Buch schreiben: Meine Stolpersteine auf dem Weg zum Sachbuch

Buch schreiben: Meine Stolpersteine auf dem Weg zum Sachbuch

Ich habe schon lange den Traum gehabt, ein eigenes Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. So setzte ich mich bereits zu Schulzeiten hin und wollte Geschichten aufschreiben, aus denen ich später unter Umständen einen eigenen Roman basteln kann. Doch das war nur die fixe Idee eines Pubertierenden. Dass ich am Ende mal ein Buch schreiben würde, habe ich nicht für möglich gehalten. Hätte ich damals nur gewusst, was es heißt, ein Buch zu schreiben… Doch schrieb ich am Ende das Anwender Handbuch für Shopware.

Buch schreiben: Wie kam es zum Verlags-Vertrag?

Ursprünglich war das Buchprojekt gar nicht geplant. Im Sommer 2016 machte ich mich nebenberuflich selbstständig. Von Beginn an war für mich, dass mein Marketing maßgeblich aus Content Marketing besteht. Dieses bestand zu einem Großteil aus SEO-optimierten Blogartikeln. Zusätzlich habe ich mit meinen Erfahrungen gern in bestimmten Facebook Gruppen geholfen. Das ist auch heute noch mein hauptsächlicher Marketing Mix. Er funktioniert gut.

Durch den bestehenden Content auf meiner Webseite und den Aktivitäten in den Facebook Gruppen, welche sich mit Shopware und eCommerce auseinandersetzen, konnte ein Außenstehender sich einen guten Überblick über meine Kompetenzen verschaffen. Dort antwortete ich auf Fragen, welche die Community stellte oder postete meine eigene Blogartikel. So kam es, dass ein Mitarbeiter des Rheinwerk Verlages auf mich aufmerksam wurde. Am 07. Juli 2017 erhielt ich also eine eMail aus dem Rheinwerk Verlag. Bei dem Betreff "Interesse an Buchprojekt?" dachte ich an eine Spam Mail. Dennoch las ich sie und konnte von einen auf den anderen Moment mein Glück kaum fassen. Die kurze eMail umfasste Informationen, woher der Absender mich kannte und welche Bücher in ähnlicher Richtung bereits im Verlag veröffentlicht wurden. Ein konkretes Projekt gab es nicht, dass der Verlag umsetzen wollte - alles war möglich. So war es eine erste Idee, ein Shopware Anwenderbuch zu schreiben.

Also meldete ich mich beim Verlag und wollte mich für die gebotene Chance bedanken und mein Interesse signalisieren. Nach ein wenig eMail Kommunikation gab es das erste Telefonat. Dort einigten wir uns auf das Projekt: das Shopware Anwenderbuch.

Doch auch wenn der Rahmen stimmt - die menschliche Chemie und das Projekt - an dieser Stelle gab es noch kein Projekt. Es musste zunächst ein Konzept her.

Die Anfänge des Buch schreibens: das Konzept erstellen

Bevor es nun ans Schreiben ging, musste ich ein Konzept aufstellen, wie ich mir das Buch vorstelle. Dies war Voraussetzung. Das Konzept kann grob als späteres Inhaltsverzeichnis gesehen werden. Allein in das Konzept können einige Wochen Arbeit fließen. Natürlich nicht in Vollzeit, sondern neben bestehenden Projekten, schließlich wollen alle Kunden weiterhin bedient werden. Die wenigsten Kunden werden sich selbst und ihre Projekte hinten anstellen, damit ich ein Buchkonzept erarbeiten kann. An der Stelle fing er aber schon an - der Spagat zwischen Projekten, Buch und dem Privatleben. Wie schwierig dieser Spagat später werden sollte, war mir an der Stelle noch gar nicht bewusst.

Mein erster Entwurf eines Konzept war in einem Wort gesagt: Schrott. Es bildete lediglich das Menü und die einzelnen Funktionen von Shopware ab. Braucht es dafür ein eigenes Buch? Eher nicht, denn das kann die Shopware Online-Dokumentation auch. So besprach ich das Konzept mit meinem Ansprechpartner und mir wurde ziemlich schnell klar, was an dem Konzept geändert werden muss. Schließlich sollte das Buch nicht erscheinen, um des Erscheinens Willen, es braucht auch eine Daseinsberechtigung.

Also verwarf ich das erste Konzept und begann von vorn. Der zweite Entwurf kam dem schon nahe, was heute im Buch zu finden ist. Ab diesem Zeitpunkt mussten noch Details geändert werden, aber die grundsätzliche Ausrichtung waren nun gefunden. Ein erster, kleiner Meilenstein. Inzwischen war es August und mein Sommerurlaub stand bevor. Ich wollte das Konzept noch vor dem Urlaub abschließen. Mit ein wenig Konzentration gelang mir das auch. Und nun? War das Buchprojekt damit geboren.

Leider noch nicht. Denn das Konzept war mehr oder weniger das Verkaufsargument an ein Gremium im Rheinwerk-Verlag. Dort wurde entschieden, ob das Projekt realisiert wird. Mein Ansprechpartner im Verlag setzte sich für das Buch ein. Im Vertrauen darauf, wartete ich die Entscheidung also ab. Die Entscheidung fiel in meiner ersten Urlaubswoche, am 25. August erhielt ich die positive Rückmeldung. Der Verlag wollte das Shopware Anwenderbuch gemeinsam mit mir umsetzen. Welch ein Erfolg, ich war unheimlich euphorisch. Mit diesem Feedback konnte ich meinen Sommerurlaub noch mehr genießen. Anfang September 2017 erhielt ich schließlich den Vertrag vom Rheinwerk Verlag. Auch hier ist schon zu sehen, wie viel Zeit allein nur für das Konzept in Anspruch genommen wurde. Die Anfrage zum Projekt kam am 07. Juli 2017, der Vertrag wurde mir am 05. September 2017 zugesendet.

Damit ich nicht wild drauf los schreibe, wurden Teilabgaben vereinbart. Da der Verlag immer mit freien Autoren arbeitet, hat sich diese Arbeitsweise wohl bewährt. Nicht jeder ist professioneller Autor und schreibt von Beginn an so, dass alle Aspekte eines Buches berücksichtigt werden. Ein Faktor, den ich massiv unterschätzt habe.

Mein Ziel war es, das fertige Buch Ende Januar 2018 abzugeben. Ein sehr ambitioniertes Ziel, welches aus heutiger Sicht absolut unrealistisch war und viele Faktoren nicht berücksichtigte. Die Teilziele waren aber aus dem ursprünglichen Zeitplan abgeleitet und so wurde festgelegt, dass die ersten 100 Seiten bereits im Oktober 2017 vorliegen sollten. Weitere 150 Seiten sollten schon im November 2017 folgen. Ich dachte, dass ich das schon schaffen würde und so begann ich zu schreiben.

Buch schreiben: die ersten Wochen

Frisch aus dem Urlaub zurück, mit Autorenvertrag in der Tasche, machte ich mich an die Schreibarbeit. Der Rat meines Ansprechpartners war es, mit einfachen Dingen zu beginnen. Damit sollte ich einen leichten Einstieg in die neue Rolle als Autor finden.

Diesen Rat beherzigte ich und stieg mitten im Buch ein, anstatt mit dem ersten Kapitel. Schon an der Stelle merkte ich: ein Buch zu schreiben ist anders als ein Blogartikel. Zwar schreibe ich in meinem Blog auch seriös und sachlich, aber dort kann dann doch mehr mit kleinen Seiteneinwürfen und Erfahrungsberichten gearbeitet werden, die das ganze etwas auflockern. Und nach meinem Empfinden verträgt ein Blogbeitrag mehr Bilder als ein Buch. Also merkte ich recht schnell, dass ich meinen Schreibstil anpassen müsste.

Nach einigen Wochen waren die ersten 100 Seiten fertig geschrieben. In dieser Zeit habe ich noch versucht, die Schreibarbeit in meiner täglichen Arbeitszeit unterzubringen. Dass dies absolut nicht möglich ist, wurde mir erst nach einigen Wochen klar.

Die ersten 100 Seiten umfassten mehrere Abschnitte von verschiedenen Kapitel. Diese schickte ich zum Verlag. Und sie wurden komplett zerrissen.

Meine Erkenntnis: nur, wenn man gerne liest, heißt das nicht, dass man auch ein Buch schreiben kann.

Es gab etliche Punkte, die mit den ersten Seiten nicht in Ordnung waren. So war es teilweise so, dass zu viele Bilder zur Visualisierung genutzt wurden. Ich musste also lernen, ein Beispiel anhand eines Bildes ausführlich zu erklären. Es sollte schließlich ein Sachbuch und kein Bilderbuch werden. Zum anderen gab es keine Bezüge zu vorhandenen Bildern, was es dem Leser wieder schwerer macht zu verstehen, auf welcher Abbildung er schauen muss, um das beschriebene Beispiel zu verfolgen. Zudem brauchte jedes Bild eine Unterschrift, diese bin ich aus Unwissenheit ebenfalls komplett übergangen.

Eine andere Kritik war, dass der Aufbau eines Kapitels und Formatierung des Textes nicht nach den Vorgaben des Verlags gemacht wurde. Bei dem großen Glück, ein Buch über einen Verlag zu veröffentlichen, musste ich mich also auch daran gewöhnen, dass es gewisse Leitplanken gibt, an denen ich mich orientieren musste. Am Ende war ich froh um diese Leitplanken, da sie die Qualität des Buches massiv steigerten.

Also nahm ich mir nach dem ersten Feedback vor, die bestehenden Seiten zu optimieren, anstatt neue Kapitel zu beginnen. Wichtig war, dass Schreiber-Handwerk zu verstehen, anstatt sich in blindem Aktionismus zu verlieren. Dieser Zustand dauerte ebenfalls mehrere Wochen und erforderte zwei Korrekturschleifen.

Buch schreiben: Erste Zwangspause

Nachdem nun die ersten 100 Seiten akzeptabel waren, sollte es weiter mit neuen Kapiteln gehen. Doch irgendwie war die Luft raus… das Projekt begann im Sommer 2017 und nahm langsam Fahrt auf. Inzwischen wurden die Tage kürzer, die Nächte länger. Es pendelte sich ein, dass ich tagsüber den Projekten meiner Kunden nachging und ab dem späten Nachmittag zu schreiben begann. Meist dauerte eine Schreibsession bis ca. 22:00 Uhr. Nach einem Arbeitstag von sieben bis achten Stunden folgten also weitere fünf bis sechs Stunden, um das Buch zu schreiben. Lange Tage, die sich langsam bemerkbar machten.

So war ich froh, dass die ersten 100 Seiten vom Verlag akzeptiert wurden. Zunächst wollte ich drei Tage durchatmen, um wieder zur Ruhe zu kommen. Wieder Abends Zeit mit meiner damals Verlobten verbringen. Aus diesen drei Tagen wurden antriebslose zwei Monate. Jeden Tag sagte ich mir in dieser Zeit, dass ich heute Abend wieder mit dem Schreiben beginnen würde. Immerhin mussten auch weitere 150 Seiten an neuem Material vom Verlag begutachtet werden. Doch ich konnte mich nicht aufraffen. Inzwischen stimmte auch das mich unzufrieden. Mit jedem Tag der verstrich, kam die finale Deadline näher: der 31. Januar 2018. Zu diesem Datum habe ich mich mehr oder minder verpflichtet, das komplette Manuskript abzugeben. Und so stieg nicht nur die Unzufriedenheit, sondern auch die Frustration, dass selbstgesteckte Ziel nicht mehr zu erreichen. Im Nachhinein betrachtet, war das Ziel nie realistisch.

Und so kam es, dass ich erst zu Ende Januar weitere Kapitel zur Begutachtung einreichen konnte. Auch hier gab es noch Anmerkungen, aber bei weitem nicht so viele, wie nach dem ersten Schwung. Die Mängel waren auch nicht so groß, dass sie eine komplette Neufassung bedeutet hätten. Die Mängel waren im großen und ganzen die gleichen wie zuvor, nur dass diese nicht so ausgeprägt waren. Die bestehenden Materialien mussten nur im Detail überarbeitet werden. Und so konnte ich diese Kapitel zunächst so belassen, wie sie waren und mich zum Schluss daran setzen. Nun schrieb ich fleißig weiter und versprach einen neuen Abgabetermin: den 31. März 2018. Das heißt: ich hatte noch genau zwei Monate Zeit, um mein erneut selbstgestecktes Ziel zu erreichen.

Am Rande der Verzweiflung beim Buch schreiben: die Auswirkungen auf das Privatleben

Und auch dieses Ziel war von Anfang an nicht realistisch. Ich vermute, dass ich das Projekt so schnell wie möglich abschließen wollte. Ich musste aber feststellen, dass Qualität nicht schnell hinzuzaubern ist. Es braucht Zeit. Und so wunderte ich mich, dass ich manchmal über eine kleine triviale Funktion doch mehrere Seiten schreiben kann, während hingegen sie in einem Telefonat oder Gespräch innerhalb weniger Sätze erklärt wäre.

Doch mein Ziel war mir immer vor Augen: Ende März 2018. So gab es auch bereits ein geplantes Erscheinungsdatum. Den 25. Mai 2018. Passenderweise mein Hochzeitsdatum. Und so steigerte ich mich immer weiter in das Projekt hinein. So sehr, dass ich für einige Wochen keine Aufträge mehr annahm und wohl als untergetaucht bezeichnet wurde. Doch der Druck machte mir auch hier einen Strich durch die Rechnung. So kam es vor, dass ich am Ende eines Abends nicht eine fertige Seite hatte. Und immer begann die Rechnerei. Du kannst es noch schaffen, wenn…

Am Tiefpunkt beim Buch schreiben angekommen, steigt der Druck

Meine sinkende Laune, mein Rückzug und ein kleiner Hinweis von einem befreundeten Geschäftspartner änderten jedoch alles.

Gegenüber meiner heutigen Frau war ich schlecht gelaunt, sie hat viele schlechte Tage wegen mir ertragen müssen. Das ging so weit, dass ich immer innerlich immer gestresst war, wenn wir unterwegs waren und ich nicht vor dem Laptop zum schreiben sitzen konnte. Sie musste viel ertragen. Auch als sie verzweifelt war, wie es mit mir weiterging, habe ich entschieden, dass ich das Ganze entspannter angehen müsste. Also nahm ich Abstand von der vorher eingeführten 7-Tage-Woche mit ca. 12 bis 14 Arbeitsstunden täglich. Einen Tag in der Woche, zumeist der Sonntag, war ab sofort arbeitsfrei. Anfangs musste ich mich daran gewöhnen, doch so konnten es angenehme Tage werden.

Schließlich kam mir zu Ohren, dass Bücher, vor allem Fachbücher, oft verschoben werden. Das Konzept des Rheinwerk Verlages ist ja, dass sie freie Autoren beschäftigen. Sie sich einen Experten auf einem Gebiet und dieser darf dann sein Werk über den Verlag veröffentlichen. In der Zeit steht der Verlag mit Rat und Tat zur Seite und lässt seine Qualitätskriterien in das Buch einfließen. Das heißt aber auch: freie Autoren haben immer noch einen Hauptjob, den jeder gut machen möchte. So scheint es eher eine Regel als die Ausnahme zu sein, dass die Veröffentlichung von Büchern sich hinauszögert, teilweise mehrere Male - oder sie gänzlich abgesagt werden.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf konnte ich mich etwas entspannen. Das Projekt war weiterhin enorm wichtig, doch erlaubte ich mir wieder mehr Entspannung. Und ich nahm wieder neue Projekte an. Die Wochen davor waren gezeichnet von Schlafdefizit, gereizter Stimmung und Antriebslosigkeit.

Buch schreiben: Leichte Umstellung des Konzeptes und finaler Schliff

Seit ich wusste, dass es kaum Auswirkungen hat, wenn das Buch später erscheint, konnte ich zunächst ein paar Tage wieder etwas Kräfte sammeln. Der einzige Nachteil war, dass die Laufzeit des Buches verkürzt wurde. Wenn ein Buch zu einer Software erscheint, ist dieses natürlich nur so lange aktuell und relevant, wie die allermeisten Informationen in dem Buch aktuell sind.

Inzwischen wurde es Frühling und ich hatte etwas über 50% der geplanten Seiten fertig gestellt. Und mir wurde bewusst, dass mein Buch nicht an meinem Hochzeitstag erscheinen wird. Also war es an der Zeit, einen wirklich realistischen Zeitplan aufzustellen. Zunächst fiel mir dabei aber auf, dass ich einigen Themen im Konzept einen großen Raum eingeräumt habe. Das Thema Suchmaschinenoptimierung, zum Beispiel. Ich weiß um die Relevanz des Thema - vor allem, weil ich dadurch den Großteil meiner Kunden gewinne. Aber ich weiß auch, dass ich in diesem Thema nicht der Beste bin. Und dass es dazu bereits gute Fachliteratur gibt. Also entschied ich mich, verschiedene Themen lediglich anzureißen. Damit haben diese den entsprechenden Platz im Buch erhalten und ein Leser, der dieses Thema als wichtig erachtet, kann sich anhand dieser Informationen selbstständig passende Leselektüre suchen.

Damit schrumpfte die Anzahl der noch notwendigen Kapitel. Das war der erste Moment seit vielen Monaten, an dem ich Licht am Ende des Tunnels sah. Dies machte mir Mut. Es konnte weiter gehen, auf zum Finale.

Und tatsächlich, es lief über viele Strecken besser als zuvor. Ich schrieb mehr und flüssiger. Das liegt aber wohl eher weniger daran, dass das Ende in Sicht war. Zu diesem Zeitpunkt schrieb ich bereits rund acht Monate an dem Buch. Es kam der Zeitpunkt, an dem ich geübt war.

Ich wusste also, wie ich ein neues Kapitel beginnen musste. Wie ein Kapitel eingeleitet und ein Anwendungsfall oder eine Abbildung umschrieben wird. Die nachfolgenden Tipps wurden mir erst im letzten Viertel des Schreibprozesses bewusst.

Du willst auch ein Buch schreiben? Meine drei Tipps!

Nun ist es fertig, mein Buch. Das erste Nachschlagewerk für Betreiber eines Shopware Shops, welches auch offiziell von Shopware gegengelesen und korrigiert wurde. Im Laufe des Jahres, in dem dieses Buch entstand, habe ich einige Erkenntnisse gehabt, mit welchen Voraussetzungen man idealerweise ein Buch schreibt. Diese möchte ich nun mit dir teilen.

Ein leeres Blatt frustriert.

Oft sah man es bereits in Filmen über Schriftsteller. Sie saßen vor einem leeren Blatt und ihnen wollte partout nichts einfallen. Erst wenn die ersten zwei, drei Sätze zufriedenstellen sind, wird das Schreiben flüssiger. Und genau so ist es auch in der Realität. Ein weißes Blatt frustriert. Die Psychologie dahinter kenne ich nicht, aber ich habe gelernt, was dagegen hilft.

Bei einem neuen Kapitel solltest du bereits die Unterkapitelüberschriften in das neue Dokument schreiben. Damit hast du zwar zunächst nicht viel geschafft, aber es hilft in jedem Fall gegen eine Schreibblockade zu Beginn des Kapitels. Da du vor dem eigentlichen Buch ja idealerweise ein Konzept erstellt hast, kannst du also die angedachten Kapitel und Abschnitte zu Beginn aufschreiben.

Manchmal hat sich die ursprünglich gedachte Aufteilung als suboptimal erwiesen. Dann wird sie eben beim Schreiben verändert und an die Gegebenheiten angepasst. Wichtig ist, dass du die Falle eines weißen Dokumentes umgehst.

Suche neue Orte zum Schreiben.

In den allermeisten Fällen habe ich mein Buch am eigenen Schreibtisch geschrieben. Ab und an kam es dazu, dass ich an anderen Orten war. Zum Beispiel, weil ich geschäftliche Termine hatte. Dann habe ich mich in ein Café in der Nähe gesetzt, Kaffee getrunken und geschrieben. Dort konnte ich plötzlich freier Schreiben als zuvor. Das Phänomen fiel mir sofort auf, bei den ersten Erfahrungen damit, tat ich es allerdings noch ab.

Ich dachte, dass dies Zufall sei. Immerhin hatte ich auch an manchen Abenden am eigenen Schreibtisch viele Seiten zusammen bekommen.

So richtig wurde ich mir über die Kraft von wechselnden Orten erst bei einem Seminarausflug meiner Frau bewusst. Ich begleitete sie nach Berlin und legte mir dort auch Kundentermine. Am Abreisetag hatte ich um die Mittagszeit einen Termin, befand mich aber bereits gegen 09:00 Uhr in der Nähe. Also suchte ich mir ein Café und klappte meinen Laptop auf. Und die Worte flossen… ich schrieb und schrieb. Und trank Kaffee. An diesem Vormittag habe ich in etwas unter drei Stunden sieben Seiten geschrieben. Mein übliches Pensum an einem Abend am Schreibtisch waren ca. 3 bis 5 Seiten in rund fünf Stunden. Dass dies enorm wenig ist, ist mir durchaus bewusst. Das liegt wohl daran, dass ich oft nach treffenden Formulierungen gesucht habe, die sowohl Einsteigern als auch Fortgeschrittenen entgegen kommen und sofort verständlich sind - egal aus welcher Position der Leser kommt.

Das zeigt eben eindrucksvoll, wie stark die Kraft von neuen Orten ist. Wenn du also ebenfalls ein Buch schreiben willst, suche dir regelmäßig neue Orte.

Gönne dir regelmäßige Pausen beim Buch schreiben.

Ich habe es bereits angedeutet. Zwischenzeitlich war ich echt ausgelaugt und müde. Ein Sieben-Tage-Pensum mit 12-14 Stunden Arbeitstagen macht man eben nicht über lange Strecken mit.

Ich bin ja weiterhin der festen Überzeugung, dass man als Unternehmer auch mal Phasen durchleben muss, in denen mehr getan werden muss. Längere Arbeitstage sind dann die Folge. Und vielleicht opfert man sogar ein Wochenende. Und gleichzeitig sollte eine solche Phase nicht länger als zwei, vielleicht drei Wochen andauern.

Längere Intensivphasen sollte es nicht geben. Es beginnt dann ein Teufelskreis: man ist müde und eigentlich würde man sich gern einen freien Tag gönnen. Das geht aber nicht, weil so viel zu tun (oder zu schreiben) ist. Also werden die Arbeitstage länger. Durch den fehlenden Schlaf verringert sich allerdings massiv die Konzentration. Durch die niedrigere Konzentration fällt es schwerer, Aufgaben zu bearbeiten oder auch nur eine Seite zu schreiben. Also staut sich immer mehr auf.

In diesen Kreis solltest du niemals geraten. Weil es unzufrieden macht. Und weil dadurch die Leistung absinkt. Dauerfeuer macht also keinen Sinn.

Plane dir feste und regelmäßige Pausenzeiten ein. Schaffe einen Tages- und Wochenablauf in dem Platz für alles Wichtige ist. An erster Stelle solltest du und deine Beziehung stehen. Nichts gibt mehr Halt als jemanden im Rücken, der das eigene Projekt unterstützt. Als nächstes sollte ein gesunder Mix zwischen Arbeit und Schreibarbeit stehen.

So ist es zum Beispiel nicht ratsam, dann zu schreiben, wenn dich deine Kunden erreichen können. Für mich hat es sich nach einiger Zeit bewährt, dass ich Abends nach 17:00 Uhr begonnen habe. Ab dann war meine Telefonnummer nicht mehr erreichbar und der Anrufer wurde auf die Mailbox weitergeleitet.

Schon klar, kreative Arbeit lässt sich nicht in feste Blöcke packen. So kann es vorkommen, dass du im Schreibfluss bist und dein Kalender dir sagt, dass du aufhören sollst, weil gleich ein Kunde anrufen kann. Es muss schon in gewisser Weise flexibel bleiben und gleichzeitig solltest du dich an diesem Rahmen orientieren.

Und komm nicht auf die Idee, dein komplettes Buch an jedem Wochentag zu schreiben und das über Wochen und Monate. Das solltest du erst in Betracht ziehen, wenn das Ende in Sicht ist und du so das Projekt zum Abschluss bringen kannst.

Fazit: Es ist eine tolle Möglichkeit, seine Expertise zu zeigen

Zu Beginn, als ich jedem von dem Projekt erzählte, kam oft die Frage: "Schaffst du dich damit nicht selbst ab?"

Das denke ich nicht, nein. Eher rückt es mich für mein Thema in den Fokus meiner Zielgruppe. Daran glaube ich ganz fest, auch wenn das Buch erst am 28. September 2018 erscheint. Das war auch der Grund, weshalb ich an diesem Projekt festgehalten habe. Und glaub mir, ich stand schon kurz davor, das Buch abzusagen.

Es ging mir dabei nie um das Geld. Die Erträge aus den Buchverkäufen rechtfertigen nie den Aufwand, der dahinter steckt. Von dem Stress, der davon ausgeht, ganz zu schweigen. Ich rede hierbei ausschließlich von Verkäufen über einen Verlag, der natürlich seinen Teil abbekommt. Das ist aber auch ein fairer Deal: du schreibst und der Verlag kümmert sich um den Satz, Druck und das Marketing. Grad der letzte Teil ist sicherlich nicht zu unterschätzen. Unterhält so ein Verlag doch gute Kontakte zu Multiplikatoren, heute Influencer genannt, wie z.B. Magazinen. Der Marketingaufwand sollte nicht unterschätzt werden. Vor allem in Zeiten, in denen es durch eBooks einen Bücher-Overload gibt.

Insgesamt waren an meinem Buch neben mir vier Personen aus dem Rheinwerk Verlag beschäftigt. Zähle ich die Mitarbeiter von Shopware noch hinzu, die sich mit dem Buch beschäftigt haben, komme ich auf sieben Personen. Die Unterstützer, die aus meiner Ehefrau, der Familie und Freunden besteht, sind ebenfalls ein wertvolles Gut, welches zur Realisierung des Projektes beigetragen haben. Sie sollten an dieser Stelle hinzugezählt werden. Wenn auch am Ende mein Name auf dem Buchcover steht - gänzlich allein hätte ich das nie geschafft.

Es war eine tolle und wichtige Erfahrung. Glaube ich jetzt, dass ich ein Autor bin und das Handwerk beherrsche? Mitnichten. Und gleichzeitig konnte ich doch viel lernen. Das, was ich aus dem Jahr, in dem ich das Buch geschrieben habe, mitgenommen habe, wollte ich unbedingt teilen. Falls du ein Buchprojekt im Kopf oder bereits begonnen hast (warum auch sonst solltest du diesen Artikel lesen?), helfen dir meine Ratschläge und Erfahrungen vielleicht weiter. Das würde mich sehr freuen.

7 Kommentare

  • Danke für diesen Artikel und herzliche Gratulation zum Durchhaltewillen! :)

    Ich habe vor einiger Zeit auch mit dem Gedanken gespielt, ein Sachbuch zu schreiben. Als ich dann recherchiert habe, wie gross der Aufwand und wie gering der Ertrag ist, habe ich davon Abstand genommen.

    Allerdings hatte ich ein E-Book (oder Print-on-Demand im Selbstverlag) im Auge, keine Zusammenarbeit mit einem renommierten Verlag.

    Deshalb die Frage: bekommst Du ein Honorar oder trägst Du das ganze Risiko selbst?
  • Hallo Marcel,
    herzlichen Glückwunsch zum Buch! Sehr viele Punkte aus deinem Artikel kann ich so unterschreiben. Mein Buch aus dem selben Verlag erscheint am Freitag. Ich bin gespannt... :)
  • Dann wünsche ich dir viel Erfolg für dein Release :)
  • Danke für die Einblicke. Sehr gute Orientierung für jemanden, der selbst schreibt.
  • Hallo Marcel,
    es war schön, hier nun mal den gesamten Werdegang Deines Buchs gelesen zu haben. Nun kann ich erkennen, in welchen schöpferischen Phasen Du Dich befunden hast, als wir uns begegnet sind.
    Die Motivation, etwas ähnliches zu versuchen, verspüre ich auch. Aber, wenn man zahlreiche Ideen hat, die neue Geschäftsfelder eröffnen oder soziale Projekte ermöglichen, dann überlegt man wohl eher zwei Mal, ob sich der zeitliche Aufwand lohnt und, ob es nicht modernere Formen gibt, sein Wissen oder seine Erfahrungen zu teilen, um als Experte zu gelten.
  • Super geschrieben, ich hab es gelesen, auch wenn ich kein Buch schreiben werde. Und man hat es dir nicht angemerkt, dass du dermaßen angespannt warst. Sicher hat deine Frau sehr viel aufgefangen. Hut ab vor der Leistung, wir sind so stolz auf dich.
  • Danke für die netten Worte. Ja, sie hat auf jeden Fall viel aufgefangen und ertragen müssen. Dabei hatte sie ja selbst so viel zu tun. 🙃

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