Ein Buzz-Marketing Guide für Startups und warum hier dein USP bereits anfängt

Ein Buzz-Marketing Guide für Startups und warum hier dein USP bereits anfängt

Wo anfangen, wenn man am Anfang steht? Ich spreche so häufig mit Menschen darüber, wie man eigentlich ein Startup launcht. Dabei geht es  selten um den Produktlaunch, sondern um den Marketing-Buzz, den man erzeugen möchte. Häufig wurde über Monate ein tolles – und manchmal viel zu fertiges – Produkt gebaut, auf das das Marketing Team so lange gewartet hat.

Und dann kommt der Tag, an dem der CTO „fertig“ sagt. Eine Situation, die ich selbst so oft durchlebt habe. Heute weiß ich es besser: Wer erst mit Marketing anfängt, wenn das Produkt fertig ist, der ist zu spät dran.

Zwar habe ich mit FastBill mit meinem Co-Founder René ein mittlerweile gut sichtbares Startup aufgebaut, aber ganz so einfach reproduzierbar ist es dann doch nicht. Es gab Aktionen – wie z.B. unsere Startup Tour – mit denen haben wir guten Marketing-Buzz erzeugt. Aber wie genau?

Ein Rückblick.

Es ist schwer bei Null anfangen zu müssen. Das erlebe ich selbst immer wieder. Ganz aktuell z.B. bei FastBill, wo wir gerade in Brasilien starten, oder bei Recommend.to, wo wir versuchen ein neues Startup hier in Deutschland zu launchen und sichtbar zu machen.

Auch, wenn es nicht einfach ist, so gibt es ein Muster. Es ist das Muster, was ich meinem Team mitgebe und mit diesem Beitrag auch gerne mit anderen Gründern teile. Die Presse-Welt wird es mir vielleicht auch danken. Und am Ende ist es dann doch ganz einfach…

Marketing fängt viel früher an, als man denkt

Diese Erkenntnis ist schon die halbe Miete. Es gibt so vieles vorzubereiten, was auch ohne Produkt passieren kann. Wenn ich denn wirklich einen Guide für Marketing-Buzz schreiben müsste, dann hätte er diese Kapitel:

1. Vorbereiten | Definiere dein Thema

Dahinter steckt die Idee eine Botschaft zu formulieren, mit der man hinaus auf die Menschheit zugehen kann. Welches Problem möchte ich lösen, welche Welt soll gerettet werden? Zu wissen, was man eigentlich macht, ist die Grundlage von allem.

Viel wichtiger ist aber dann herauszufinden, welche Multiplikatoren sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen. Das können Blogger oder Journalisten sein, oder Menschen mit tausenden Facebook Freunden. Buzz-Marketing bedeutet eigentlich nichts anderes, als Menschen mit Reichweite auf die eigene Seite zu holen, und zwar aus Überzeugung, nicht durch überreden. Den gewonnenen Traffic kannst du dann durch z.B. einen Signup oder ein Freebie Download bewerten.

Ein Beispiel: Mein Thema ist „Buchhaltungssoftware für Startups in Brasilien“. Meine Zielgruppe für den Launch-Buzz sind kleine Unternehmen, die Technologie-affin sind… nennen wir sie „Startups“. Meine Multiplikatoren sind die Menschen, die Einfluss auf Startups haben. Das können Autoren bei Gründerblogs wie Startupi.com.br sein, aber genau so gut Mentoren für Startups, die man auf großen Bühnen findet: Startup CEOs, Gründer von Inkubatoren, Business Angels oder VCs, oder auch Hardcore-Netzwerker, die gut verdrahtet sind. Jeder kenn solche Menschen, und es ist einfach diese anzusprechen. Ist das Thema klar, dann solltest ihr…

2. auf Augenhöhe kommen

Die richtigen „Targets“ sind also identifiziert. Das Buzz-Marketing kann losgehen… fast. Denn hier fängt der wichtigste Teil erst an. Es geht darum eine Beziehung aufzubauen um am Ende auf dieselbe Augenhöhe zu kommen. Kein Pitch! Kein Berwerben! Kein Bitten!

Der gemeinsame Nenner ist bereits vorhanden: Das Thema (aus Punkt 1). Der erste Schritt ist manchmal schwierig, aber auch hier gibt es bewährte Methoden:

1. Intros machen lassen – Jeder kennt mittlerweile jemanden, der jemanden kennt. Die beste Form der persönlichen Anbahnung ist immer eine Intro. Ein Beispiel kannst du hier unter Punkt 2 finden. Eine Intro ist immer ein Vertrauensvorsprung, eine Vorqualifikation sozusagen. Der Influencer, der nun vorgestellt wurde, hat quasi keine Chance nicht zu reagieren. Das würde die Reputation kaputt machen.

2. Auf Events ansprechen, wenn du schon vorher weisst, dass er/sie der/die Richtige ist. Nichts ist schlimmer als auf einem Event vor jemandem zu stehen und nicht zu wissen, was man eigentlich von einander will. Trotz der lustigen Bier-Stimmung sind solche Events immer noch ein wenig Business. Die Zeit ist knapp, man will so viel wie möglich mitnehmen. Deshalb: Am besten vorher wissen, zu wem man will. Ich selbst suche mir in der Regel ein oder zwei Leute raus und gehe dann zielstrebig los. Ist die Mission erfüllt, kann der Bier-Anteil gerne Überhand nehmen.

3. Auf Facebook oder Twitter oder in der LSWW Community stalken! Hört sich komisch an, ist aber eigentlich eine gute Möglichkeit sich halbwegs annonym heranzutasten. Mal hier ein Like, mal da ein Kommentar. Das geht auch ohne Berührungsängste. Nichts leichter als das. Ganz unbewusst wird so der erste virtuelle Kontakt aufgebaut und der gemeinsame Nenner identifiziert. Wichtig: Eine Facebook Conversation ist NICHT ausreichend um von „Augenhöhe“ sprechen zu können! Mach hier weiter.

Es gibt am Ende mehrere Wege mit den richtigen Menschen in Kontakt zu kommen. Jetzt geht es um die richtige „Execution“. Damit meine ich die richtige Sätze zum passenden Thema zum richtigen Zeitpunkt parat zu haben.

Man kann sagen „Hey, ich hab gesehen, du schreibst über x und y“. Oder „Ich wollte dich kurz zum Artikel über x bei y beglückwünschen. Nicht schlecht, sehe ich genau so.“ Toll ist natürlich, wenn man solche Dinge abrufbar hat. Deshalb „stalken“, bzw. lernen, was der Mensch so macht und was ihn beschäftigt, und dann im richtigen Moment zuschlagen.

3. Eine Beziehung aufbauen

Eine Beziehung entsteht nicht von heute auf morgen. Es ist ein langfristiger Prozess. Es gibt Gründer, die sind so vergesslich, dass sie mich auch nach dem 5. Kennenlernen noch nicht kennen 😉 Egal, dann eben nicht. Aber es gibt andere Menschen – gleich ob Gründer, Influencer, Blogger oder Journalisten – die kennen mich. Die kennen mich deshalb, weil wir uns die Zeit für einander genommen haben um uns kennenzulernen. Wir waren deshalb bereit dazu zu tun, weil wir einen gemeinsamen Nenner hatten (Punkt 1) und uns (zufällig) getroffen haben (Punkt 2). Warum also nicht einfach mal Mittagessen gehen oder per Skype 15 Minuten sprechen? (Punkt 3).

Das Schöne an diesem Job: So eiskalt kalkuliert sich das anhört, so viel Spass macht es auch. Und Journalisten wollen es eigentlich auch so. Die Beschreibung dieser Abläufe ist nichts anderes als der Aufbau eines Netzwerks. Es geht dabei viel um „Geben“. Kein Kuhhandel, keine Schuld begleichen. Es geht darum anderen Menschen etwas gutes tun zu können, indem man selbst z.B. mit einer Intro oder einem spannenden Artikel hilft, oder bei einem unterhaltsamen Bierchen über ein gemeinsames Thema philosophiert. Der Austausch von Wissen wird so häufig unterschätzt. Ich selbst erzähle so häufig Geschichten aus meinem Leben und bekomme das Feedback, dass es hilfreich ist. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Unternehmer – egal in welchem Stadium – eine solche Geschichte erzählen kann. Teilt eure Erfahrungen!! Übrigens auch gerne in der Community.

Diese Phase kann lange dauern, ist aber am Ende deine USP (unique selling proposition), wenn es um Buzz-Marketing geht.

Eine persönliche Beziehung kann niemand kopieren.

4. Zünden – Platziere deine Buzz-News

Bei all dem persönlichen Beziehungsaufbau darf man am Ende nicht vergessen, das Tor zu verwandeln. Du weisst mit wem du zu tun hast und wie deine Geschichte lautet.

Dein Produkt ist fertig und der Buzz kann losgehen. Also: ***BÄÄM, FEUERWERK*** –> Marketing-Buzz

So könnte es sein. Das Wichtigste ist, dass du nicht jetzt erst bei Null anfängst und Pressemitteilungen verschickst, sondern deinen neuen Freunden und deinem Netzwerk eine News mitteilst, über die sie sich mitfreuen. Manchmal, wenn es eben passt, dann folgt auch eine Veröffentlichung und der Buzz geht los.
Der Nachteil: Diese Methode ist nicht kalkulierbar und kann am Ende auch ggf. keinen Buzz erzeugen. Ist mir selbst auch schon häufig passiert, sehr häufig sogar. Manchmal interessiert es dann einfach keinen. Oder irgendwas in den 4 Schritten hat noch nicht richtig funktioniert. Vielleicht war die Botschaft nicht toll genug, vielleicht passte der Zeitpunkt auch gerade nicht. Manchmal steckt man als Gründer auch zu sehr in seinem Mikro-Kosmos oder hat zu sehr die „Wir verändern die Welt“-Brille auf. An dieser Stelle ist es wichtig nicht aufzugeben, sondern das Feedback aufzunehmen und von vorne anzufangen. Die nächste News kommt bestimmt.

Das richtige Werkzeug nutzen

Wer es gerne strukturiert mag, der kann diesen Ablauf auch gerne als Marketing-Buzz-Sales-Funnel betrachten. Nutze gerne Tools wie Pipedrive und strukturiere den Ablauf in z.B diese Phasen:

  1. Wen ansprechen
  2. Erster Kontakt erfolgt, warte auf Antwort
  3. Antwort bekommen, ist positiv
  4. Engagement / Essen gehen / Skypen / Chatten
  5. Buzz-News streuen
  6. Veröffentlichung erfolgt

Alles keine Magic, aber auch kein starres Muster! Wie sind deine Erfahrungen?

Viel Spass beim Netzwerken.

Christian

Titelbild: Wil Stewart via Unsplash | Public Domain Dedication

4 Kommentare

  • Die Idee hinter Recommend ist klasse. Allerdings sehe ich darin ein aufgebohrtes Tell a Friend- Tool, was in Deutschland ja nicht erlaubt ist, da keine Einwilligung des Empfängers vorliegt, ähnlich wie bei Newslettern, die ungefragt verschickt werden. Oder hab ich was übersehen?
  • Hey Schnappi, Jonathan hier, CEO von Recommend.to. Du siehst das schon richtig das es bei emails problematisch sein kann http://bit.ly/1MB0eb3 Wir geben allerdings genau wie Uber und Hellofresh etc. quasi nur einen Link zum sharen raus, der dann auf Facebook und twitter etc. geteilt werden kann. Soweit ich das verstehe sind wir damit auf der sicheren Seite. Probier's einfach mal aus www.recommend.to
  • Hi Christian!
    Danke für diesen extrem wichtigen Bericht. Ich habe manchmal den Eindruck, vor lauter Internet und Social Media werden die Leute in Wirklichkeit unsozialer. Kontakte anbahnen, LEADs generieren, Verkaufen, das soll alles möglichst einfach und möglichst online passieren. Am besten durch Copy & Paste multiplizierbar, dass man es gleich an 1000 Leute schicken kann. Aber das bringt halt überhaupt nichts, ausser dass man es sich schnell mit 1000 Leuten verscherzt. Egal, welche Marketingkanäle du nutzen willst – es braucht richtig viel persönliches Engagement um damit Erfolg zu haben.
    Liebe Grüße,
    Matthias
  • ja, so ist es. Mit Qualität kann man eben den Unterschied machen.

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