Von „Deutsch 4- und Thema verfehlt“ zum Blogger und Fachbuchautor bei Beltz

Von „Deutsch 4- und Thema verfehlt“ zum Blogger und Fachbuchautor bei Beltz

Was war ich überzeugt von meinen Aufsätzen in der Schule. Ich erinnere mich noch genau: Meist hatten wir drei Themen zur Auswahl. Und dann ging es los, was nehme ich? Als ich dann endlich „mein Thema“ gefunden hatte, legte ich los und war sicher: Diesmal wird es der große Wurf! Es wird der absolute Wahnsinn, ein genialer Aufsatz, so dachte ich. Unvergessen mein Deutschlehrer. Deutsch war das Fach in der Schule, was mich mit am wenigsten interessierte. Wir lasen eine Menge Texte, doch wurden wir nie wirklich an Literatur herangeführt. Als es bei Textinterpretationen um die eigene Meinung ging, war eher wichtig, die Meinung des Lehrers möglichst genau zu treffen. Dann hatte man eine gute Note sicher. Da mir das meist misslang, stand unter meinen Schulaufsätzen in aller Regel: „Deutsch 4-„ und „Thema verfehlt“.

Gründlich vermiest

Seit dieser Zeit hatte ich nie sonderlich Lust am Schreiben. Verständlich, wurden die eigenen Versuche meist als „klägliches Scheitern“ deklariert. „Du musst froh sein, dass es noch zur vier gereicht hat“, das gab mir mein Lehrer oft zu verstehen. Beruflich habe ich als Trainer natürlich Teilnehmerunterlagen erstellt. Ansonsten hatte ich aber mit dem Schreiben nichts groß am Hut. Das änderte sich allerdings schlagartig, als ich 2013 mit dem Bloggen begann. Damals gründete ich mit meiner Kollegin, Christiane Richter aus Berlin, das ICK – Institut für Coaching & Kompetenz. Als langjährige Trainer und Coaches wollten wir unsere Erfahrungen bündeln und an interessierte Neulinge weitergeben. Dazu hatten wir die Idee, unsere Internetseite mit einem Blog zu bereichern. Unsere Praxiserfahrung wollten wir auf diesem Wege weitergeben und natürlich Interessenten damit auf uns aufmerksam machen. Wir kannten zwar die Wichtigkeit von Content Management, waren aber noch viel zu sehr auf das eigene Schreiben konzentriert. Uns ging es eher darum, spannende Inhalte zu publizieren.

Eisberg voraus –

An meinen ersten Artikel erinnere ich mich noch gut: „Grenzen der eigenen Coaching-Arbeit“. Eigentlich hätte er heißen müssen: „Grenzen der eigenen Schreibkunst“…Nicht, dass der Artikel fachlich schlecht war, ganz und gar nicht. Doch mein Schreibstil, die Ansprache des Lesers, Aufbau und Lesefluss waren katastrophal. Das bescheinigte mir mehr oder weniger meine Kollegin. Und sie gab sich wirklich Mühe, das gut zu verpacken, ganz Coach-like. Obwohl ich natürlich wieder der Meinung war, dass es richtig gut geschrieben war. So wie damals eben. Wir hatten ausgemacht, die Artikel immer gegenzulesen. Schließlich waren wir beide „Neu-Blogger“ und vier Augen sehen selbstverständlich mehr als zwei.

Flashback, da war er wieder…

Zwangsläufig wurde ich wieder an mein altes „Schultrauma erinnert“:  4- und: ..Du weißt schon – Thema verfehlt -. Aber was half es, ich versuchte die Verbesserungsvorschläge umzusetzen und machte eine neue Korrekturschleife. Na, schon besser. Und langsam aber sicher verbesserte ich mit jedem Artikel meine Struktur, Gliederung, Schreibstil und lernte,  auch mehr eine (emotionale) Botschaft zu transportieren und einen Spannungsbogen aufzubauen. Zu dieser Zeit las ich sehr viele Blogs und das half mir, mehr und mehr Anregungen zu bekommen. Mittlerweile  haben wir schon mehrere hundert Artikel im Blog, und ich bin sicher, dass noch viele dazukommen. Rückblickend war bzw. ist es ein Glücksfall, dass wir unsere Artikel gegenlesen und uns konstruktives Feedback geben können. Auch wenn es natürlich aufwändiger ist: Das Feedback hilft ungemein. Jeder, der schon einmal Texte geschrieben hat weiß, dass man stets glaubt für den Leser verständlich zu schreiben. Tatsächlich wird man aber recht schnell betriebsblind. Man selbst ist ja Experte in seinem Thema. Aber sind die eigenen Zeilen auch für andere verständlich?

Der Griff nach den Sternen

Mir spukte schon länger der Gedanke im Kopf herum, ein eigenes Buch zu schreiben. Es stand sozusagen auf meiner „Wunschliste“, was ich im Leben unbedingt machen möchte.  Schnell konnte ich meine Kollegin, Christiane, überzeugen. Dabei ging es uns aber nicht (nur) darum, ein Buch zu schreiben, sondern auch darum unseren Expertenstatus in unserem Bereich zu manifestieren. Vielleicht kennst Du das: Wer ein Buch schreibt welches  durch einen namhaften Verlag publiziert wird, der wird als Experte in seinem Bereich wahrgenommen. Der Gedanke ein Buch zu schreiben, war bereits 2014 da. Aus Zeitmangel konnte er damals (noch) nicht umgesetzt werden.

Ohne Planung geht nichts – so gingen wir an die Sache ran

Willst Du ein Buch schreiben und platzieren, geht ohne konkrete und sorgfältige Planung nichts. Zuerst machten wir uns Gedanken,  welche  Themen  wir konkret aufgreifen wollten um darüber zu schreiben. Wir fanden es spannend, jungen Coaches aus dem Personal- und Businessbereich den Einstieg in ihr eigenes Business zu erleichtern. Vor vielen Jahren hatten wir diesen Weg selbst beschritten, mit allen Höhen und Tiefen,  und nun lag es an uns, den eigenen Werdegang und vor allem unseren Erfahrungsschatz aufzuzeigen. Es war uns ein großes Anliegen, nicht nur die eigene Erfahrung aufzuschreiben. Das Buch sollte vielmehr ein Leitfaden sein für Beginner, aber auch Anregungen bieten für schon gestartete Coaches. Angefangen von der eigenen Motivation für den Beruf des Coaches, der eigenen „Berufstauglichkeit“ als Unternehmer, Finanzplanung bis hin zur Positionierung, Werbung und Marketing.

Buch schreiben, und zwar ein Richtiges!

Heute kann jeder ein E-Book veröffentlichen. Auch die Möglichkeit über „books on demand“ (Digitaldruckverfahren, mit dem Bücher nach Bedarf hergestellt werden können) zu veröffentlichen ist keine große Sache. Wir wollten aber einen  möglichst bekannten Verlag für unser Buch und starteten die erste Recherche: Welche Verlage kommen überhaupt für unseren Themenbereich in Frage? Ein Blick ins Bücherregal brachte schnell Klarheit. Dort stehen fachverwandte Bücher von Junfermann, Gabal, Beltz, Campus und noch einige andere. Jetzt gehen die Hausaufgaben weiter: Was sind die Anforderungen für ein Exposé? „Was ist das denn?“, wirst du jetzt vielleicht fragen. In einem Exposé fasst du den Inhalt deines Buches zusammen, erstellst eine Gliederung des Inhaltes und schreibst ein Probekapitel. Außerdem solltest du noch eine „Konkurrenzanalyse“ machen. Der Verlag möchte damit von dir wissen, ob du den Markt gründlich sondiert hast. So wäre es für den Verlag nicht lukrativ, ein Buch zu veröffentlichen das es so oder so ähnlich schon gibt und an dem er nichts verdienen kann.  Solltest du ein Buch veröffentlichen wollen, solltest Du immer im Hinterkopf haben, dass Verlage auf der Suche nach neuen, spannenden Inhalten sind. Das kann natürlich auch eine Nische sein. Auf den Internetseiten der entsprechenden Verlage findest Du übrigens die Anforderungen an ein Exposé. Da dies einer Bewerbung gleich kommt, macht es sehr viel Sinn dieses sorgfältig und sehr gründlich zu erstellen.  Zusätzlich solltest Du wissen, welchen Seitenumfang, wie viele Grafiken bzw. Illustrationen Dein Buch (ungefähr) haben soll. Diese Dinge sind nicht „in Stein gemeißelt“ und können später in geringem Maße auch noch abweichen.

Die Zusage

Wie Du dir vorstellen kannst,  bekamen wir nicht nur Zusagen, sondern auch Absagen zu unserer Buchidee. Recht schnell hat aber der Beltz-Verlag Interesse signalisiert. Die Freude war natürlich riesengroß, hatten wir doch gehofft, unseren Wunschverlag mit unserer Idee überzeugen zu können.  Im Weiteren haben wir einen sogenannten Projektpass (da kommt alles rein, was das Buch betrifft, auch die Autorenvorstellungen) und natürlich den Autorenvertrag besprochen. Hier gibt es immer etwas Verhandlungsspielraum, doch sollte man als Newcomer den Bogen nicht überspannen. Das Autorenhonorar liegt in der Regel zwischen 8 – 12 Prozent  vom  Verkaufspreis minus 7 % Mwst.  Falls du bisher glaubtest, als Fachbuchautor reich werden zu können, muss ich dich hiermit leider enttäuschen! Auch die Anzahl der Autorenexemplare (Anzahl der Bücher, die der Autor vom Verlag gratis bekommt) wird im Vertrag geregelt, bietet aber auch Verhandlungsspielraum. Und natürlich werden im Vertrag urheberrechtliche Belange geregelt.

Bis dahin war es aber noch die Kür – und jetzt kam die Pflicht, nun mussten wir liefern! Im nächsten Abschnitt will ich Dir zeigen, wie ich an das Schreiben herangegangen bin und wie ich Schreibblockaden und andere Hürden gemeistert habe.

Aller Anfang hat ein Ende

Ja, wo soll ich denn jetzt eigentlich anfangen? Hmmh…diese Frage stellte sich mich mir zu allererst. Da wir unser Buch zu zweit geschrieben haben, konnten wir bereits im Vorfeld ein bisschen nach den eigenen Wunschthemen aufteilen. Auch den ungefähren Umfang der Kapitel haben wir festgelegt.  Der nächste Schritt: Jetzt muss mal was Konkretes auf´s Papier. Ich wählte mir aus meinen Buchthemen eines aus, zu dem mir spontan viel einfiel und auf das ich richtig Lust hatte. Danach machte ich eine Stichwortliste mit allem, was ich gerne in den Zeilen unterbringen  wollte, wohl wissend, dass nur ein Teil Platz finden wird. Anhand meiner Stichwortliste begann ich zu schreiben. War ein Kapitel bzw. ein Unterkapitel fertig, war Korrekturlesen dran. Da wurde noch einmal das ein oder andere umgestellt, rausgelöscht oder ergänzt. Danach kam das  Gegenlesen mit Feedback. Das ist nicht immer angenehm und kann auch nervenaufreibend sein, es ist aber absolut sinnvoll wenn Du verständlich rüberkommen willst und deinen Schreibstil verbessern willst. Für mich war es hilfreich, mit den „leichteren Kapiteln“ vorzulegen. So konnte ich auf schon Geleistetes zurückschauen und das motivierte mich, auch die umfangreicheren Themen abzuarbeiten. Als hilfreich erwies es sich, verschiedene Deadlines zu setzen um wirklich  „aus den Puschen“ zu kommen.

Wann das Buch schreiben?

Sehr nützlich ist es, wenn du deine eigene „Schreibzeit“ einschätzen kannst. Also: Wann  hast du Zeit und Muße. Da ich eine „Nachteule“ bin, habe ich abends zwischen 22 und 24 Uhr eine sehr kreative Zeit. Dann bin ich vor allem auch ungestört. Meine Familie schläft und das Telefon klingelt nicht. Außerdem lasse ich mich auch nicht von E-Mails oder dem „Treiben des Tages“ ablenken.  Was meines Erachtens nicht funktioniert ist, ein Buch mal eben so  „nebenbei“ zu schreiben. Das bedeutet in der Regel, dass immer etwas gerade wichtiger ist. Wenn du selbstständig arbeitest, weißt du sicher was ich meine. Daher halte ich einen Zeitplan, wie oben erwähnt, für absolut notwendig. Nicht zuletzt hatten wir auch eine Vorgabe durch den Verlag, der unser Manuskript zu einem gesetzten Termin auf dem Tisch haben wollte. Allein dadurch mussten wir uns gut strukturieren. Ich habe stets versucht darauf zu achten, nach längerer Schreibzeit (90 Minuten) Pause zu machen. Wichtig war mir dann aufzustehen und mich zu bewegen; ebenso genügend Wasser zu trinken. Das beugt Kopfschmerzen und „schleppenden Gedanken“ vor. Außerdem wird man nicht so schnell müde.

Umgang mit Schreibblockaden

Das Schreckgespenst jeden Autors ist es, vor dem weißen Blatt Papier (oder leeren Word-Dokument) zu sitzen mit absolut leerem Hirn. Zum Glück ist mir das bei der Verfassung des Buches nur selten passiert. Wenn ich mal absolut  keine Lust hatte, habe ich mich auch nicht gezwungen, in der Hoffnung, dass etwas Pause mir gut tut. Und genau so war es, mein Kopf hat mir signalisiert, wenn er mal abschalten musste. Danach ging es umso besser.  So gesehen hatte ich nicht wirklich eine ernsthafte Schreibblockade. Ein großes Hindernis auf dem Weg zur erfolgreichen Autorenschaft ist übrigens Perfektionismus. Zu meinen, man müsste jetzt das absolute „NONPLUSULTRA“ zu Papier bringen, erzeugt unnötigen Druck der bis zur Lähmung gehen kann. Solltest du beim Schreiben diesen Anspruch haben und „erste Lähmungserscheinungen“ bemerken, dann schreibe einfach drauflos mit der Maßgabe, dass du Dir erst später (am besten am nächsten Tag)  deine „geistigen Ergüsse“ anschaust. Oft sind sie gar nicht so schlecht und liefern zumindest Ideen oder Fragmente, welche dich weiterbringen. So kannst du deinen inneren „Zensor“ etwas besser im Zaum halten.  Zur Fertigstellung des Buches gab es dann natürlich noch Korrekturschleifen durch den Verlagslektor mit kleineren Korrekturen, die sich zu unserer Freude aber sehr in Grenzen hielten. Im Vorfeld wurden wir bereits über das Buchcover informiert. Für die Rückseite des Buches sammelten wir noch Testimonials (das sind kleine „Empfehlungsschreiben“ von bekannten Personen ), so etwas kommt immer gut an und erzeugt im besten Falle Neugier auf den Inhalt und erhöht die Glaubwürdigkeit.

Dann hast du ihn in der Hand

…den eigenen Bildband…haha 😉 UPS klingelt an deiner Tür und da sind sie: Die Autorenexemplare. Und dann öffnest du den Karton, ritzt mit der Schere ganz vorsichtig die Plastikfolie an der Stirnseite, klappst das Buch auf, steckst deine Nase ins Buch und nimmst einen richtig tiefen Atemzug! Es riecht nach Buch, nach einem echten Buch, nach DEINEM Buch! 🙂

Und hier ist es, unser Buch!

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