Community mit 5.000 Mitgliedern in 12 Monaten - Der Start

Community mit 5.000 Mitgliedern in 12 Monaten - Der Start

In den kommenden 12 Monaten möchte ich eine Community mit 5.000 Mitgliedern aufbauen.

Diesen Prozess möchte ich auf dieser Seite in Form eines Tagebuchs dokumentieren und über alle Erfolge und Misserfolge beim Community Management berichten.

  • Doch warum soll die Community aufgebaut werden?
  • Gibt es nicht schon genügend Communities und Gruppen im Internet?
  • Und warum meine ich, dass ausgerechnet ich eine funktionierende Online-Community aufbauen kann?

Diese Fragen möchte ich gerne in diesem heutigen ersten Beitrag klären und dir einen kleinen Einblick in mein Vorhaben geben.

Am besten fange ich mit einer kurzen Vorstellung an:

Mein Name ist Melchior und mich faszinieren menschliche Organisationen und das Miteinander von verschiedenen Individuen schon sehr lange. Egal ob wir unser Familienleben, unsere Religion, Nachbarschaft, Nationalität oder unser Arbeitsumfeld betrachten. Überall entsteht ein Miteinander und eine Gruppendynamik. Je größer die emotionale Bindung zu den anderen Gemeinschaftsmitgliedern ist, desto wichtiger ist uns die Gruppe.

In meinem Leben war ich schon immer in verschiedensten sozialen Gruppen: In religiösen Gruppen, in meiner Familie, im Freundeskreis, in Sportvereinen und nicht zuletzt in der Schule und Uni. In meinem Angestelltenleben habe ich sowohl große staatliche Organisationen (Bundeswehr) als auch kleine Mittelständler und die Konzernwelt kennen gelernt. Überall konnte man Gruppendynamiken erkennen und es haben sich immer hierarchische Strukturen gebildet. Manchmal von außen befohlen (Bundeswehr) und manchmal von innen heraus (Sportverein).

So wirklich glücklich und aufgehoben habe ich mich aber nur selten gefühlt. Mit meiner nebenberuflichen Selbständigkeit und meinem Interesse an persönlicher Weiterentwicklung habe ich in der kleinen Steuerkanzlei, in der ich jahrelang gearbeitet habe, nur wenige Gleichgesinnte getroffen. Auch mein Freundeskreis und meine Familie können nur wenig damit anfangen, was ich genau mache. Ich glaube, so geht es vielen, die sich selbständig machen und den Standard-Weg verlassen.

Eine wirkliche Zugehörigkeit habe ich in verschiedenen Online-Communities gefunden. Hier finde ich Gleichgesinnte und Menschen, die ähnlich denken wie ich. Für mich persönlich war der Citizen Circle von Tim Chimoy die erste Gemeinschaft, in der ich mich richtig verstanden gefühlt habe.

Und damit komme ich zurück zum Thema ;)

Ich habe festgestellt, wie mächtig soziale Zugehörigkeit ist.

Zeige mir deine Freunde und ich sage dir wer du bist

Griechische Sprichwort

Früher war es viel schwieriger sein Umfeld bewusst auszuwählen. Heute geht das mit einer simplen Suche bei Facebook, Google oder meetup.com. Es ist so einfach geworden inspirierende Menschen zu finden und in Kontakt mit ihnen zu treten. Die Lets see what works Community ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Wenn du dich selbständig machen möchtest, bist du in dieser Gemeinschaft deutlich besser aufgehoben als im Amtsgericht von Niederstotzingen.

Jetzt aber Butter bei die Fische: Was habe ich vor?

Nachdem ich gemerkt habe, welche Macht Online-Communities entwickeln können, habe ich mich damit beschäftigt, wie man als Business solche Gemeinschaften aufbauen und nutzen kann. Seitdem unterstütze ich Unternehmen beim Aufbau von Communities und habe schon einige interessante Projekte umgesetzt.

Seit einigen Wochen gehöre ich nun zum Team von Kontist und bin dafür zuständig, eine Community rund um das Unternehmen und das Produkt aufzubauen. Kontist ist ein Berliner Start Up, das ein Geschäftskonto für Selbständige anbietet. Der Slogan “Das Geschäftskonto von Selbständigen für Selbstständige” soll hier kein einfacher Werbespruch sein, sondern aktiv gelebt und noch viel stärker in die Welt getragen werden.

Eine Community macht auch für Unternehmen in vielerlei Hinsicht Sinn:

  • Marketing - Die Kunden werden zu einer Art Markenbotschafter und empfehlen das Produkt aktiv weiter.
  • User generated Content - Die User generieren Content, der bei Google etc. rankt
  • Kundenbindung - Durch eine höhere emotionale Identifikation mit Kontist sind die Kunden treuer und die Customer Lifetime ist deutlich höher
  • PR/Kommunikation - Durch die Community ist Kontist in der Lage für eine größere Masse zu sprechen als nur für sich. Dadurch wird das Unternehmen für die Berichterstattung attraktiver (vergleichbar mit Verbänden/Interessensvertretungen)
  • Support - Kunden helfen sich in der Community untereinander
  • Entwicklung - Kontist muss die Community nur beobachten, um die Wünsche und Interessen für die weitere Entwicklungen herauszufinden.
  • Mehrwert für das Produkt - Eine aktive Community ist schon allein betrachtet ein Mehrwert für viele Selbständige, wenn sie dort ein Netzwerk und Hilfe für ihre Selbständigkeit finden
  • Recruiting - In einer Gruppe von Produkt-Fans findet man deutlich leichter motivierte Freelancer und Mitarbeiter, da das Produkt, Grundwerte und Ziele schon bekannt sind

Was in der Theorie ganz interessant klingt, ist in der Praxis harte Arbeit und alles andere als ein Spaziergang. Dass Community Building kein Zuckerschlecken ist, weiß jeder, der selbst schon einmal versucht hat, eine eigene Community aufzubauen oder die Geschichte von LSWW verfolgt hat. Meist ist es ein steiniger Weg.

Außerdem birgt eine Corporate Community eine immense Gefahr, wenn man auf schnelles Geld aus ist oder den Kunden in irgendeiner Weise täuschen will.

Community Marketing im Einsatz beim Community Management ist geprägt von Transparenz und Dialog. Klassische Werbung funktioniert nur in eine Richtung, eine Community lässt sich nicht so leicht beeinflussen. Auf eine Litfasssäule kann ich deutlich mehr Mist schreiben als in eine Community posten. Dort fliegt er mir sofort um die Ohren und die anderen User wenden sich von mir und dem Unternehmen ab.

Noch eine Community für Selbständige? Wozu das denn?

Im Internet findet man eine große Anzahl von Gruppen für Selbständige. Deshalb waren die großen Fragen, die ich mir zu Beginn gestellt habe:

  • Muss es unbedingt noch eine eigenständige Community sein oder macht die Kooperation mit einer bestehenden Sinn?
  • Was kann ich anders machen als die bisherigen Communities? Was ist mein USP?
  • Ist der Markt nicht schon lange übersättigt?
  • Welche technische Basis will ich nutzen?
  • Wie will ich Mitglieder gewinnen?

Dafür habe ich mir alle größeren Communities angeschaut, die es im Bereich Selbständigkeit gibt. Dazu habe ich zum Beispiel folgende Gruppen gefunden:

Was mir sofort aufgefallen ist: Es macht wahrscheinlich keinen Sinn “Selbständige” als Zielgruppe zu nehmen. Diese Personengruppe ist zu groß und heterogen. Wenn ich einen gemeinsamen Nenner finden möchte, wird es sehr schwer, sich von den bestehenden Gruppen und Communities zu unterscheiden.

Auf den Lösungsansatz bin ich bei der Marktrecherche gekommen:

Wenn Selbständigkeit generell ein zu breiter Fokus ist, muss die Kontist-Community spezieller werden und nur einen Teilbereich abdecken.

Dafür gibt es grundsätzlich zwei Ansätze:

  • Ich konzentriere mich auch eine ganz bestimmte Untergruppe von Selbständigen (z.B. Digitale Nomaden oder Coaches)
  • Ich konzentriere mich auf ein ganz bestimmtes Thema oder ein ganz bestimmtes Problem (z.B. Online Marketing oder Unternehmensführung)

Da sich Kontist bei seinem Geschäftskonto nicht auf eine bestimmte Branche konzentriert, macht die Spezialisierung auf eine bestimmte Untergruppe von Selbständigen keinen Sinn. Schließlich können sowohl Digitale Nomaden als auch Designer oder Programmierer Kunden werden.

Die Lösung liegt also in der Konzentration auf ein bestimmtes Thema. Da Kontist eine Banking-App ist, musste ich nicht lange suchen, um ein naheliegendes Thema zu finden.

Finanzen für Selbständige, Freelancer und Solopreneure

Das Thema Geld ist ein sehr sensibles Thema und nur wenige Menschen reden offen über ihre Einnahmen und Ausgaben. Auch viele Selbständige sind der Meinung, dass man über Geld nicht spricht. Das sorgt jedoch dafür, dass viele Gründer mit unrealistischen Erwartungen in die Selbständigkeit starten und die Themen Steuern, Versicherungen, Liquidität und Finanzierung häufig wie weiße Flecken auf einer Landkarte sind.

Da das Thema auch mich immer wieder betrifft, habe ich einen persönlichen Bezug zu dem Thema. Ich habe ein großes Interesse daran, eine ehrliche, authentische und unterstützende Gemeinschaft aufzubauen. Im Idealfall kann ich dafür sorgen, dass andere nicht die gleichen Fehler machen wie ich.

Der persönliche Bezug zum Thema ist für mich unverzichtbar. Sonst würde die Motivation wahrscheinlich nicht ausreichen für dieses Vorhaben. Community Building ist mehr als ein Vollzeitjob. Man sollte immer präsent sein. Auch abends, am Wochenende, Urlaub und Feiertagen.

Mindestvoraussetzung: Kritische Masse

Soziale Gruppen haben eine kritische Masse. Wenn man die nicht erreicht, entsteht keine Gruppendynamik und die Community ist nicht in den Köpfen der Mitglieder. Aber das ist genau das, was ich erreichen möchte. Ich möchte, dass meine Community als erstes in den Köpfen der Selbständigen ist. Immer wenn sie über Steuern, Stundensatzkalkulation oder Finanzmanagement nachdenken, sollen sie an die Community denken. Nur so entsteht ein Gruppengefühl und eine Dynamik, die von mir persönlich unabhängig ist.

Wie groß diese kritische Masse ist, lässt sich leider nicht allgemein sagen. Sie ist abhängig von verschiedenen Faktoren, bei denen ich die emotionale Bindung, das Commitment der Mitglieder und die technischen Hürden als die wichtigsten betrachte.

  • Emotionale Bindung - Je größer die emotionale Bindung zwischen den Mitgliedern, desto größer ist die Aktivität. Aus diesem Grund ist es sehr hilfreich, wenn man als Gruppe regelmäßige Meetups veranstaltet. So lernen sich die Mitglieder besser kennen, was das Zusammengehörigkeitsgefühl steigert und sich letztendlich auch in der Aktivität der Mitglieder niederschlägt.
  • Commitment - Je höher die Einstiegshürden sind, desto geringer ist die kritische Masse. Wenn die Mitglieder beispielsweise 100 Euro pro Monat für die Mitgliedschaft zahlen, sind sie deutlich motivierter sich aktiv einzubringen (im Vergleich zu einer kostenlosen Mitgliedschaft). Die Schattenseite: Es ist schwieriger Mitglieder zu finden, wenn die Einstiegshürden hoch sind.
  • Technische Hürden - Je einfacher es für die Menschen ist, sich aktiv in der Community einzubringen, desto geringer ist die kritische Masse. Das ist der Grund, warum so viele Foren im Internet mit dem Überleben kämpfen oder aussterben. Sie sind einfach nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik und die Usability ist schlecht.

Facebook nimmt beim Community Building eine Sonderrolle ein. Es ist zugleich Fluch und Segen.

Auf der einen Seite ist es durch Facebook viel einfacher geworden Menschen zu versammeln und mit ihnen in Kontakt zu treten. Etwa 25 Millionen Deutsche sind regelmäßig auf Facebook, die Technik ist jedem bekannt und die Einstiegshürden in eine neue Gruppe sind sehr niedrig. Das macht das Community Management auch deutlich einfacher.

Auf der anderen Seite ist deine Gruppe nur ein Teil einer größeren Community (und zwar der von Facebook) und du stehst im ständigen Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit deiner Gruppenmitglieder.

Meine Zielsetzung

Da ich mit 5.000 Mitgliedern im ersten Jahr ein ambitioniertes Ziel gewählt habe, möchte ich von den Vorteilen Facebooks profitieren und habe mich für eine Facebook-Gruppe entschieden. Ob ich diese Community irgendwann in der Tiefe weiter ausbaue und einen separaten Mitgliederbereich schaffe, entscheide ich mit Kontist später. Gruppendynamik lässt sich nur bedingt im Voraus planen.

Meine Zielsetzung:

Und mit dieser Zielsetzung möchte ich mich verabschieden. Ihr hört in etwa 4 Wochen wieder von mir. Bis dahin sollte ich die ersten Learnings aus dem Start mitgenommen haben, die ich selbstverständlich mit euch teile.

7 Kommentare

  • Hi Melchior, ich bin gespannt wie es bei dir in den nächsten Monaten weitergehen wird. Hast also einen weiteren Leser deiner Blogbeiträge 😎Beste Grüße von Marco
  • Melchior, ich kenne Dich ja schon eine Weile und ich würde mich überhaupt nicht wundern, wenn Du bis zum 31.5 die doppelte Anzahl an Mitglieder erreichen würdest ;-) Ich freue mich auf deine Up-Dates.

    Viel Erfolg&
    LG Silvi
  • Hi Silvi,

    danke für die Vorschusslorbeeren. Ich gebe mein Bestes :)

    Liebe Grüße
  • Hallo Melchior,
    ich bin begeistert über dein ambitioniertes Vorhaben! Auch wir möchten eine Community aufbauen, haben aber die Schwierigkeit einen Community Manager mit IT Hardware Kenntnissen zu finden. Die Kombination aus Online Marketing Kenntnisse und IT Hardware Kenntnisse stellt sich als sehr schwer dar. Technik und Marketing scheint irgendwie nicht zusammenzupassen ;-) Hast du eine Idee wie wir eine solche Community ans Laufen kriegen könnten?
  • Hi Sylvia, klingt spannend :)

    Das Thema eignet sich zumindest theoretisch hervorragend. Communities funktionieren immer ganz gut bei sehr emotionalen (Haustiere, Urlaub usw.) und sehr erklärungsbedürftigen Themen (z.B. IT, Selbständigkeit usw.)

    Eine Herausforderung ist wohl die Mentalität der Zielgruppe. Techies sind häufig eher introvertierte Typen und für eine Community braucht man immer ein paar extrovertierte Mitglieder, die ein wenig für Action sorgen und die anderen mitziehen. Das Problem kenne ich gut aus der Steuerberatung, da stehe ich vor den gleichen Problemen.

    Wenn du magst, können wir gerne auch einmal skypen und gemeinsam brainstormen? (Schreib mich gern auf Facebook an)
  • Hallo Melchior,

    nach genau solchen Infos bin ich gerade auf der Suche, aber anstatt dass ich diesen Beitrag durch googeln gefunden habe, ist er mir in Form des LSWW Newsletters (Danke Christian, einer der wenigen Newsletter die ich wirklich immer lese, super Content & Mehrwert) in die Mailbox geflattert. Ich baue auch gerade eine Community auf (für Virtuelle Assistentinnen) und bin noch ganz am Anfang. Dein ambitioniertes Ziel nehme ich mir mal als großes Vorbild. Ich bin gespannt, was Du nächsten Monat berichtest. Bis dahin alles Gute!
    Sandra vom VA Blog
  • Hi Sandra,

    da bin ich wohl verrutscht, sorry.

    Danke für dein Feedback :) Ich bin selbst gespannt. Ich habe viele Ideen und Ansätze, aber ob und wie die funktionieren werden, muss ich jetzt austesten.

    Viel Erfolg mit deiner Community :)

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