungsziel bekommt die Firma das Geld der Unterstützer auch bei Nicht-erreichen des Finanzierungsziels, muss aber auch die Produkte dann verschicken können. Beim festen Finanzierungsziel bekommen die Unterstützer ihr Geld zurück, wenn das Ziel nicht erreicht wird.

Die weltweit führenden Crowdfunding-Plattformen sind Kickstarter und Indiegogo, in Deutschland ist es die Plattform Startnext. Dort stellt man das eigene Projekt mit Video und Produktinformationen ein, um die Unterstützer vom eigenen Projekt zu überzeugen.

Wir haben Indiegogo als Plattform gewählt, weil wir ein internationales Publikum erreichen wollen und Kickstarter im Vergleich zu Indiegogo eher Kampagnenerfolge mit technischen und innovativen Hardware-Produkten erzielt.

Unsere Gegenleistungen beginnen bei 5$, dafür wird der Name des Unterstützers auf den ersten RELAXFAIR-Prototypen signiert, der dann für ewig bei uns im Büro stehen wird. Neben einem recycelten Kugelschreiber, der Möglichkeit Bäume auf den Philippinen anpflanzen zu lassen oder Stuhlkissen zu bekommen gibt es das finale Produkt für 169$ (Early Bird) oder für 199$ (Kampagnenpreis).

Vorteile für uns und unsere unterstützer

Unterscheiden muss man Crowdfunding von Crowdinvesting, wo Firmen für Ihre Projekte oder Produkte nicht Perks, sondern Firmenanteile abgeben und damit die Unterstützer zu Investoren werden.

Welche Vorteile hat es für uns?

  1. Eigenkapitalstärkung ohne Firmenanteile abgeben zu müssen

  2. Möglichkeit der Frühphasenfinanzierung: Die Crowdfunding-Plattformen schreiben nicht vor, in welchem Stadium sich dein Produkt befinden muss. Du kannst bereits die Produktidee einstellen, allerdings solltest du für das Video einen ersten Prototypen vorstellen können.

  3. Unterstützer werden zu Markenbotschaftern, weil sich diese sehr mit dem Produkt identifizieren und die Kampagne in den sozialen Netzwerken weiter verbreiten.

  4. Projekte finden größere Aufmerksamkeit in den Medien

  5. Erster Markttest für das Projekt / Produkt

Auch unsere Unterstützer haben Anreize, an Crowdfunding-Projekten teilzunehmen:

  1. Das Produkt gibt es oft zu einem Special-Rabatt-Preis während der Kampagne. Bei RELAXFAIR erhältst du beispielsweise einen Early-Bird-Rabatt und einen generellen Rabatt im Vergleich zum späteren Marktpreis.

  2. Unterstützer bekommen einen exklusiven Einblick in das Unternehmen über Updates und Kommentare.

  3. Unterstützer erhalten unser Produkt zuerst und vor allen anderen.

 

Erfolgsfaktoren für Crowdfunding

Natürlich bekommen wir auch beim Crowdfunding nichts geschenkt, die Vorbereitungszeit ist sehr intensiv und benötigt eine gute Planung. Als wir analysierten, ob unser Projekt für Crowdfunding geeignet ist, haben wir folgende 10 Erfolgsfaktoren ermittelt:

  1. Du musst die richtige Idee haben: Du brauchst einen eindeutig definierbaren USP (Unique Selling Proposition). Das bedeutet, dass dein Produkt oder Projekt ein Alleinstellungsmerkmal haben muss. Es sollte im besten Fall etwas Innovatives, noch nicht Dagewesenes sein.

  2. Die Produktentwicklungsphase: Empfohlen wird es, mindestens einen fertigen Prototypen angefertigt zu haben und mit der Crowdfunding-Kampagne bloß die Produktion noch finanzieren zu müssen. Dies ist dann auch für das Produktvideo wichtig. Bei eher kreativen Inhalten wiederum kann es aber Sinn machen, schon die Idee einzustellen.

  3. Die Umsetzung: Dabei geht es darum, wie man das Produkt auf den Plattformen vorstellt:

  • Die Perks: Diese sollten breit gestreut sein um auch geringe Beiträge von Fans mit kleinem Portemonnaie erhalten zu können.

  • Die Produktpräsentation: Dafür sollte unbedingt ein Video erstellt werden. Laut Indiegogo wird im Durchschnitt 2000% mehr Geld eingenommen, wenn ein Video statt eines Bildes die Präsentation einläutet. Dann kommt natürlich die ausführliche Beschreibung im Text unten. Besonders das Bildformat GIF ist hier anzusprechen, da Videos in der Beschreibung nicht implementiert werden können und GIFs hier eine gute Alternative für kleine Videos für Produktfeatures sind.

  • Finanzierungsziel: Sollte dein Projekt eine gewisse Summe zwingend benötigen, solltest du das Finanzierungsziel natürlich dementsprechend festlegen. Es sollte aber nicht zu hoch sein, da sonst einige Unterstützer abgeschreckt werden könnten.

  1. Du brauchst ein Netzwerk: Indiegogo empfielt, 20% in den ersten 48 Stunden über persönliche Kontakte zu erreichen. Dafür brauchst du ein aktives Netzwerk.

  2. Public Relations: Neben dem persönlichem Netzwerk sollte man alles dafür tun, um auch die Nischenmagazine und Blogs anzusprechen. Dafür ist eine Presseseite mit Bildern und Factsheet sehr wichtig.

  3. Glaubwürdigkeit: Die Unterstützer wissen nicht, ob das Projekt wirklich zustande kommt oder die Firma vor Versendung der Ware pleite geht. Deswegen geben sie dir einen Vertrauensvorschuss, den du dir durch Glaubwürdigkeit in der Produktpräsentation erarbeiten musst.

  4. Persönlichkeit: Stelle dich im Produktvideo vor und werde zum Gesicht deines Projekts. Sehr viel geht über Sympathie, welche wiederum deine Glaubwürdigkeit stärkt.

  5. Technisches Know How: Ein gutes Video und professionelle Bilder sind sehr entscheidend. Der Unterstützer kann das Produkt nicht anfassen oder testen, daher sind, wie auch im E-Commerce generell, professionelle Bilder und Videos ausschlaggebend für den Erfolg der Kampagne.

  6. Ausdauer: Die Dauer der Kampagne kann bis zu einer Dauer von 60 Tagen frei gewählt werden, allerdings empfiehlt Indiegogo 40 Tage. Im Normalfall gibt es am Anfang viel Unterstützung durch die persönlichen Kontakte, danach wird es eine zeitlang ruhig. Gerade zum Ende hin sollte man aber noch einmal so richtig Gas geben und die Werbetrommel rühren, um Unterstützer zu erreichen, die sich bis dahin noch unsicher waren oder es vergessen haben.

  7. Feedback: Unterstützer sollte man aktiv um Feedback bitten und diese dementsprechend einbinden, da die Kampagne gleichzeitig ein Markttest für das Produkt ist.

 

Beispiel: Meine Crowdfunding-Kampagne RELAXFAIR

Die Produktidee

Wir von RELAXFAIR haben vor der Crowdfunding-Kampagne den gesellschaftlichen Trend zu mehr Nachhaltigkeit analysiert und haben festgestellt, dass immer mehr Bereiche der Wirtschaft wie Mode oder Lebensmittel davon erfasst und transformiert werden. Der Möbelmarkt allerdings hat den Aspekt der Nachhaltigkeit noch wenig integriert, sodass wir die Chance sehen, hier einen neuen Markt bedienen zu können. Unser erstes Projekt in diesem Segment ist eine nachhaltige Sitzlounge, die zu 100% aus recycelten Materialien besteht und in Deutschland zu fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Zielgruppe unseres Produkts sind die LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability), die wir im Vorfeld der Kampagne genauestens analysiert hatten.

Warum Crowdfunding?

Eine Lounge zu produzieren ist nichts besonders neues. Allerdings muss man das Rad nicht neu erfinden um etwas neues zu erschaffen. Die neue Kombination aus Nachhaltigkeit und modernem Design hat RELAXFAIR entstehen lassen. Crowdfunding fanden wir in der Hinsicht plausibel, weil Nachhaltigkeit ein internationaler Trend ist und Leute überall auf der Welt begeistert sind. Diese Zielgruppe hinterfragt den Konsum und interessiert sich auch für die Herstellung und Lieferkette, sodass Crowdfunding mit der hohen Transparenz optimal ist.

Das Team

Wir sind ein Zwei-Mann-Team: Mein Geschäftspartner Felix ist eher der kreative Part, der neben seinem Wirtschaftsstudium auch professioneller Fotograf und Techniker ist. Über sein ehrenamtliches Engagement hat er Erfahrungen im Bereich Social Media gemacht und ist selber ein großer Anhänger von Apps wie Snapchat. Ich hingegen habe mich nach meinem BWL-Studium im Bereich Onlinehandel selbstständig gemacht und konnte im E-Commerce viele wertvolle Erfahrungen machen. Gefunden haben wir uns über ein Ehrenamt beim CVJM Baden.

4 Monate vor Start: Vision / Produkt / Zielgruppe

Erst einmal haben wir uns intensiv mit dem Produkt und der Zielgruppe auseinander gesetzt, aus welchen gesellschaftlichen Milieus unsere Zielgruppe besteht, welche Produkte am besten ankommen und welche gesellschaftliche Trends relevant sind.

Wir haben zuerst eine Vision verfasst, in der wir festlegten, dass wir als Firma nachhaltig und fair agieren und unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen wollen. Dies spiegelte sich dann auch im Produkt wieder – die RELAXFAIR Lounge besteht aus 100% recycelten Materialien und wird in Deutschland von einem Hersteller gefertigt, den ich bereits aus meiner E-Commerce-Zeit kennengelernt habe. Außerdem wollen wir 20% unseres Jahresgewinns an soziale und grüne NGOs spenden.

Beim Produkt arbeiten wir mit einer Fabrik nahe Nürnberg zusammen, die mit uns zusammen die Lounge entwickelt hat. Wir zeigten ihnen Vorlagen und unsere Kooperationspartner erstellten Prototypen, die wir testeten und anpassten. Noch im Prozess ist der endgültige Kooperationsvertrag, der alles Rechtliche regelt.

Die Zielgruppe ist die grüne Mittelschicht, die nicht auf Genuss und Luxus verzichten möchte, dabei aber ein gutes Gewissen haben will und daher auch mehr für nachhaltige Produkte auszugeben bereit ist. Die Zielgruppe ist altersmäßig schwer greifbar, wir haben aber versucht 25 bis 40-Jährige zu fokussieren.

1 Monat vor Start: Produktbilder / Beschreibung

In dieser Zeit haben wir die ersten Prototypen erhalten und angefangen an den unterschiedlichsten Orten Fotos für die Kampagne zu schießen. Felix brachte hier das gesamte technische Knowhow mit, sodass wir hierfür nicht viel ausgeben mussten. Zeitintensiv war es trotzdem, daher sollte hierfür auf jeden Fall ausreichend Zeit eingeplant werden. Neben der Produktpräsentation erstellten wir auch erste Listen von Freunden und Bekannten, die gerne einen RELAXFAIR kaufen würden um die 20% in den ersten 48 Stunden zu erreichen. Als Finanzierungsziel legten wir 10.000$ fest, daher mussten wir 2.000$ einnehmen. Bei der Währung konnte man zwischen Dollar und Euro wählen. Unsere Entscheidung wurde maßgeblich von der technischen Voraussetzung Indiegogos beeinflusst, die Kreditkartenzahlungen nur bei der Dollar-Währung zuzulassen.

1 Woche vor dem Start: Letzter Schliff

In der letzten Woche vor dem Kampagnenstart wurde das Produktvideo vollendet (hier sollte man am besten mehr Zeit einplanen!) und auch die Beschreibung bekam ihren letzten Schliff.

15.10.2016: Launch der Kampagne

Der Kampagnen-Launch fand auf einem Musikfestival nahe Karlsruhe statt. Zwischen zwei Bandauftritten bekamen wir Zeit um im Beisein vieler RELAXFAIR-Fans das Projekt vorzustellen und den roten Button zum Start der Kampagne zu drücken.

Nach 48 Stunden: 22% der Finanzierungssumme erreicht

Unseren ersten Meilenstein erreicht wir wie geplant nach 48 Stunden. Neben vielen Freunden und Bekannten bestellten aber auch uns völlig fremde Unterstützer (beispielsweise aus Italien) einen RELAXFAIR.

1. Woche: Soziale Netzwerke

Mittlerweile ist die erste Woche vorüber. Wir hatten uns für die erste Woche auf Instagram und Facebook fokussiert, allerdings nur mit geringem Erfolg, woraus wir die Lehre ziehen, dass die sozialen Netzwerke zwar gut für den Aufbau der Markenbekanntheit sind, den Schritt uns zu unterstützen gehen allerdings viele nicht.

Ausblick

Im Bereich Crowdfunding sind folgende Länder Vorreiter: USA, Kanada, UK, Australien und Deutschland. Blogs, Magazine und Facebook-Seiten aus diesen Ländern, die gezielt unsere Zielgruppe ansprechen, werden nun von uns kontaktiert und angefragt, um unser Projekt zu promoten. Erste Anfragen in Deutschland ergaben viel positive Resonanz. Als nächstes folgen dann erste Vertriebsanfragen bei Einrichtungshäusern, die bereits nachhaltige Möbel in den genannten Ländern vertreiben.

Es bleibt auf jeden Fall spannend! Wenn du unser Projekt cool findest und/oder gerne die Unterstützer-Seite einer Crowdfunding-Kampagne kennenlernen möchtest, freuen wir uns auf dich!

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